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Studienkredite: Das Problem mit der Vielfalt

Das Angebot spezieller Kredite für Studenten steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch eines steht schon heute fest: Vergleichen lohnt sich. Denn die Angebote der Banken und Sparkassen werden sich teils erheblich unterscheiden.

Laufzeit, Zinskonditionen, Obergrenze der Verschuldung und Rückzahlungsfrist - auch bei Studentenkrediten gilt, was für 'normale' Konsumentenkredite gilt: Die Angebote der Banken und Sparkassen unterscheiden sich teilweise erheblich. Der Bedarf an einer Finanzspritze für das Studium scheint bei den angehenden Akademikern groß zu sein; die Deutsche Bank berichtet von tausenden Anfragen. Verbraucherschützer aber raten, vorerst die Finger von den Angeboten zu lassen.

Nicht zu früh binden

"Wer sich jetzt schon bindet, verbaut sich die Chance auf ein günstigeres Angebot", sagt Evelyn Keßler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bis zur Einführung von Studiengebühren - im Südwesten wird ein Studium voraussichtlich vom Frühjahr 2007 pro Semester 500 Euro kosten - würden noch viele Banken Kredite für Akademiker entwickeln. Die Konkurrenz nehme zu, die Preise könnten sinken. Bisher haben sich nur zwei Banken aus der Deckung gewagt.

Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sollen Akademiker im Erststudium vom Frühjahr 2006 an für maximal fünf Jahre bis zu 650 Euro im Monat aufnehmen können. Der Zinssatz liegt nach Angaben der KfW zwischen 5 und 5,5 Prozent. Der Kredit sei innerhalb von zehn bis 15 Jahren nach dem Examen zu tilgen, doch könne die Frist auf bis zu 25 Jahre verlängert werden. Den KfW-Kredit will der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) über seine Mitglieder den Kunden ebenfalls anbieten.

Erst zwei Banken mit konkretem Angebot

Die Deutschen Bank bietet Akademikern vom kommenden Semester an je nach Studienstand ein Darlehen bis zu 800 Euro monatlich. Der Basis-Zinssatz soll 5,9 Prozent betragen. Abhängig von Laufzeit und Auszahlungsrate steige der Zins auf bis zu 9,9 Prozent. Nach fünf Jahren oder maximal 30.000 Euro ist Schluss mit dem Geldsegen. Die Schulden müssen bis zwölf Jahre nach Studienende beglichen werden. Das Produkt der Dresdner Bank befindet sich in der Planungsphase. Die Commerzbank hat sich nach eigenen Angaben gegen solch ein Produkt entschieden.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) steht der Sparkassenverbund mit zwei neuen Produkten in den Startlöchern. Verwandte könnten schon Jahre zuvor Geld auf ein Sparkonto einzahlen, von dem der Student später monatlich einen Betrag ausgezahlt bekommt. Zudem sei ein Bildungskredit geplant. Die Details sollen in den kommenden Tagen vorgestellt werden. "Wir können damit bis zum Wintersemester am Markt sein", sagt DSGV-Sprecherin Michaela Roth.

Günstiger: Angebot für Studenten von Privatunis

Die Sparkasse Bodensee sammelt bereits seit anderthalb Jahren Erfahrungen mit Darlehen für Studenten der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Jeder zweite Studienanfänger nehme einen Kredit in Höhe der Studiengebühr von 3700 Euro pro Semester auf, berichtet Vermögensberater Hansjörg Metzger. Das Geld werde mit vier Prozent verzinst und maximal drei Jahre ausgezahlt. Die Konditionen könnten aber nur wegen des strengen Aufnahmeverfahrens an der privaten Universität angeboten werden, sagt Metzger. Für die staatliche Universität Konstanz werde es so ein Angebot nicht geben.

Auch die Länder arbeiten an Studienkrediten. So arbeitet die Landeskreditbank (L-Bank) in Stuttgart für die Regierung des Landes einen Studienkredit aus. Genaueres soll im September vorgestellt werden.

Kein Marktvolumen prognostizierbar

Eine Einschätzung des Marktvolumens für Studienkredite traut sich bisher keines der Institute zu. In Deutschland gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa zwei Millionen Studenten. Mit den Angeboten betreten Banken und Sparkassen Neuland, erläutert Sonja Höpfner von der KfW. Wie die Produkte angenommen werden, bleibe abzuwarten. "Schließlich ist die Finanzierung des Studiums über einen Kredit in Deutschland ein Paradigmenwechsel."

Arved Gintenreiter/DPA / DPA