Die Stimmung in den USA hat vor Beginn des Turniers schon WM-Niveau erreicht. Den Eindruck vermittelten die TV-Bilder vom vorletzten Testspiel der US-Elf gegen den Senegal am vergangenen Freitag. Die Partie fand in Charlotte vor knapp 58.000 Zuschauern statt. Anhänger feierten das Team lautstark, auch wenn das Stadion längst nicht ausverkauft war. Die USA gewannen 3:2 – und dass die Mannschaft brennt, sah man an den Reaktionen der Spieler auf dem Rasen und am Tempo: „Es war elektrisierend“, sagte der beste Mann des Teams, Christian Pulisic.
In Chicago steht am Samstagabend der letzte Härtetest an – gegen die deutsche Elf (ab 20.30 Uhr live im TV bei RTL). Man darf gespannt sein, ob sich die leidenschaftliche Stimmung und die Spielfreude der US-Boys in Charlotte auf das Soldier Field am Michigansee übertragen. Oder die DFB-Elf den Spielverderber gibt.
Sieg war dringend notwendiger Stimmungsaufheller
Für das Team von Nationaltrainer Mauricio Pochettino war der knappe Erfolg gegen den Senegal der dringend notwendige Stimmungsaufheller vor dem großen Projekt Heim-WM. Zuletzt hatte es im Frühjahr ein 2:5 gegen Belgien und ein 0:2 gegen Portugal gesetzt. In den vergangenen Jahren verloren die USA damit sämtliche Spiele gegen europäische Teams (Türkei, Schweiz, Slowenien).
Hohe Ticketpreise, teure Reisekosten und Kritik an Fifa und US-Präsident Trump dämpfen die Vorfreude auf die WM zusätzlich. Niemand weiß so recht, was dieses Rekord-Turnier mit 48 Teilnehmern bringen wird. Menschenrechtsorganisationen fürchten, dass die Migrationspolizei ICE Fans aufgreifen könnte.
Dennoch ist die Erwartung an die US-Mannschaft im eigenen Land groß. Ein Scheitern vor dem Viertelfinale wäre eine herbe Enttäuschung und könnte sich auch auf die WM-Stimmung im Land auswirken. Die Gruppengegner lauten Türkei, Paraguay und Australien. Doch ob es dafür reicht? Pochettino verbreitet offiziell viel Optimismus: „Als ich vor der Auslosung in Washington mit dem Präsidenten Donald Trump zusammentraf, fragte er mich: ,Glauben Sie, dass wir gewinnen können?' Und ich antwortete: ,Natürlich. Ich bin hier, weil ich daran glaube, dass wir gewinnen können.'“
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel gegen den Senegal war: Superstar Christian Pulisic scheint wieder in Form zu kommen. Ein Tor und eine Torvorlage steuerte der Mann vom AC Milan bei und beendete eine lange Torflaute. Die Mannschaft ist auf seine außergewöhnlichen Fähigkeiten angewiesen, er bildet das Herz der Mannschaft. Für Gegner wie die DFB-Elf heißt es deshalb: Pulisic aus dem Spiel zu nehmen, ist von entscheidender Bedeutung.
Der Rest des US-Teams: solide Fachkräfte
Neben dem Ex-Dortmunder sticht selbstverständlich Weston McKennie hervor, der ehemalige Schalker, der für Juventus Turin aufläuft. McKennie bildet mit Tyler Adams (AFC Bournemouth) meist eine stabile Doppelsechs. Als Torjäger trifft Ricardo Pepi beim PSV Eindhoven regelmäßig, in der Nationalelf kämpft er hingegen mit Formschwankungen. Timothy Weah (Olympique Marseille) und Folarin Balogun (AS Monaco) sind ebenfalls wichtige Offensivkräfte. In der Abwehr hofft Trainer Pochettino auf die Rückkehr von Chris Richardson von Crystal Palace. Ob es gegen Deutschland reicht, ist offen.
Der Rest des Teams wird von soliden Fachkräften gebildet, die große Schwäche ist die Torhüterposition. Die Zeiten großer amerikanischer Keeper wie einst Casey Keller ist längst vorbei. Zuletzt beorderte Pochettino Keeper Matt Freese ins Tor, weil die alte Nummer 1, Matt Turner, gegen Belgien schwer gepatzt hatte. Gegen den Senegal wechselten sich Turner und der zweite Ersatztorwart Chris Brady ab, der das zweite Tor der Afrikaner durch einen Fehler begünstigte.
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Quellen: „Kicker“, „Charlotte Observer“, DPA