Spitzenverdiener Managerschelte ist Heuchelei


Wirtschaft und Politik liefern sich derzeit heftige Wortwechsel zur Manager-Entlohnung. Doch während Führungskräfte deutscher Unternehmen gemaßregelt werden, bleiben andere Spitzenverdiener von der Diskussion vollkommen unberührt.
Ein Kommentar von Alexander Zeuner

Arme Manager. Was sie derzeit an verbalen Prügel aus der Politik einstecken müssen, ist enorm. Maßlosigkeit und Realitätsverlust ob ihrer Gehälter wird ihnen vorgeworfen. Die Debatte zum Thema Manager-Entlohnung erreicht in diesen Tagen eine Schärfe, die bislang so nicht zu beobachten war. Entflammt hat sich die Diskussion am Gehalt von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking: Er soll im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro erhalten haben.

Nicht die Politik zahlt, sondern die Unternehmen

Die Politik drischt auf die zum Teil hervorragend verdienenden Manager ein. Dabei hat sie auf diesem Feld gar nichts zu suchen. Nicht die Politik zahlt die üppigen Gehälter. Es sind die Unternehmen selbst. Wenn die Meinung vorherrscht, es reichen keine fünf Millionen Gehalt, um die Besten in ihre Führungsetagen zu locken, sondern es müssten schon zehn Millionen sein, dann soll sich ruhig der freie Markt darum kümmern. Denn nichts anderes passiert in anderen Branchen.

Wo blieb der Aufschrei der Öffentlichkeit, als Michael Schumachers Gehalt 2006 auf rund 52 Millionen Euro geschätzt wurde? Oliver Kahn, Torwart von Bayern München, konnte 2006 nach Angaben des "France Football Magazine" rund neun Millionen Euro einstreichen. Und das Jahresgehalt von Bundestrainer Joachim Löw soll auf mittlerweile 2,5 Millionen Euro angewachsen sein. Zum Vergleich: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber verdiente im vergangenen Jahr etwa 4,6 Millionen Euro, und der Verdienst von Kahn liegt zwischen dem von Ackermann (rund 13 Millionen Euro) und dem Daimler-Chef Dieter Zetsche (rund 7 Millionen Euro). Die Politik denkt aber nicht im Entferntesten daran, derartige Sympathieträger zu geißeln.

Von Bodenhaftung und sozialem Gleichgewicht

Sehr wohl aber die Manager. Bundespräsident Horst Köhler mahnte die Aufsichtsräte, Kontrollinstanzen in einem Aktienunternehmen, zu mehr Verantwortung und Aufmerksamkeit: "Sie haben dafür zu sorgen, dass Manager nicht die Bodenhaftung verlieren". Und Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltete noch einmal einen Gang höher: "Wenn das Versagen von Spitzenkräften mit Fantasieabfindungen vergoldet wird, dann untergräbt das das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht unseres Landes."

Bis zu welcher Höhe ist ein Gehalt gerecht? Wer darf wie viel verdienen? Sind es 20 Millionen Euro? Oder fünf? Oder reichen für Wiedekings Leistung, Porsche in die Top-Liga der erfolgreichsten Autoproduzenten zu führen, 100.000 Euro im Jahr? Top-Manager sind verantwortlich für Tausende von Arbeitsplätzen, stehen Investoren Rede und Antwort und müssen im internationalen Wettbewerb bestehen. Oliver Kahns berufliche Zielvorgaben bestehen hingegen lediglich darin, Fußbälle vom Tor des FC Bayern München abzuwehren.


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