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IG Metall: 6,5 Schluck aus der Pulle

Es könnte der härteste Tarifkonflikt seit fünf Jahren werden: Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber lehnen diese Forderung als überzogen ab. Arbeitsplätze seien in Gefahr.

Die Metall- und Elektroindustrie steht vor dem härtesten Tarifkonflikt seit dem Streikjahr 2002. Die IG Metall legte bei einer Vorstandssitzung in Frankfurt die Forderung von 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten endgültig fest. Dies ist die höchste Lohnforderung seit fünf Jahren. Die Metall-Arbeitgeber wiesen Einkommenserhöhungen in der verlangten Höhe als leichtfertig zurück, da sie Arbeitsplätze in Deutschland gefährdeten. Die Tarifverhandlungen beginnen in zwei Wochen mit der ersten regionalen Runde in Nordrhein-Westfalen, wo 2006 der Pilotabschluss für die Branche erzielt wurde.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters verwies auf den anhaltenden wirtschaftlichen Höhenflug der Metallindustrie und verteidigte die Forderung als "sozial gerechtfertigt und gesamtwirtschaftlich notwendig". Die Unternehmen der Branche hätten selten so viel verdient und gleichzeitig so wenig für Löhne und Gehälter gezahlt wie heute. Vom Umsatz würden derzeit nur 16,4 Prozent für Löhne und Gehälter gezahlt. Die Forderung sei deshalb für die Unternehmen bezahlbar. Der Vorstand hatte am 6. Februar eine Forderung von 6,5 Prozent empfohlen, der sich alle Bezirke anschlossen.

"Forderung setzt Arbeitsplätze aufs Spiel"

Die Arbeitgeber warnten davor, die Wettbewerbsfähigkeit der Metall- und Elektroindustrie zu gefährden. "Wir schulden es der Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe, einer Forderung nach 6,5 Prozent Lohnerhöhung mit Entschiedenheit entgegenzutreten", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in Berlin. Die Forderung sei "leichtfertig und würde die teilweise wieder erlangte Stabilisierung unserer Arbeitsplätze erneut aufs Spiel setzen". Der Abschluss müsse unter dem des Spitzenjahres 2006 bleiben, als Einkommenserhöhungen von drei Prozent vereinbart worden waren.

Die Arbeitgeber verlangten erneut einen zweigeteilten Abschluss aus einer moderaten dauerhaften Erhöhung und einem einmaligen "Konjunkturbonus". Dies sei die einzige Möglichkeit, die Belegschaften ohne nachhaltigen Beschäftigungsrisiken an Konjunkturen zu beteiligen, sagte Kannegiesser. Der Maschinenbau-Verband VDMA warnte bereits davor, 10.000 weitere Neueinstellungen aufzuschieben. "Dieser Erfolg wird durch die überzogenen Lohnforderungen der IG Metall gefährdet", sagte VDMA-Präsident Dieter Brucklacher der "Berliner Zeitung".

Keinen zweigeteilten Abschluss

IG-Metall-Chef Peters appellierte an die Arbeitgeber, "auf überflüssige Rituale zu verzichten, die Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und den Arbeitnehmern schnell ein faires Angebot zu machen". Einen zweigeteilten Abschluss lehnt die Gewerkschaft ab. Sie will möglichst hohe prozentuale Erhöhungen in den Tabellen durchsetzen. 2006 hatten die Arbeitgeber erst nach Ablauf der Friedenspflicht ein Angebot auf den Tisch gelegt. In dieser Tarifrunde läuft die Friedenspflicht am 28. April aus. Danach sind Warnstreiks möglich. Zuletzt hatte die IG Metall 2002 in Baden- Württemberg und Berlin-Brandenburg für mehr Lohn und Gehalt sowie einen neuen Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) gestreikt.

Nach dem Auftakt der regionalen Verhandlungen am 12. März in Nordrhein-Westfalen folgen alle andere neun Tarifgebiete bis zum 19. März. Vor Ostern wird es voraussichtlich überall noch eine zweite Runde geben.

DPA / DPA