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STELLENSUCHE: Arbeitslos, was tun?

Wer seinen Job verliert und auf Arbeitssuche geht, benötigt die richtige Strategie. Dabei ist jede Menge Eigeninitiative gefragt.

Zunächst hilft, bereits bei einer absehbaren Kündigung einen Arbeitsvermittler aufzusuchen. »Die meisten warten leider das Eintreten der Arbeitslosigkeit ab und gehen erst dann zum Arbeitsamt«, sagt Wilhelm Kleinlein, Pressesprecher der bisherigen Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg, die nun Bundesagentur für Arbeit heißt. »Inzwischen ist schon wertvolle Zeit verstrichen.« Eine Meldung beim Arbeitsamt ist auf jeden Fall nötig, auch wenn später der Weg über private Vermittler genommen wird. Schließlich gibt es nur so ein Anrecht auf Arbeitslosengeld und andere Leistungen des Amts.

»IT-Fachkräfte, Angestellte aus dem kaufmännischen Bereich und Führungskräfte werden wohl bei den privaten Vermittlern die größten Chancen haben«, schätzt Martin Werding vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München. Ein großer Vorteil der Privaten ist, dass sich die Unternehmen vor allem auf das Vermitteln von Arbeit konzentrieren können. »Wir leben von einer erfolgreichen Vermittlung«, sagt Jürgen Uhlemann von »jobs in time« in Hamburg. Außerdem könnten private Vermittler intensivere Beratung bieten. Auf einen Job-Vermittler kommen laut Uhlemann bei den Privaten rund 30 bis 40 Arbeitsuchende. Bei den Arbeitsämtern sind es in der Regel einige hundert.

Die privaten Vermittler haben oft auch die besseren Kontakte zu den Unternehmen und kennen so das Anforderungsprofil des gesuchten Arbeitnehmers besser. Das bestätigt Roland Schneider, Leiter der Abteilung Personalrecruitment, der Ford-Werke in Köln: »Viele Anbieter gehen derzeit sehr viel aktiver an Unternehmen heran.« Dennoch betreffe dies fast ausschließlich Kandidaten mit sehr hoher Qualifikation.

Die so genannten schwer vermittelbaren Arbeitslosen haben bei den privaten Vermittlern wenig Chancen. Langzeitarbeitslose etwa, also Menschen, die länger als zwölf Monate arbeitslos sind, sind bei Zeitarbeitsfirmen besser aufgehoben. »Dort wird sie niemand fragen, wie lange sie schon arbeitslos sind«, sagt Uhlemann.

Etwa eine halbe Million Zeitarbeitnehmer werden jährlich in den Betrieben beschäftigt. Viele Unternehmen können dadurch auf mögliche Personalengpässe reagieren. Der größte Teil der Arbeitsuchenden komme aus der Metall- und Elektrobranche oder seien Bürokräfte und Hilfspersonal, sagt Thomas Läpple vom Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA) in Bonn. Die Jobber können sich so bei den Unternehmen beweisen und erhalten unter Umständen einen Arbeitsvertrag. »Viele werden über diesen Arbeitsmarkt fest in Kundenunternehmen übernommen«, sagt Schneider von den Ford-Werken. Nach einer BZA-Untersuchung erhielt im Jahr 2000 fast jeder dritte Zeitarbeitnehmer eine Festanstellung.

Arbeitslose ohne Berufsausbildung oder mit Behinderung haben beim Arbeitsamt oft die einzige Chance auf Vermittlung. In Lübeck wird derzeit ein Projekt der Stiftung »Grone Schule« in Kooperation mit dem Arbeitsamt erprobt: Jeden Morgen starten dort Busse mit Arbeitsuchenden, die an landwirtschaftliche Betriebe »ausgeliehen«. werden. Die Beschäftigten sind sozialversicherungspflichtig bei der Stiftung angestellt. Gibt es einmal keine Arbeit, werden sie schulisch qualifiziert oder bereiten sich konditionell auf die Ernte-Tätigkeit in Turnhallen vor.

»Wir haben erkannt, dass viele Arbeitslose zwar in der Landwirtschaft arbeiten würden, aber häufig kein Geld für den Transport zu den Arbeitsstellen haben«, sagt der Direktor des Arbeitsamtes Lübeck Norbert Hahn. Mehrere hundert Arbeitsplätze seien in der Landwirtschaft nicht besetzt. »Durch dieses Projekt können sie sich beweisen und zu einer Festanstellung kommen«, so Hahn.

Doch weder Arbeitsamt noch private Job-Vermittler oder Zeitarbeitsunternehmen können eine Vermittlung garantieren. »Es ist nie sinnvoll, sich bloß auf eine Quelle zu verlassen«, sagt Hahn. Marcus de Heus, Personalberater beim Consultingunternehmen Roland Berger in Düsseldorf, rät dazu, »Networking zu betreiben« - also Kontakte zu reaktivieren und bei ehemaligen Kollegen nachzufragen, ob in ihren Betrieben eine Stelle frei sei.

»Viele schämen sich zu Unrecht ihrer Arbeitslosigkeit und vergeben diese Chance«, meint auch Wilhelm Kleinlein. Auf keinen Fall sollte man sich »abkapseln«. Wer sich frühzeitig auf Einstellungstests vorbereitet und sich um Weiterbildung kümmert, ist später den anderen Bewerbern voraus. Bei Initiativbewerbungen rät de Heus dazu, die Personalabteilung zu umgehen. »Die Bewerbungen landen dort häufig auf einem Stapel.« Zunächst sollte bei den zuständigen Verantwortlichen nach einer freien Stelle nachgefragt werden, um anschließend die Bewerbung direkt an diese Person zu richten.