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Metallindustrie: Metaller einigen sich auf Tarifvertrag

Arbeitgeber und IG Metall haben sich auf einen neuen Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Nach einem fast 24-stündigen Verhandlungsmarathon vereinbarten beide Seiten eine zweistufige Entgelterhöhung von insgesamt 4,2 Prozent, Einmalzahlungen sowie die Möglichkeit für Sonderregelungen in den Betrieben.

Im Tarifstreit der Metallindustrie haben Gewerkschaft und Arbeitgeber in letzter Minute einen Arbeitskampf abgewendet. Sie einigten sich am Mittwoch nach fast 24-stündigem Verhandlungsmarathon im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg auf zweistufige Einkommenserhöhungen mit einer Gesamtlaufzeit von 18 Monaten. Demnach werden die Löhne und Gehälter der 800.000 Beschäftigten ab Februar zunächst um 2,1 Prozent angehoben und steigen ab Mai um weitere 2,1 Prozent. Für die Monate November, Dezember und Januar wurde eine Einmalzahlung von 510 Euro vereinbart. Im September 2009 soll es nach Angaben der Arbeitgeber eine weitere Zahlung von 122 Euro geben - aus betriebswirtschaftlichen Gründen kann diese aber auch gestrichen werden.

Die Einigung von Sindelfingen soll Modellcharakter für die anderen Tarifbezirke haben. Die Vorstände von Gesamtmetall und IG Metall empfahlen den Abschluss allen anderen Tarifbezirken zur Übernahme.

Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zeigte sich zufrieden mit dem Abschluss. "Die Verhandlungen standen anfangs unter keinem guten Stern." Die Beschäftigten erhielten nun einen Inflationsausgleich und profitierten von den Unternehmensgewinnen.

Der IG-Metall-Bundesvorsitzende Berthold Huber goss Wasser in den Wein: "Ich kann mit dem Abschluss einigermaßen leben." Er habe aber Zweifel, ob mit einem Arbeitskampf - dem ersten seit sechs Jahren - mehr erreicht worden wäre, sagte Huber.

Dennoch empfahl Huber, die Einigung in allen Tarifbezirken zu übernehmen. Das gleiche tat Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und lobte: "Die Tarifparteien haben bewiesen, dass sie auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig sind."

Die Arbeitgeber lobten den Abschluss, der nach ihren Berechnungen um ein Viertel hinter den zuletzt gezahlten Lohnerhöhungen zurückbleibt. "Die Einigung ist an der Grenze, sie ist nicht moderat", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Jan-Stefan Roell. Der Abschluss könne daher Arbeitsplätze kosten.

"Wir haben der betriebswirtschaftlichen Situation Rechnung getragen und zugleich Zeichen für die Arbeitnehmer gesetzt", sagte Kannegiesser. Im Bezirk Baden-Württemberg waren in der Vergangenheit zahlreiche wegweisende Tarifabschlüsse erzielt worden, die anschließend in der gesamten deutschen Metall- und Elektroindustrie mit 3,6 Millionen Beschäftigten wirksam wurden.

Betriebe können Tariferhöhungen verzögern

Teile des Tarifpakets können wirtschaftlich schwache Unternehmen mit Zustimmung des Betriebsrats flexibel gestalten. So soll der Beginn der zweiten Erhöhungsstufe unter bestimmten Bedingungen um bis zu sieben Monate verschoben werden können. Dadurch könne der vereinbarte Lohnkostenanstieg um 2,85 Prozent im kommenden Jahr halbiert werden, rechnete Roell vor. Damit kommt die Gewerkschaft den Arbeitgebern in der derzeit unsicheren konjunkturellen Lage entgegen.

Ökonomen schätzten den Abschluss überwiegend als vernünftig ein. "Die Flexibilisierung im Abschluss ist äußerst zu begrüßen, denn der Metall- und Elektroindustrie stehen schwere Zeiten ins Haus", sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Er verwies auf die Automobilindustrie, die bereits unter der Konjunkturabkühlung leide. Der Maschinenbau werde die Folgen der Rezession mit Verspätung zu spüren bekommen.

"Das scheint mit ein relativ vernünftiger Abschluss zu sein", sagte Stefan Mütze, Volkswirt der Helaba. "Das ist ein eher moderater Abschluss", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank mit Blick auf die einsetzende Rezession.

Gewerkschaften wollten ursprünglich acht Prozent

Ursprünglich hatte die Gewerkschaft acht Prozent höhere Löhne und Gehälter gefordert, so viel wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber hatten zunächst unter Hinweis auf den sich abzeichnenden Abschwung für insgesamt 14 Monate 2,1 Prozent für das kommende Jahr sowie eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent für November und Dezember 2008 angeboten.

In der zurückliegenden Tarifrunde hatte die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn gefordert und bei guter Konjunktur Erhöhungen in zwei Stufen um 4,1 und 1,7 Prozent durchgesetzt. Mit dem nun erzielten Abschluss schafft es die IG Metall knapp, den ersten Erhöhungsschritt zu toppen. Die Mitglieder hatten den Abschluss des Vorjahres als zu niedrig kritisiert, weil wegen der Inflation nur wenig davon in den Taschen übrig blieb.

Reuters/DPA / DPA / Reuters