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Karrierekiller: Kündigungsgrund Alkohol

Wer während der Arbeitszeit Alkohol trinkt, riskiert seinen Job. Zwar gibt es per Gesetz kein generelles Alkoholverbot in Betrieben, doch viele Firmen sehen das anders. Von der Abmahnung bis zur Kündigung ist alles möglich.

Alkohol am Arbeitsplatz ist in den meisten betrieben gar nicht gern gesehen. In vielen Firmen sind deshalb Alkoholverbote ausdrücklich in Arbeitsverträgen, Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsanweisungen festgeschrieben. Ob mit oder ohne ausdrücklichem Verbot, generell gilt: Wer sich vor oder während der Arbeit in einen Zustand versetzt, in dem er seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, verletzt seine Arbeitspflichten, wie Rechtsanwalt Hermann Gloistein aus Halle erläutert. Und dafür könne er zur Verantwortung gezogen werden.

Keine Lohnfortzahlung

Wenn Gefahr für ihn und andere Arbeitnehmer besteht, muss er seinen Arbeitsplatz sofort verlassen. Natürlich werde für diese Zeit kein Lohn gezahlt. In schwerwiegenden Fällen habe der Arbeitgeber weiter reichende Möglichkeiten, führt der Arbeitsrechtler aus. "Er kann eine Abmahnung erteilen, in der für den Wiederholungsfall arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung angedroht werden", sagte Gloistein.

Eine Kündigung sei dann gerechtfertigt, wenn der Arbeitnehmer so betrunken ist, dass er seine Arbeit nicht mehr erledigen kann. Ein Mitarbeiter, der für die Wartung und Reinigung von Tankanlagen mit Gefahrenstoffen zuständig war, habe deshalb seinen Job verloren. Er sei mehrfach betrunken zur Arbeit gekommen. Der Chef habe ihn abgemahnt und schließlich fristlos gekündigt. Der Arbeitnehmer klagte, allerdings vergeblich. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz gab dem Arbeitgeber Recht (AZ: 7 Sa 240/04).

Besondere Rechte bei Alkoholismus

Es sei allerdings ein Unterschied, ob der Arbeitnehmer öfter mal einen über den Durst trinke oder ob er vom Alkohol abhängig sei, so Gloistein. Mitarbeiter, die an Alkoholismus erkrankt seien, hätten besondere Rechte. Kommen sie betrunken in die Firma oder trinken am Arbeitsplatz, dürfe der Arbeitgeber sie nicht abmahnen. "Der Arbeitnehmer kann als Opfer dieser Krankheit in der Regel sein Verhalten nicht ändern, so dass die Warnfunktion der Abmahnung ins Leere geht" begründet der Anwalt. Dem Arbeitnehmer müsse dann eine Therapie angeboten werden.

Selbst wenn alkoholkranke Mitarbeiter ihre Kollegen beleidigen oder bedrohen, dürften sie nicht ohne weiteres fristlos gekündigt werden, urteilten die Richter des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg (AZ: 18 Sa 5/02). Stattdessen müsse die Möglichkeit einer Entziehungskur geboten werden. Lehnt der Arbeitnehmer die Entziehungskur jedoch ab, kann ihm gekündigt werden.

Im Einstellungsgespräch erwähnen

Um sich abzusichern, fragen Arbeitgeber nicht selten schon im Einstellungsgespräch nach eventuellen gesundheitlichen Problemen des Bewerbers. Liegt eine Krankheit vor, darf der Bewerber sie nicht verschweigen, sofern sie für die vorgesehene Tätigkeit von Bedeutung ist, befand das Bundesarbeitsgericht (AZ: 2 AZR 270/83). Für Alkoholismus gilt, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit jede Tätigkeit beeinträchtigt. Deshalb muss der Betroffene diese Krankheit offenbaren. Fragen nach den Trinkgewohnheiten des Bewerbers sind dagegen in Einstellungsgesprächen unzulässig.

Reiner Fischer/DDP