Mittelstandbarometer Schlechte Prognose für den Mittelstand


Nur jeder zweite deutsche Mittelständler rechnet in den kommenden sechs Monaten mit einer eher positiven Geschäftsentwicklung. Je nach Bundesland gebe es jedoch große Unterschiede.

Nur jeder zweite deutsche Mittelständler rechnet in den kommenden sechs Monaten mit einer eher positiven Geschäftsentwicklung. Dies geht aus einer am Samstag veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Je nach Bundesland gebe es jedoch große Unterschiede, heißt es in dem "Mittelstandsbarometer". So erwarten rund zwei Drittel der saarländischen Unternehmer eine positive Entwicklung, während in Bayern lediglich rund 39 Prozent der Firmenchefs gut gelaunt auf das nächste halbe Jahr blicken.

Ihre aktuelle Situation beurteilten sechs von zehn Unternehmern in Deutschland als genauso schlecht oder schlechter als im Vorjahr, heißt es weiter. Mit 83 Prozent äußerten sich besonders viele Chefs unzufrieden über die bundesweite Standortpolitik. Die Rahmenbedingungen in ihrem Bundesland werden nur wenig positiver eingeschätzt: Sechs von zehn Unternehmen gaben an, dass auch auf regionaler Ebene die Bedingungen erheblich zu wünschen übrig ließen. Die besten Noten erhalten dabei Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Sachsen. Auf den unteren Rängen liegen Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein vor Schlusslicht Sachsen-Anhalt.

Kosten sparen durch Produktionsverlagerung ins Ausland

Besonders die Themen Lohnnebenkosten (76 Prozent) und Steuern (69 Prozent) beschäftigten die Mittelständler derzeit besonders stark, so die Studie weiter. 90 Prozent der Unternehmen beurteilten dabei ihre Steuerlast als hoch oder sehr hoch. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass die Komplexität des Steuerrechts ihren Geschäftserfolg beeinträchtige. "Das Thema Steuern ist ein Reizthema geworden. Der Zick-Zack-Kurs in der Steuerpolitik hinterlässt bei den Unternehmern tiefe Verunsicherung", sagte der Ernst & Young Mittelstandsexperte Peter Englisch. Insgesamt erwarteten die Unternehmer von der Politik bessere Rahmenbedingungen. Zu verlässlichen Standortfaktoren zählten eine bessere Ausbildung von Fachpersonal, niedrigere Lohnnebenkosten sowie ein flexibleres Arbeitsrecht.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage seien Innovationen besonders wichtig, betonte der Betreuer der Studie. "Für die Unternehmen ist es wichtig, sich neue Märkte zu erschließen." Ein großes Potenzial liege dabei in der Internationalisierung. So könnten Mittelständler, die auch im Ausland tätig seien, etwa Nachfrageschwankungen besser ausgleichen. In lohnintensiven Branchen ließen sich durch Verlagerung von Produktion ins Ausland ebenfalls Kosten sparen. "Die Zeiten, in denen man in Osteuropa keine qualifizierten Arbeitskräfte gefunden hat, sind lange vorbei."

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Umfrage des Ludwigshafener Meinungsforschungsinstitut com.research.center unter 1.600 mittelständischen Unternehmen. Ernst & Young will künftig mindestens einmal jährlich ein Mittelstandbarometer veröffentlichen.


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