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Geschäftsidee: Unternehmensberaterin mistet für Bauern aus

Landwirte seien bisher als Unternehmer in der Beratung vernachlässigt worden, sagt Monika Meuer, die mit ihrem "Bauern-Büro" diese Marktlücke schließt.

Monika Meuer klopft sich die Jauche von der Hose. "Das muss man schon abkönnen, wenn man mit Landwirten zusammenarbeiten will", lacht die 39-jährige, während sie Landwirt Bernd Schmitz in Hanf bei Hennef aus dem Stall begleitet. Meuer hat eine Marktlücke entdeckt. Sie ist Nordrhein-Westfalens erste und bislang einzige Unternehmensberaterin für Bauern.

Mit ihrem Bauern-Büro in Hennef (Rhein-Sieg Kreis) bietet sie seit Juli dieses Jahres Beratung in Organisation und Zeitmanagement an. "Für mich war sie die dringend benötigte Hilfe", sagte Schmitz.

Landwirte seien bisher als Unternehmer in der Beratung vernachlässigt worden, sagt Meuer. Bauern arbeiteten heute längst nicht mehr nur auf dem Feld oder im Stall, sondern zunehmend am PC und Schreibtisch. "Deutsche Vorschriften, EU-Regelungen - das alles erfordert von den Landwirten immer mehr Zeit", sagte Meuer. Fristen müssten eingehalten, bei Förderungsanträgen dürfe kein halber Quadratmeter Land zu viel angegeben werden. Anträge und Formulare zu bearbeiten, passe oft nicht in den Tagesablauf der Landwirte. "Zeit- und Selbstmanagement ist inzwischen unerlässlich."

Alles muss schnell zur Hand sein

Meuer bringt vielfältige Erfahrungen mit. Gelernt habe sie beim Bayer-Konzern in Leverkusen, später habe sie Manager in Finnland unterrichtet und dann ein Jahr lang bei den Wirtschaftsjunioren (Zusammenschluss deutscher Jung-Unternehmer) in Darmstadt. Schließlich habe sie die Idee einer landwirtschaftlichen Unternehmensberatung gehabt. Allerdings sollte diese Beratung dann nicht vom Büro aus geschehen, sondern immer direkt vor Ort in den Betrieben. Abgerechnet wird auf Stundenbasis.

"Für mich war die Büroarbeit bisher immer ein immenser Stressfaktor. Bessere Zeitplanung war dringend nötig", sagte Landwirt Schmitz und lehnt sich im Bürostuhl zurück. Vor ihm steht ein neuer PC, sein dritter auf dem Hof, neben ihm über 25 Aktenordner. Jedes Dokument müsse archiviert werden. Förderungsanträge, Ertragsrechnungen oder tierärztliche Bescheinigungen müssten bei Nachfrage schnell zur Hand sein.

Eine exakte Zeitplanung

Vom technischen Stand ist der Betrieb im Hanftal hochmodern. Die Milchkühe von Schmitz tragen Sensorhalsbänder für die computer-gesteuerte Futterausgabe, Anträge und Formulare lädt er aus dem Internet. Nur vor der Büroarbeit habe er sich oft gedrückt, sagt Schmitz. Er habe bisher dafür auch noch keine passende Fortbildung gefunden. Die Landwirtschaftkammer Rheinland hatte zwar im Winter Fortbildungen angeboten, doch sei der Kurs zu Beginn dieses Jahres aus Teilnehmermangel nicht zu Stande gekommen. Inzwischen habe er ein neues Ablagesystem eingeführt und sei dabei, einen Wochen- und Jahresplan aufzustellen. Das mit Meuer festgelegte Ziel sei es, insgesamt einen halben Bürotag einsparen zu können, sagte Schmitz. Dies sei wertvolle, nutzbare Zeit für seinen Drei-Mann-Betrieb.

Monika Meuer sieht gute Chancen für ihre Unternehmens-Idee. Mit Produktion, Selbstvermarktung und -verkauf sowie vielleicht noch einem Bauern-Café sei ein landwirtschaftlicher Betrieb heute oft gleich drei Unternehmen in einem. Dies erfordere eine exakte Zeitplanung.

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