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Job-Umfrage Lieber in der Stadt arbeiten oder auf dem Land? Hauptsache, nicht in Sachsen

Leipzig schneidet in der Befragung noch ganz gut ab - insgesamt hat Sachsen ein schlechtes Image
Leipzig schneidet in der Befragung noch ganz gut ab - insgesamt hat Sachsen ein schlechtes Image
© Votimedia / Getty Images
Der Arbeitgeber-Standort ist heute weniger wichtig als vor der Pandemie, zeigt eine Befragung. Aber: Großstadt und Land haben jeweils ihre Fans – und einige Regionen ein massives Imageproblem.

Ist es noch wichtig, wo mein Arbeitgeber sitzt, wenn ich sowieso aus dem Homeoffice arbeite? Wie hat die Pandemie den Blick auf die Standortfrage verändert? Und welche Kriterien sind für Beschäftigte heute wichtig? Die Personalberatung Königsteiner wollte das genauer wissen und hat über 1000 Beschäftigte zum Thema befragt.

Fast jeder Dritte (32 Prozent) ist demnach der Meinung, dass der Unternehmensstandort heute weniger wichtig ist als vor der Corona-Krise, weil es sich mehr im Homeoffice arbeiten lässt. Nur für 13 Prozent ist die Bedeutung dagegen erhöht, der Rest sieht keine Veränderung.

Dieses Ergebnis sollte aber nicht überinterpretiert werden, denn egal geworden ist der Standort keineswegs, wie die Umfrage ebenfalls zeigt: Für 86 Prozent der Befragten ist der Standort des Unternehmens nach wie vor relevant bei der Bewerbungsentscheidung, für jeden Zweiten sogar "voll relevant". 

Stadt oder Land?

Bei der Frage, welcher Standort attraktiv ist, teilen sich die Befragten fast hälftig in zwei Lager: Die eine Seite sieht Arbeitgeber mit Sitz "in einer Metropole wie Berlin, München oder Hamburg" im Vorteil. Ebenso viele bevorzugen dagegen einen Arbeitgeber mit Sitz "an einem kleineren Ort, zum Beispiel im ländlichen Umfeld". Interessanterweise ist der Anteil der Großstadt-Fans auch in der partyaffinen jungen Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen nicht signifikant höher als bei allen Befragten. Hier machen sich möglicherweise die Folgen eingeschränkter Freizeit-Möglichkeiten in der Corona-Zeit, aber wohl auch die hohen Mieten bemerkbar.

Noch wichtiger als die generelle Frage Großstadt oder Provinz ist allerdings, wie gut der Standort konkret erreichbar ist. Eine fehlende Verkehrsanbindung nennen die Befragten neben fehlender sonstiger Infrastruktur als mit Abstand größten Standortnachteil. So sagt etwa eine Teilnehmerin: "Der Unternehmensstandort bot keine ausreichenden Parkmöglichkeiten, sodass ich mit Bus anreisen musste, was aber schwierig war aufgrund der Verkehrsanbindung." Und ein anderer klagt: "Zwischen meinem letzten Arbeitgeber und meinem Wohnort existiert keine Bahnverbindung. Der Arbeitgeber hat zwar ein Ticket für öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung gestellt, aber ich konnte es nicht nutzen und musste mit dem Auto fahren und die Kosten selber tragen."

Zur Verkehrsanbindung würden viele auch gerne schon mehr in der Stellenanzeige des Unternehmens lesen. Ebenfalls gewünscht sind dort Informationen zum Thema Wohnen am Standort und seien es nur Links zu Immobilien- und Mietangeboten. 

Sachsens politisches Imageproblem

Das beliebteste Bundesland zum Arbeiten ist laut der Befragung mit großem Abstand Bayern. Auf den Plätzen folgen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Gefragt wurde auch nach den unattraktivsten Bundesländern: Hier liegen Sachsen und Sachsen-Anhalt deutlich vorne. Dabei ist Sachsen wirtschaftlich gesehen eigentlich das ostdeutsche Vorzeigeland. Der Hauptgrund für die Ablehnung sind denn auch nicht fehlende Arbeitsplätze oder Verkehrsanbindung und Infrastruktur, sondern ein schlechtes Image in Bezug auf radikale politische Strömungen. 72 Prozent derjenigen, die Sachsen unattraktiv finden, nennen als einen Hauptgrund die politischen Verhältnisse, für Sachsen-Anhalt sind es 63 Prozent.

Immerhin: Im Ranking der beliebtesten Städte schaffen es mit Leipzig und Dresden auch die beiden wichtigsten sächsischen Vertreter in die Top-Ten. Am beliebtesten ist Hamburg vor München und Berlin.

Befragt wurden für die Analyse 1027 Beschäftigte in Voll- und Teilzeit, je zur Hälfte mit akademischem und nicht-akademischen Hintergrund. Die Befragten waren zwischen 18 und 65 Jahren alt und stammten aus allen Bundesländern.


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