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Insolvenz-Rekord Chancen werden häufig nicht genutzt

Während die Zahl der Unternehmenspleiten in den USA rückläufig ist, verzeichnet Deutschland neue Pleite-Rekorde. Deutsche Firmen nutzen ihre Möglichkeiten häufig einfach nicht.

Deutsche Unternehmen beantragen Insolvenzverfahren vergleichsweise spät und schöpfen die Möglichkeiten des Insolvenzrechts nicht voll aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte Deutschland mit 19.200 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2003 einen neuen Rekord. In den USA zeichnet sich dagegen ein neuer Tiefstand ab: Laut der aktuellen Analyse "The Phoenix Forecast 2003" der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisation PricewaterhouseCoopers (PwC) meldeten in den ersten sechs Monaten 2003 lediglich 76 US-Aktiengesellschaften Konkurs an, die niedrigste Zahl seit dem ersten Halbjahr 2000.

Dies lässt sich auf die frühzeitige Absenkung des Zinsniveaus, den einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung und die Umsetzung neuer, strikter Corporate Governance-Regeln zurückführen. Die gegenläufige Entwicklung in Deutschland wiegt um so schwerer, als die Insolvenz immer noch häufig zur Zerschlagung eines Unternehmens führt. "Die Anzahl der Firmenzerschlagungen ließe sich in Deutschland jedoch deutlich senken, wenn Unternehmer die Eröffnung der Insolvenzverfahren früher beantragen und das im deutschen Insolvenzrecht vorgesehene Insolvenzplanverfahren anwenden würden", konstatiert Stephen Taylor, Partner bei PwC und Leiter des Bereiches Business Recovery Services in Deutschland und Kontinentaleuropa.

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Die Analyse "The Phoenix Forecast - Industries Under Financial Stress and the 2003 Bankruptcy Forecast" von PwC steht im Internet kostenlos als pdf-Format zur Verfügung.

Unternehmen eröffnen häufig zu spät das Insolvenzverfahren

Die am 1. Januar 1999 in Deutschland in Kraft getretene Insolvenzordnung hat mit dem Insolvenzplan ein neues Sanierungsinstrument für Unternehmen zur Verfügung gestellt. Es soll die Sanierung noch nach Verfahrenseröffnung ermöglichen; zu einem Zeitpunkt, zu dem nach herkömmlicher Betrachtung das Unternehmen zerschlagen, die Vermögenswerte liquidiert und der Erlös an die Gläubiger verteilt werden.

Das Insolvenzplanverfahren orientiert sich am US-amerikanischen Sanierungsverfahren gemäß Chapter 11 des US-Bankruptcy Codes, jedoch wird das Verfahren in Deutschland noch relativ selten angewandt. Das Potenzial der gesetzlichen Rahmenbedingungen wird somit nicht vollständig ausgenutzt. So beantragen deutsche Unternehmen noch immer vergleichsweise spät die Eröffnung des Verfahrens; zumeist sogar zu spät, was in vielen Fällen nur die Zerschlagung des krisengeschüttelten Unternehmens als Ausweg offen lässt.

Einen wesentlichen Grund für diese zögerliche Haltung sieht Stephen Taylor in der häufig verwehrten Eigenverwaltung: Der Antrag auf Insolvenz hat in den meisten Fällen das Einsetzen eines mit umfassenden Befugnissen ausgestatteten Verwalters zur Folge.

Transparenz, Konsens und Vertrauen können eine Insolvenz vermeiden

"Die Beantragung der Insolvenz könnte in vielen Fällen gänzlich vermieden werden, wenn das Unternehmen die Krise frühzeitig erkennt und rechtzeitig Sanierungsmaßnahmen ergreift", so Roland Pruss, Partner im Bereich Business Recovery Services bei PwC. In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation sollte es das Ziel von Unternehmen sein, die für eine fundierte Risikoabschätzung erforderlichen Informationen transparent zu machen. Hierauf basierend lassen sich Sanierungskonzepte zur Krisenbewältigung entwickeln, die von den Beteiligten gestützt werden und somit die größten Erfolgschancen besitzen. Auf dem Weg zurück zu normalen Betriebsabläufen kann dann das Vertrauen der Kapitalgeber durch die fortlaufende Erfolgskontrolle der durchgeführten Maßnahmen wiedergewonnen werden.

"Die gegensätzliche Entwicklung der Zahl der Insolvenzen in Deutschland und den USA zeigt, dass die USA in der konjunkturellen Erholung weit vor Deutschland liegen. Es wird wahrscheinlich noch gut zwölf bis 24 Monate dauern, bis sich die erwartete Belebung der deutschen Wirtschaft positiv auf die Zahl der Insolvenzen auswirkt", prognostiziert Roland Pruss.

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