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Kundenzentren: Arbeitsämter mit neuem Gesicht

Lange Schlangen auf Arbeitsämtern soll es bald nicht mehr geben, und auch sonst ändert sich einiges bei den Arbeitsagenturen. Künftig werden auch die "Kunden" umdenken müssen.

Der Umbau der bundesweit 180 ehemaligen Arbeitsämter soll bis spätestens Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Zehn Modellagenturen, darunter auch Augsburg, haben die neuen Strukturen bereits erfolgreich getestet. Zur Zeit läuft die Umstellung in weiteren 21 Agenturen. Ziel ist es, die Arbeitsvermittler von Routineaufgaben zu entlasten und damit die Effizienz der Job-Vermittlung zu verbessern.

Auch die Handwerker mischen sich derzeit in Nürnberg, Ansbach, Ingolstadt und Weißenburg unter die Arbeitssuchenden. Am neu gestalteten Empfang und an der Eingangszone werden künftig Anträge ausgegeben und entgegen genommen sowie einfachere Fragen beantwortet. Zu den Arbeitsvermittlern, der Nahtstelle zwischen Nachfrage und Angebot, gelangen die "Kunden" nur noch, wenn sie vorher einen Termin vereinbart haben. Das geschieht persönlich im Eingangsbereich oder telefonisch in den Servicecentern.

"Viele Anliegen lassen sich auch ohne persönliche Vorsprache klären", betont Wolfgang Breunig, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern. Das gilt für Terminvergaben ebenso wie für die Änderungen von Adressen oder Bankverbindungen. Die landesweit 27 lokalen Agenturen für Arbeit werden in sechs Servicecentern zusammengefasst. Das für Nürnberg, Ansbach, Ingolstadt und Weißenburg zuständige geht in diesen Tagen ans Netz.

Auch die Kunden müssen umdenken

"Dort sitzen im Gegensatz zu vielen Callcentern keine Hilfskräfte, sondern geschulte und erfahrene Fachleute", wendet sich Breunigs Vize, Franz Prast, gegen weit verbreitete Vorurteile. "Um Arbeitsabläufe zu erleichtern und unsere Effizienz zu steigern, ist auch ein Umdenkprozess bei den Kunden nötig", wirbt das für das operative Geschäft zuständige Vorstandsmitglied der Regionaldirektion der BA in Nürnberg für eine stärkere Nutzung moderner Kommunikationstechnologien, zu der auch das Internet-Portal "www.arbeitsagentur.de" gehört.

Vor dem Hintergrund, dass bislang nur etwa jede dritte zu besetzende Stelle den Agenturen gemeldet wird, will die BA auch den Kontakt zu den Arbeitgebern verbessern. Unter dem Motto "Unser Service hat jetzt ein Gesicht" wurden dazu spezielle Teams für die Großkundenbetreuung gebildet. Jeder größere Betrieb soll künftig - auch über Landesgrenzen hinweg - seinen festen persönlichen Ansprechpartner bekommen.

Frühzeit auf Entlassungen reagieren

Diese sollen den Personalchefs der Firmen schnell - möglichst binnen 48 Stunden - und passgenau eine begrenzte Anzahl geeigneter Bewerber vorschlagen. "Dank engerer Kontakte können wir auch frühzeitiger auf bevorstehende Entlassungen oder Stellenausschreibungen reagieren", bekräftigt Christoph Kuntz, der Leiter der neuen Abteilung bei der Regionaldirektion in Nürnberg. "Wir sind bemüht, Arbeitslosigkeit erst gar nicht eintreten zu lassen", nennt Kuntz ein weiteres Ziel der Reformen am Arbeitsmarkt: "Je früher wir eingeschaltet werden, desto größer unsere Erfolgschancen bei der Vermittlung."

Dennoch räumt Regionaldirektions-Chef Breunig ein, dass die Agenturen für Arbeit selbst mit bester Organisation keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen können. Rein statistisch kommen derzeit landes- wie bundesweit mehr als zehn Arbeitslose auf eine offene Stelle. Am krassen Missverhältnis zwischen Job-Nachfrage und Angebot würde sich nur wenig ändern, wenn den Agenturen nicht mehr freie oder frei werdende Stellen gemeldet würden. "Die Beschäftigung müssen andere schaffen", stellt Klaus Wübbenhorst, der Vorstandschef des Marktforschers GfK, klar: Politik, Tarifpartner, Unternehmer und Beschäftigte.

Manfred Präcklein/DPA / DPA