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Tanja Grunert: Wie verpflanze ich eine Galerie von Stuttgart nach New York

Tanja Grunert, 43, Teilhaberin der Galerie "Klemens Gasser & Tanja Grunert".

Tanja Grunert, 43, Teilhaberin der Galerie »Klemens Gasser & Tanja Grunert«

Vor drei Jahren standen die Galeristen Tanja Grunert und Klemens Grasser vor der zentralen Frage: Berlin oder New York? Die Entscheidung fiel zugunsten von New York aus, das Paar zog in die USA. Mit Sack und Pack und fast der gesamten Ausstattung, die schon in Stuttgart ihre Galerie bestückt hatte, ging es nach New York. Lediglich ein paar Exponate mussten daheim bleiben.

Sofort nach Chelsea

In New York verschlug es Grunert und Gasser dann sofort nach Chelsea, in das politisch »linkeste« Zentrum im Westen Manhattans, in dem vornehmlich Künstler und Schriftsteller zu Hause sind. Ein Viertel der »Homosexuellen, der Minderheiten und der Bürgerinitiativen«, wie Grunert erzählt, »mit einem besonders angenehmen politischen Klima.« In Chelsea baute sie zusammen mit ihrem Partner eine alte Fabrikhalle zu einer gepflegten, puristischen Galerie um.

Kaum Probleme mit Behörden

Bis zum Antrag auf die Green Card sichert bislang ein Arbeitsvisum das Bleiberecht von Grunert und Gasser. Die Frage nach eventuellen Bedenken, ob sie die Green Card bekommen, beantwortet Grunert mit unverhohlenem Optimismus und der Gewissheit, dass die Chancen dazu generell gut ständen. Bei allen Angelegenheiten rund um Firmengründung und sonstige rechtliche Fragen empfiehlt Grunert unbedingt externe Hilfe: »Amerika ist das Land der Berater schlechthin, ohne diese geht hier fast nichts mehr.«

Misserfolge werden tolerant und großzügig gehandhabt

Auch wenn Grunert und Gasser in den ersten zwei Jahren viele Probleme hatten, steht für beide fest, in New York zu bleiben. Grunert gefällt besonders die Professionalität, mit der die New Yorker der Kunst begegnen. »Hier ist jede Putzfrau professioneller als manch deutscher Kunstkritiker. Kunst wird in New York als gleichwertiges Berufsfeld behandelt, was zu einem sehr viel qualifizierteren Dialog und Austausch führt«, freut sich die Galeristin. Während in Deutschland die Ausbildung über alles steht, seien es in den USA Beweglichkeit und die generelle Offenheit der Menschen. So würden in NYC Misserfolge nicht so schnell abgestempelt, sondern wesentlich toleranter und großzügiger gehandhabt.

Stadt der Nischen

An New York schätzt Grunert vor allem die extreme Freiheit, das Unmögliche möglich zu machen. Auch wenn anfangs vieles den Anschein vermittelte, nicht durchführbar zu sein, tauchen zur rechten Zeit doch immer wieder tausend andere Lösungswege auf. Für Tanja Grunert ist New York die Stadt der Nischen. Nischen, die es zu finden gilt, frei nach dem Motto: »Du hast keine Chancen, aber nutze sie.« Jedem New-York-Neuling rät sie deshalb zu einem starken Optimismus und einer gesunden Portion Neugier.

Birte Wohlenberg

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