Mindestlohn Post-Konkurrent droht mit Jobabbau


Wegen des angekündigten Mindestlohns in der Postbranche will das Briefunternehmen Pin massenhaft Mitarbeiter entlassen. Bis zu 1000 Arbeitsplätze sind gefährdet - vor allem in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Das zum Verlagshaus Axel Springer gehörende Briefunternehmen Pin plant wegen des geplanten Mindestlohns in der Branche Massenentlassungen. Entsprechende Anträge sollten bei den Arbeitsagenturen beantragt werden, teilte die mit Verlusten kämpfende Pin Group in Luxemburg mit. Der Schwerpunkt werde dabei auf Niedersachsen und Bayern liegen. In einem ersten Schritt seien weit über 1000 Mitarbeiter von den Kündigungen betroffen, kündigte Pin an.

Existenz des Unternehmens ist bedroht

Auch die Existenz des Unternehmens als Ganzes steht zumindest nach Angaben des Unternehmens auf dem Spiel: Pin prüfe gemeinsam mit Beratern Geschäftsmodell und Strategie "im Hinblick auf den Fortbestand des Unternehmens".

Pin-Chef Günter Thiel übte scharfe Kritik an den Plänen von Union und SPD zur Einführung eines Mindestlohns für Briefträger. Damit würden "Investments in Milliardenhöhe" zunichte gemacht und Tausende von Arbeitsplätzen bei den Konkurrenten des Ex-Monopolisten Deutschen Post vernichtet.

Darüber hinaus überdenken die Konkurrenten der Post ihre Investitionspläne: "Wir investieren nur dort, wo wir Werte schaffen können", sagte TNT-Chef Peter Bakker. Angesichts der drohenden Mindestlöhne und des "Grades von Protektionismus" sei es unwahrscheinlich, dass die niederländische Post im deutschen Markt expandieren werde, fügte Bakker auf die Frage nach einem Zusammengehen mit Pin hinzu.

Investitionen auf Eis gelegt

TNT Post hatte am Montag wegen des Mindestlohns Pläne auf Eis gelegt, die Deutsche Post im Briefgeschäft mit Privatkunden und Kleinunternehmen in ihrem Heimatmarkt anzugreifen. "Es gibt keine Chancengleichheit in Deutschland, sondern Rückschritte", beklagte Bakker. "Wir haben deshalb alle Investitionen in Deutschland eingefroren." Noch im vergangenen Monat hatte es in Branchenkreisen geheißen, TNT und die vom Verlagshaus Axel Springer geführte Pin Group verhandelten über die Zusammenlegung ihres deutschen Briefgeschäfts. Pin leidet unter hohen Anlaufverlusten.

Damals stand der Mindestlohn für die Briefbranche aber noch auf der Kippe. Nun steuern Union und SPD auf Lohnuntergrenzen von bis zu 9,80 Euro die Stunde zu. Konkurrenten des ehemaligen Monopolisten Post hatten vergeblich versucht, deutlich geringere Löhne für ihre Beschäftigten durchzusetzen. Springer erwägt wegen der Pläne für den Mindestlohn einen völligen Ausstieg aus dem Postgeschäft.

TNT hatte ursprünglich geplant, nach dem endgültigen Wegfall des verbliebenen Monopols der Deutschen Post 2008 Briefsendungen von Verbrauchern und kleinen Firmen in den bundesweit 13.500 Paketannahmestellen des Post-Konkurrenten Hermes anzunehmen. Nun will sich TNT Post in Deutschland weiterhin auf die Zustellung von Geschäftspost und das Verteilen von Werbung beschränken.

Reuters Reuters

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