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Job-Coach: Meine Kollegen, Kunden und der Chef nerven nur noch! Soll ich kündigen?

Der Job könnte Spaß machen - doch zunehmend gehen die Kollegen, die Kunden und natürlich der Chef mächtig auf die Nerven. Sollte man kündigen? Oder resignieren? Job-Coach Ragnhild Struss rät, sich zunächst den eigenen Ärger genauer anzusehen.

Unzufrieden im Job

Unzufrieden im Job - ab wann muss man die Arbeitsstelle wechseln? 

Eigentlich mag ich meinen . Eigentlich. Aber uneigentlich rege ich mich nur auf – über meine Kollegen, über meinen Chef, meine Kunden. Zu Hause kann ich mich richtig in Rage reden. Solange, bis mein Kopf schmerzt. Was soll ich tun?

Das Wichtigste vorab: Dass Sie Ihren Job mögen, ist nicht nur sehr erfreulich, sondern auch eine gute Basis. Auf dieser Grundlage können Sie beruhigt anfangen, nach den Gründen für Ihr "Rage-Problem" zu forschen. Und sie gezielt angehen.

Ihre Frage klingt, als würde sich in Ihrem Job eine große Kluft auftun. Erfüllende Aufgaben stehen einem aufreibenden Umfeld gegenüber. Diese Kluft jeden Tag überwinden zu müssen, ist anstrengend. Der Ärger darüber hat Sie inzwischen zur Granate werden lassen – scharf und jederzeit bereit zum Explodieren. Höchste Zeit, etwas zu ändern. Denn wenn Sie in diesem Zustand wirklich "zünden", kann das ungeahnte Folgen für Ihre Karriere haben. 

Ragnhild Struss, 38, hilft Menschen dabei, ihre innere Stimme zur Autorität zu machen. In ihrem Unternehmen "Struss und Partner Karrierestrategien" entwickelt sie Karrierewege, die nicht zwangsweise nach "nach oben" führen, sondern zu sich selbst – ob in der Kfz-Werkstatt oder im Konzern. Mit BeBrilliant hat sie  eine App auf den Markt gebracht, die Persönlichkeits- analyse, 360°-Feedback und Coaching "to go" bietet.

Ragnhild Struss, 38, hilft Menschen dabei, ihre innere Stimme zur Autorität zu machen. In ihrem Unternehmen "Struss und Partner Karrierestrategien" entwickelt sie Karrierewege, die nicht zwangsweise nach "nach oben" führen, sondern zu sich selbst – ob in der Kfz-Werkstatt oder im Konzern. Mit BeBrilliant hat sie  eine App auf den Markt gebracht, die Persönlichkeits- analyse, 360°-Feedback und Coaching "to go" bietet.

Abstufungen von Ärger im Job

Unmut ist nicht gleich Unmut. Deswegen lohnt es sich, die fifty shades of Ärger anzuschauen, die es in der Arbeitswelt gibt. Zum Beispiel die Nuance Groll. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich im hohen Maß mit Ihren Aufgaben identifizieren – schließlich halten sie Sie im Unternehmen – und viel von sich erwarten. Ebenso wie von Ihren Vorgesetzten und Kollegen. Für Sie sind Engagement und Leistung sachliche Kriterien. Eine Selbstverständlichkeit. Wenn Kollegen das anders sehen und sich mit "Dienst nach Vorschrift" begnügen, führt das bei Ihnen zu Groll. Wie können die mit weniger zufrieden sein? Und dasselbe verdienen? Diese Ungerechtigkeit nährt ein inneres Unbehagen. Das Besondere am Groll: Eine Art Anstands-Barriere verhindert, dass er sich seinen Weg nach außen bahnt. Das ist gut fürs Umfeld, aber schlecht für die eigene Psycho-Hygiene.


Sachliche von persönlichen Ursachen trennen

Eine weitere Nuance wäre Wut. Nehmen wir an, dass es Ihnen schwerfällt, Ihre eigenen Bedürfnisse zu formulieren. Stattdessen gehen Sie fest davon aus, dass Vorgesetzte und Kollegen schon wissen, was Sie brauchen. Doch immer wieder werden Ihre Belange übersehen oder übergangen. Das verletzt Sie persönlich und macht Sie wütend. Aus Ihrer Sicht kann nur eine böse Absicht dahinterstecken. Alle gegen Sie, Sie gegen alle. Je mehr Sie sich auf diese Ansicht einschießen, umso wütender werden Sie. Darunter mischt sich meist auch ein wenig Wut über sich selbst: Warum ist mir das eigentlich so wichtig, "gesehen" zu werden? Wieso kränkt mich das? Sie sind so auf das Thema gepolt, dass kleine Reize ausreichen, um Wut in Ihnen aufsteigen zu lassen.


