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Kommentar

Flugblatt gegen Flüchtlingsheim: Heuchel leise, Hamburg-Harvestehude!

Ein anonymes Flugblatt macht in Hamburgs Nobel-Stadtteilen Stimmung gegen Flüchtlingsheime. Das Schreiben ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Die Abwehrhaltung kommt versteckt daher. Das macht sie so gefährlich.

Ein Kommentar von stern.de Chefredakteur Philipp Jessen

Flugblatt gegen Flüchtlingsheime

Mit einem anonymen Flugblatt wird in Hamburger Nobelgegenden gegen den Bau von Flüchtlingsheimen geworben

Heuchler sind schreckliche Menschen. Zu feige, um ehrlich zu sein, zeigen sie der Welt ein modifiziertes Bild von sich – um ihre Interessen durchzusetzen und dabei gleichzeitig moralisch integer zu wirken.

In den schicken Hamburger Stadtteilen Eppendorf, Harvestehude und Winterhude hat die Heuchelei derzeit Konjunktur. Mal wieder. Anwohner erreichte in der vergangenen Woche ein Flugblatt. Keine Bilder, nur Text. Lesbares Deutsch. Sätze, die dem oder den Verfassern wichtig erschienen, wurden mit hellblauer Farbe unterlegt. Ton: AfD-Blau. Ob Zufall oder nicht: Die Farbe passt zum Inhalt. Auf dem Schreiben fehlt ein Absender. Keine Telefonnummer, Adresse oder sonstiger Hinweis auf den/die Urheber. Das ist auch schon mal interessant bis feige.

Subtile, gefährliche Wortwahl

Das Flugblatt widmet sich dem Projekt "Finding Places" des Hamburger Senats, das zum Ziel hat, mögliche Standorte für Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg zu finden. Zur Diskussion steht auch der Seelemannpark zwischen der Kirche St. Johannis und dem Johanniskloster. Und das scheint dem/den Urhebern so gar nicht zu gefallen. Das ist übrigens auch sein/ihr gutes Recht. Schließlich leben wir in einem freien Land. Das schließt selbstverständlich ein, dass jeder sein Unwohlsein artikulieren kann. Auch seine Angst vor dem Fremden. Auch seine Sorge davor, dass seine Fünf-Millionen-Euro-Villa nur noch 3,9 Millionen wert ist, sollte ein Flüchtlingsheim in der Nähe entstehen.

Aber so offen passiert das in besagtem Schreiben nicht – stattdessen beginnt die unerträgliche Heuchelei. Und genau hier wird aus einem scheinbar lokalen Problem in Hamburg ein größeres, nationales sichtbar. Denn während in Bautzen ein erbärmlicher Mob Jagd auf Flüchtlinge macht, gären im Großbürgertum überall die Vorurteile. Gut versteckt unter Lagen aus Kaschmir, wohlklingenden Formulierungen und perfider Heuchelei. Die Ausdrucksform eines am Kamin verfassten Flugblatts ist feiner als das Gegröle auf der Straße – das Gedankengut ist jedoch das Gleiche. Die anderen verstecken sich nur nicht. Brandgefährlich ist beides.

Der Höhepunkt der Heuchelei

Als Argument gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft formulieren der/die Urheber nicht ihre persönlichen Sorgen und Ängste, sondern sie schieben Kinder, Rentner, Hunde und den Denkmalschutz vor. Zitat: "Der Park ist Garten für hunderte von Familien, die keinen eigenen Garten haben. Hier spielen Familien mit ihren Kindern Fußball, Paare picknicken, Rentner nutzen die Bänke zur Erholung." Und weiter: "Hunde werden hier spazieren geführt." Aber das ist noch nicht der Höhepunkt der Heuchelei. Der folgt einen Absatz später.

Neue Zelte für Erstaufnahmelager : "Die interessantesten Menschen trifft man im Flüchtlingsheim"


Zitat: "Wir sind für eine menschenwürdige Unterbringung der vielen Flüchtlinge, dafür sollte alles getan werden, aber Unterbringung in viel genutzten Parks und Kulturdenkmälern halten wir für keine akzeptable Lösung des Flüchtlingsproblems." Ein Satz, so vergiftet wie bigott: Denn wenn für die "menschenwürdige Unterbringung alles (sic!) getan werden muss", schließt das doch zumindest kleine Einbußen der eigenen Lebensqualität ein. Einen Gegenvorschlag für eine "akzeptable Lösung" sucht man in dem anonymen Schreiben vergeblich.

Ihr seid nicht wir

Der/die Urheber sprechen in ihrem Schreiben ständig von "wir". Das ist übergriffig, gefährlich und falsch. Übergriffig und gefährlich, weil eine heimliche Mehrheit suggeriert wird, die hinter den Aussagen steht. Vergleichbar mit den "Wir sind das Volk!"-Rufen auf Pegida-Demos.

Und falsch, weil es einfach falsch ist. Denn: Ihr seid nicht wir. Allen mir bekannten Kindern und Eltern aus der Gegend ist es egal, ob sie im Seelemannpark oder im fünf Minuten entfernten Innocentiapark Fußball spielen. Ich sprach mit Rentnern – selber mit schlimmen Kriegserfahrungen – die sofort ihre Bank räumen würden, damit Familien in Not ein Dach über dem Kopf haben. Und auch Hundebesitzer sind mir diverse persönlich bekannt, die es wichtiger finden, Menschen in Not zu helfen, als ihren Hund an seinen Lieblingsbaum pullern zu lassen.

Nochmal: Ihr seid nicht wir. Und ihr werdet es auch nie werden. Da könnt ihr heucheln, wie ihr wollt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.