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Marco Spier: New York Downtown - erfolgreichste Symbiose aus HighTech und Street Culture

Marco Spier, 32, geschäftsführender Partner der Firma "Psyop".

Marco Spier, 32, geschäftsführender Partner der Firma »Psyop«

Während Marco Spier noch als Industriedesign-Student an der HDK in Berlin eingeschrieben war, machte er bereits 1993 sein erstes Praktikum in New York. Da Amerika damals besonders im Bereich 3D-Animation als kreativer Vorreiter und technologischer Trendsetter galt, ging für den 3D-Freak Spier ein Traum in Erfüllung, als er den MTV-Direktor kennen lernte und dieser von seinen Arbeiten beeindruckt war. Spiers Glück: MTV plante zu dem Zeitpunkt, eine 3D-Unit zu gründen.

MTV besorgte alles Administrative

Ein Jahr später ging's erneut für drei Monate mit einem Studentenvisum nach NYC: Diesmal stand die 3D-Abteilung von MTV im Aufbau, und Spier sollte maßgeblich dazu beitragen. Auch nach diesem Praktikum blieb der transatlantische Kontakt zu MTV bestehen. Als Spier 1996 endgültig nach NYC übersiedelte, besorgte MTV alles Administrative - zum Beispiel die Arbeitserlaubnis, ein H1B-Visum, welches auf drei Jahre befristet, aber verlängerbar ist. MTV war für drei Jahre ein guter, lehrreicher Arbeitgeber. Bei MTV war es auch, wo Spier zwei seiner heutigen Geschäftspartner kennen lernte, mit denen er zusammen seine eigene Businessidee gebar.

Ohne staatliche Förderung

2000 war das Gründungsjahr für Psyop - kurz für Psychological Operations. Am Start standen ein gutes Team aus fünf Partnern mit entsprechendem Know-how und 80 Quadratmeter Bürofläche, ursprünglich die Bar eines Freundes, die günstig für 1.500 Dollar zu haben war. Noch dazu in idealer Lage für die Psyop-Kreativen: Alphabet City im East Village, dort, wo Street Culture und Underground zu Hause sind und sich Marco Spier schon am ersten Tag an das heimische Berlin-Kreuzberg erinnert fühlte. Mit externer juristischer Unterstützung, aber komplett ohne staatliche Förderprogramme nahm Psyop seine Arbeit auf.

Schlicht, underground, young genius

Wurde der erste Auftrag noch aus den Privaträumen bearbeitet, so war dies nur die Bestätigung für das ungeheure Business-Potenzial Psyops. Einige Kunden aus früheren Geschäftsbeziehungen wurden mitgenommen, neue derart rasant dazu gewonnen, dass nach nur drei Monaten die stolze Investition von 300.000 Dollar für einen Special-Effects-Computer getätigt werden konnte. »Noch heute geht jeder verdiente Dollar entweder in die Technik oder die Bestuhlung«, erklärt Marco Spier. Und noch heute staunen die Kunden, wenn sie zu einem Meeting in Psyops Büroräume kommen und sich in einem bizarren Setting zwischen Pappbecher-Cola und visionärer Zukunftstechnik wiederfinden. »Wir stehen für Leistung und brillante Technik. Die hiesige Street Culture ist uns lieber als pompöses, lautes Auftreten«, überzeugt Spier. Und so entspricht auch die unprätentiöse, leicht verwahrloste Hausfassade genau der Firmenkultur Psyops: »schlicht, underground, young genius.«

Und das leidige Visum?

Bei einer Firmengründung gibt es generell zwei Möglichkeiten. Entweder über das Investorenvisum, für das man mehr als 50 Prozent Firmenanteilseigner sein und eine Einlagerung einer gewissen Investitionssumme tätigen muss. Oder das Arbeitsvisum für die eigene Firma, welches nach sechs Jahren zur Antragstellung auf eine Green Card berechtigt, insbesondere wenn nachgewiesen werden kann, dass sich der Bewerber für das Land besonders verdient gemacht hat - oder, um im US-Jargon zu titeln, »extraordinary achievements« eingebracht hat. Für Spier griff die letzte Möglichkeit, denn gerade jetzt stehen die Chancen für das Team von Psyop hervorragend: Erst vor kurzem wurden sie für den BDA (Broadcast Design Academy Award) nominiert.

Viel Geld braucht man nicht

Für Spier steht schon heute fest: Zum Arbeiten zurück nach Deutschland zu gehen kommt nicht in Frage. Die Arbeitssituation in den USA hält er für unkomplizierter. Es gäbe schnellere Entscheidungswege und eine größere Offenheit großer Firmen und Konzerne gegenüber kleineren, jungen Firmen. Im Gegensatz dazu würden in Deutschland bewährte, alteingesessene Unternehmen bevorzugt. In NYC seien die großen Unternehmen eher auf der Suche nach der »hippsten«, angesagtesten und fortschrittlichsten Unternehmung. Branchenspezifisch kommt für Spier natürlich hinzu, dass das Werbebudget in den USA extrem groß ist und NYC als die Medienhauptstadt der Welt schlechthin gilt. »NYC ist einfach der beste Platz zur Realisierung eigener Ideen, hier verläuft alles schneller, dynamischer und in anderen Dimensionen. New York ist ein Zusammenschluss von Leuten, die was erreichen wollen. Worauf es ankommt, ist das Potenzial. Viel Geld braucht man nicht, um Erfolg zu haben,« sagt Marco Spier und bestätigt damit das, worauf wir alle gewartet haben.

Birte Wohlenberg

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