KULTURMANAGEMENT Balanceakt zwischen Veranstaltungen und Wirtschaftlichkeit


Kulturmanager müssen den Spagat zwischen Kunstförderung, Verwaltung und Etatvorgaben beherrschen. Gute Chancen auf einen Job haben Betriebswirtschaftler, Juristen und Geisteswissenschaftler.

Treffen sich zwei Unternehmer, so reden sie über Kunst. Treffen sich zwei Künstler, reden sie darüber, wie Kunst finanziert werden kann. So soll es Oscar Wilde schon im 19. Jahrhundert formuliert haben. Angesichts chronisch leerer Kassen brauchen Kommunen und freie Kulturträger gerade heute kühle Rechner.

»Der Kulturbereich boomt«, sagt Professor Armin Klein, Leiter des Instituts für Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Der Kulturwirtschaftsbericht des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf aus dem Jahr 2001 untermauert dies: Von 1996 bis 1999 stiegen die Umsätze in der Kulturwirtschaft des Bundeslandes mehr als doppelt so stark wie in der gesamten Wirtschaft. Das Geld kommt dabei oft aus der Privatwirtschaft: Daher müssen Kulturfachleute Klein zufolge über Sponsoring Bescheid wissen.

»Museen haben begriffen, dass sie in der riesigen Freizeitindustrie in Konkurrenz zu den vielen anderen Angeboten stehen«, weiß Hans-Jürgen Brockmeyer, ein freier Kulturberater aus Kassel. »Es ist ein harter Saniererjob«, sagt Volker Heller über seine Arbeit als Geschäftsführer des Unternehmens Kulturmanagement Bremen. Es ist seine Aufgabe, attraktive Kulturangebote zu veranstalten. Zugleich soll er die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Einrichtungen stabilisieren. Dabei seien »Dienstleistungsorientierung und straffes Kostenmanagement« wichtig.

Kulturmanager für die Öffentlichkeitsarbeit

Hochschulen haben sich diesen Anforderungen angepasst: Rund zehn Aufbau- und Zusatzstudiengänge für das Arbeitsfeld Kulturmanagement gibt es im deutschsprachigen Raum. Sie dauern meist vier Semester. Ein abgeschlossenes Studium wird in der Regel vorausgesetzt. Unter den Interessenten sind Betriebswirtschaftler, Juristen und Verwaltungswissenschaftler ebenso wie Absolventen der schönen Künste.

Auf dem Arbeitsmarkt hätten beide Gruppen gute Chancen, so Klein. »Die meisten unserer Absolventen haben bei der Prüfung einen Job in der Tasche«, so Klein. Auch Heller beurteilt die Berufsaussichten für Kulturmanager als gut. Gerade Kommunen suchten Leute mit Kenntnissen in Wirtschaft und Kultur. Wichtigste Voraussetzung ist Heller zufolge aber Berufserfahrung in der Szene: »Man muss Betriebe und Abläufe kennen, um Verständnis für die Mentalität der Akteure zu haben.«

Auch in Vereinen, Stiftungen und der privaten Kulturwirtschaft kommen Absolventen nach Kleins Angaben unter. Galerien, Museen, die Musikindustrie, Theater oder Künstleragenturen seien mögliche Arbeitgeber. Selbst große Unternehmen brauchen Kulturmanager für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Die Bayer AG in Leverkusen etwa unterhält seit 1907 eine Kulturabteilung, die heute ihrem Leiter Nikolas Kerkenrath zufolge einen Spielplan mit Musik, Theater, Tanz und Literatur auf die Beine stellt - Imageförderung, die sich rechnen soll.


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