Originelle Idee Alpaka-Zucht als Ich-AG


Während eines Urlaubs "stößt" Johanna Ruch auf Alpakas und verliebt sich sofort in diese Tiere. Aus der Begeisterung wird eine Existenz.

Neugierige Hälse recken sich über den Zaun, wache Blicke folgen den Spaziergängern. Mit dickem Kuschelfell vor der Kälte geschützt weidet auf der Reutlinger Achalm (Baden- Württemberg) eine kleine Herde südamerikanischer Alpakas. Die Besitzerin der mit Lamas verwandten Tiere ist Johanna Ruch, die als Ich-AG die Tiere züchtet. Die Alpaka-Zucht der 50-Jährigen gehört mit zu den originellsten der von der Arbeitsagentur geförderten neuen Betriebsform. Ihre Idee kann sich messen lassen mit der Ich-AG zur Tiersargherstellung oder zum Erotikmöbeldesign in Mannheim sowie dem weiblichen Telefon-Zu-Hör-Service in Karlsruhe.

Mit der Hand fährt Ruch durch die weichen Locken ihrer zehn Monate alten Alpakadame "Mora". Die weiche Wolle der Hochlandtiere soll die Züchterin einmal für ihre Anstrengungen entschädigen. Neben dem Verkauf von Tieren an andere Liebhaber hat die 50-Jährige mit den zutraulichsten Exemplaren noch etwas im Sinn. "Wenn sie leinenfähig sind, will ich mit ihnen Spaziergänge für Kindergärten anbieten."

Der Markt in Deutschland ist noch unterentwickelt

Von den Alpakas, die in Peru und Bolivien millionenfach gehalten werden, stehen in Reutlingen bislang neun Tiere auf der Weide. Die stammen allerdings aus einem Zuchtgroßbetrieb in Australien. Ruch will ihre Herde auf maximal 30 Tiere vergrößern. "Ich will noch wissen, wie jedes Tier heißt", sagt sie. Immer wieder büxen die Tiere aus. Geduld ist bei der täglichen Arbeit und der Geschäftsentwicklung unerlässlich: "Die Stuten sind etwa elf bis zwölf Monate lang trächtig und bringen dann meist nur ein einziges Junges zur Welt", sagt Ruch, die sich mittlerweile zur Expertin der Neuweltkameliden - zu dieser Tiergruppe gehören Alpakas - entwickelt hat.

Die Wolle kann nach Ruchs Angaben bis zu 30 Euro pro Kilo einbringen. "Die Qualität ist mit Kaschmir vergleichbar." Allerdings sei der Markt in Deutschland noch unterentwickelt. Die von ihrem Mann mitbegründete Alpaca Association will daher den Verkauf der Wolle für mehrere Halter gemeinsam in die Hand nehmen, aber auch die Zucht von Tieren mit herausragender Faserqualität fördern. Bis das Wollgeschäft brummt, lasse sich auch mit dem Verkauf einzelner Tiere Geld verdienen. "Stuten können 5000 bis 10.000 Euro einbringen, Hengste sogar bis 30.000."

Zu wenig Land, um als Bauer zu gelten

Bislang ist ihre Arbeit ein Zuschussgeschäft. Da ihr Mann arbeitet, ist Ruch auf einen schnellen Verdienst jedoch nicht angewiesen. Ohnehin stand bei der gelernten Informatikerin vor allem der Wunsch, nach 17 Jahren Kinder- und Hausbaupause eine neue sinnvolle Beschäftigung auszuüben. "Entdeckt habe ich die Tiere während eines Urlaubs in Montana, USA", sagt Ruch. "Da waren ganz viele Junge, ich hab mich gleich in sie verliebt."

Die Betriebsform Ich-AG sei sofort genehmigt worden, sagt Ruch. "Deutlich schwieriger war es, die Papiere zu bekommen, dass ich überhaupt Alpakas halten darf." Das Veterinäramt machte Probleme, da die Frau vorher nur Katze und Hund besessen hatte. "Ich musste ein Praktikum bei einem Alpaka-Zuchtbetrieb in Göppingen machen, um züchterische Kenntnisse nachweisen zu können." Nun träumt Ruch von einem kleinen Bauernhof, wo sie die Tiere halten kann. Dann wäre sie auch lästige Probleme los, die daher rühren, dass sie zu wenig Land nutzt, um als Bauer zu gelten: "Für jeden Zaun oder Unterstand muss ich bei der Stadt eine Genehmigung erkämpfen."

Arno Schütze/DPA


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