Helge Eberbach Umweltberater auf Sansibar


Er war neugierig auf die fremde Kultur und wollte in der Fremde auch etwas über sich selbst lernen. Beides hat sich für Helge Eberbach auf Sansibar erfüllt: Er weiß jetzt, dass er den nahen Kontakt zu Menschen braucht - und wird daheim Medizin studieren.

Name: Helge Eberbach
Alter: 20 Jahre
Heimatstadt: Alpirsbach
Einsatzort: Sansibar-Stadt, Sansibar

Ich wollte nach meiner Schulzeit raus in die Welt und eine andere Kultur "richtig" kennenlernen - nicht immer nur als Tourist. Ich wollte meine Sprachkenntnisse erweitern, und ich wollte meinen eigenen Platz in der Gesellschaft finden. Außerdem wollte ich für mich selbst herausfinden, ob ich wirklich Ingenieur für erneuerbare Energien werden möchte. Und natürlich war ich neugierig.

Sonnenkollektoren für die Dörfer

Mein Job war, Dorfbewohnern den Umgang mit Sonnenkollektoren beizubringen. Es war schon sehr aufregend, als "Entwicklungshelfer" in islamisch geprägten Dörfern unterwegs zu sein. So hat mir während meines Auslandsjahres auch der Kontakt mit den Sansibaris, wie sich die Bewohner Sansibars selbst nennen, am meisten Freude gemacht. Außerdem spreche ich jetzt fließend die Landessprache Kiswahili. Ein Land ist nichts ohne seine Menschen - nur sie können dir ein Lächeln auf die Lippen zaubern, das seinen Ursprung im Herzen hat. Deshalb fällt mir eigentlich auch nichts Erwähnenswertes ein, was mir nicht gefallen hat.

Was mich derzeit am meisten bewegt, sind die Erfahrungen, die ich im Bezug auf Entwicklungszusammenarbeit gemacht habe und die Feststellung, dass in diesem Bereich sehr, sehr viel falsch angegangen wird. So schaden Spenden oder Entwicklungshilfeprojekte oft mehr als sie helfen, da dadurch bei den Empfängern eine Erwartungshaltung entsteht und ein großer Teil der Eigeninitiative verloren geht.

Lieber Arzt als Ingenieur

Deshalb hat sich auch mein Berufswunsch über das Jahr hin geändert. Urspünglich hatte ich mich für den Ingenieursstudiengang "Regenerative Energietechnik" interessiert. Aber durch meine Arbeit hier habe ich gemerkt, dass mir dann der für mich so wichtige Umgang mit den Menschen fehlen wird. Deshalb habe ich mich für mein zweites Steckenpferd, die Humanmedizin entschieden.

Ich habe vor allem gelernt, dass man auch mit wenig Besitz oder Eigentum glücklich sein kann. Außerdem ist mir die Bedeutung von Bildung und Gesundheit für den Wohlstand der Menschen bewusster geworden. Natürlich habe ich auch durch die Konfrontation mit der anderen Kultur mich selbst gefunden. Insofern hat sich tatsächlich meine urspüngliche Hoffnung erfüllt: Ich habe meinen eigenen Platz gefunden. Allerdings mache ich mir keine großen Illusionen, dass sich durch meine Arbeit hier viel verändert. Wenn etwas verändert werden wird, dann nur durch die gemeinsame Arbeit.


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