VG-Wort Pixel

Schleswig-Holstein Fremdenhass? Unbekannter schlägt Bürgermeister von hinten nieder

Das Ortseingangsschild von Oersdorf im Kreis Segeberg
Das Ortseingangsschild von Oersdorf im Kreis Segeberg. Womöglich aus Fremdenfeindlichkeit ist der Bürgermeister der kleinen schleswig-holsteinischen Gemeinde niedergeschlagen worden.
© Georg Wendt/DPA
Oersdorf, eine Gemeinde nördlich von Hamburg: Der Bürgermeister ist auf dem Weg zu einer Sitzung des Bauausschusses. Er wird von einem Unbekannten niedergeschlagen. Aus Fremdenhass?

Womöglich aus Fremdenfeindlichkeit ist der Bürgermeister einer kleinen norddeutschen Gemeinde niedergeschlagen worden. Unmittelbar vor einer Sitzung des Bauausschusses von Oersdorf nördlich von Hamburg wurde dem 61-Jährigen aufgelauert. Der Täter habe dem Bürgermeister von hinten mit einem Knüppel oder einem Kantholz auf den Kopf geschlagen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Der Unbekannte konnte fliehen.

Der Bürgermeister erlitt nur leichte Verletzungen. Er konnte bereits vernommen werden. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund der Tat ist nach Angaben der Polizei nicht auszuschließen, es sei aber auch ein anderes Motiv möglich. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz des Landes Schleswig-Holstein ermittelt mit Hochdruck in alle Richtungen.

"Wer nicht hören will, muss fühlen"

Noch am Donnerstag hatte der Bürgermeister nach Angaben des Polizeisprechers einen Drohbrief erhalten - mit den Worten: "Wer nicht hören will, muss fühlen" und "Oersdorf den Oersdorfern". Bereits seit Monaten erreichten ihn immer wieder Drohungen. Nach einer früheren Mitteilung der Oersdorfer Wählervereinigung, der der Bürgermeister angehört, mussten wegen Bombendrohungen zweimal die Sitzungen des Bauausschusses ausfallen.

Hintergrund der Einschüchterungsversuche ist demnach die Erwägung, Flüchtlinge in ein Haus im Ort einziehen zu lassen. Die Polizei habe die Ausschusssitzung am Donnerstagabend gesichert, sagte der Sprecher. Der Bürgermeister habe aber etwas abseits geparkt und sei dort attackiert worden.

Auf der Website der Wählervereinigung hieß es vor dem Vorfall bereits, Oersdorf habe nicht in gutem Sinne von sich reden gemacht. Es habe massive Einschüchterungsversuche gegeben, weil der Ausschuss einen Beschluss zur Unterbringung von Asylbewerbern fassen wollte. Bei der Sitzung am Donnerstagabend sollte es entgegen ersten Meldungen allerdings nicht um die Unterbringung von Flüchtlingen gehen.

"Das erschreckt mich sehr"

Einwohner der Gemeinde reagierten gegenüber dem NDR fassungslos und verurteilten den Angriff auf den Bürgermeister. "Das erschreckt mich sehr, das ist nicht das, was wir von Oersdorf erwarten", zitiert NDR.de eine Anwohnerin. "Unerträglich, das können die meisten Menschen hier im Ort gar nicht begreifen und fassen", fügte ein anderer Bürger hinzu. 

mad DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker