Türkei-Reise Der Papst im Minenfeld


Papst Benedikt XVI. beginnt seinen viertägigen Türkei-Besuch. Obwohl die Stimmung in dem muslimischen Land gegen das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gerichtet ist, will sich der Papst für die Religionsfreiheit nichtmuslimischer Gruppen einsetzen.

Papst Benedikt XVI. beginnt seinen viertägigen Türkei-Besuch. Dabei steht er vor einem Balanceakt, da die Stimmung in dem mehrheitlich muslimischen Land gegen das deutsche Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gerichtet ist. Die konservativen Muslime in der Türkei haben ihm seine umstrittenen Islam-Äußerungen von Regensburg noch nicht verziehen. Die säkularen EU-Befürworter wiederum erinnern sich nur zu sehr noch an die Bemerkung Benedikts, damals noch als Kardinal Joseph Ratzinger, die Türkei passe wegen ihrer Kultur und Geschichte nicht zur christlichen Gemeinschaft der Europäer. Am Wochenende hatten mehr als 20.000 türkische Islamisten gegen den Papst-Besuch demonstriert.

Besuch in einer Mosche

Nach erheblicher innenpolitischer Kritik wird Ministerpräsident Tayyip Erdogan nun doch Zeit für den Papst finden und ihn zum Auftakt der Reise in Ankara empfangen. Gleich nach der Ankunft am Flughafen wird der Papst nun doch vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan empfangen. Mit dieser Entscheidung reagierte Erdogan am Montag auf den Vorwurf, er weiche einem Treffen aus. Erdogan werde sich vor seinem Abflug zum NATO- Gipfel in Riga 15 Minuten lang mit dem Kirchenoberhaupt unterhalten, hieß es. Höhepunkt des ersten Besuchstages, an dem der Papst das Mausoleum des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk aufsucht und dem Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer einen Höflichkeitsbesuch abstattet, ist die Unterredung mit Bardakoglu an dessen Amtssitz in Ankara. Nach dem Abstecher nach Ephesus, wo Mutter Maria der Überlieferung nach die letzten Jahre ihres Lebens verbracht haben soll, trifft Benedikt in Istanbul den orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. Bei dieser und anderen Begegnungen mit religiösen Führern der nichtmuslimischen Minderheiten will Benedikt dem Vernehmen nach das kritische Thema Religionsfreiheit zur Sprache bringen. Christliche Kirchen haben in der Türkei keinen anerkannten Rechtsstatus und dürfen keine Priester ausbilden.

Am Mittwoch erwartet Patriarch Bartholomaios den Papst in der Wirtschaftsmetropole Istanbul. Als Geste der Versöhnung mit den Muslimen nahm Benedikt kurzfristig für Donnerstag noch einen Besuch in der berühmten Blauen Moschee in Istanbul ins Programm. Es ist sein erster Besuch eines islamischen Gebetshauses seit seinem Amtsantritt und der zweite eines römisch-katholischen Oberhaupts überhaupt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte 2001 in Damaskus die Geste gewagt. Zudem wird er noch an der Ägäis-Küste bedeutende Stätten der Christenheit besuchen.

Erste Reise des Papstes in ein Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit

Es ist die erste Reise des Papstes in ein Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Im Vordergrund steht der Dialog mit dem Islam und eine weitere Annäherung an die orthodoxe Kirche. Außerdem will der Papst das Thema Religionsfreiheit sowie die Lage der christlichen Minderheit zur Sprache bringen. Zum Schutz des Papstes werden mehr als 15 000 Polizisten im Einsatz sein. Benedikt, der in seiner Regensburger Rede einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert hatte, Mohammed habe "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht, hatte Bedauern geäußert, seine Worte aber nicht zurückgenommen.

DPA/Reuters


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