Denkbar ist auch die Abstufung in Frust. Vielleicht empfinden Sie ein Ungleichgewicht zwischen dem, was Sie können, und dem, was Ihnen zugetraut wird. Sie fühlen sich ausgebremst und daran gehindert, Ihr Potenzial zu entfalten. Möglicherweise haben Sie das Thema schon einmal angesprochen – ohne Ergebnis. Eventuell geht es Kollegen ähnlich, und sie schaukeln sich gegenseitig in ihren Erzählungen hoch. Wenn Sie dann zu Hause darüber nachdenken oder davon berichten, durchleben Sie den Arbeitsstress noch einmal und intensivieren ihn. Das hält auf Dauer niemand aus.

Also nehmen Sie sich das breite Spektrum des Arbeits-Ärgers vor und bestimmen Sie, worum es sich bei Ihrem Gefühl genau handelt. Je spezifischer, desto besser können Sie Abhilfe schaffen.

Beruf: Den Groll vermeiden lernen

Wenn Sie sich beispielsweise im Groll wiederfinden, steht am Anfang die Einsicht, dass Sie Ihre Vorgesetzten und Kollegen nicht werden ändern können – im Unterschied zu Ihrer Einstellung. Ertappen Sie sich manchmal bei Gedanken wie "Alles Idioten außer mir!" oder "Auf keinen ist Verlass!"? Die Strenge, die Sie gegen sich selbst richten, übertragen Sie auch auf andere. Durchbrechen können Sie diesen Lauf nur, wenn Sie anfangen, loszulassen, sich Fehler zu erlauben und anzuerkennen, dass manchmal auch 80 statt 100 Prozent Leistung reichen. Ihre Grundeinstellung wird automatisch milder und toleranter – und das Rage-Risiko sinken. Allerdings ist das ein Prozess, bei dem Sie geduldig mit sich sein müssen.


Tendieren Sie eher zur Wut, liegt der Schlüssel in einer offenen Kommunikation. Versuchen Sie, deutlicher als bisher zu vermitteln, was Sie erwarten und unter einem guten Miteinander verstehen. Sagen Sie, wenn Ihnen etwas nicht passt. Und zwar in Ich-Botschaften. Zwingen Sie sich, eindeutig zu formulieren, was Sie brauchen. Nur was auf dem Tisch liegt, kann auch diskutiert werden. Und wer weiß: Vielleicht stellen Sie fest, dass Sie sich schlicht missverstanden haben mit Ihren Chefs und Kollegen. Zumindest können Sie Ihre Position deutlich machen – und sich darüber austauschen. Am besten zeitnah. Warten Sie nicht erst, bis Sie emotional so geladen sind, dass der Kontrollverlust droht.

Im Zweifel für die Gesundheit

Verorten Sie sich im Frust-Bereich, kommen radikalere Maßnahmen zum Zuge. Natürlich sind auch hier Gespräche mit Ihrem Vorgesetzten der erste Schritt. Bleiben die wirkungslos, sollten Sie sich aber nach einem anderen Job umsehen. Denn der Zustand, in dem Sie sich befinden, droht auf andere Lebensbereiche überzugehen. Wenn die Gesundheit leidet und nicht nur das Job-, sondern auch das Privatleben ganz im Zeichen der Negativerlebnisse steht, ist ein Wechsel angebracht.


Sie sind in Ihrer Feststellung, wo es hakt, schon sehr klar. Betrachten Sie Ihren Ärger genauso: differenziert und konstruktiv. Wenn Sie Ihre Rage reduzieren, können Sie Ihre Energie produktiv für das nutzen, was Ihnen Freude bereitet – Ihre Aufgaben.  

Weitere Teile der Serie:

- "Ich will Elternzeit nehmen - opfere ich meine Karriere fürs Kind?"

- Wie verberge ich erfolgreich im Job, dass ich eigentlich nichts kann?"

- "Meine Karriere kommt nicht in Schwung - werde ich jemals Erfolg im Job haben?"

Berufliche Qualifikationen: Diese Kenntnisse sind 2017 im Job gefragt


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