HOME

Umstrittene Aktion zu Thanksgiving: Wal-Mart sammelt Spenden für "bedürftige Mitarbeiter"

Die Spendenaktion war sicher gut gemeint, doch die Symbolik ist fatal: Einige Wal-Mart-Mitarbeiter verdienen offenbar so schlecht, dass sie sich die eigenen Billigprodukte nicht leisten können.

Von Daniel Bakir

Foto aus einer Wal-Mart-Filiale in Ohio

Foto aus einer Wal-Mart-Filiale in Ohio

Das Thanksgiving-Dinner im Kreise seiner Lieben ist so ziemlich das Heiligste, was die amerikanischen Familienwerte hergeben. Charity-Aktionen, um denen zu helfen, die zum Fest nicht ganz so dicke auffahren können, haben Tradition. Insofern war die Spendenaktion in einem Wal-Mart in Ohio sicher gut gemeint. Über zwei Plastikboxen klebte dort ein Schild mit der Aufforderung: "Bitte spenden Sie hier Lebensmittel, damit bedürftige Mitarbeiter ein Thanksgiving-Dinner genießen können."

Einen schalen Beigeschmack hat die Aktion allerdings, weil die Supermarktkette Wal-Mart nicht gerade im Ruf steht, ihren Mitarbeitern einen allzu üppigen Lohn zu zahlen. Weil dieser bei manchen offenbar noch nicht einmal ausreicht, um die vergleichsweise günstigen Wal-Mart-Produkte zu kaufen, ruft die Aktion Empörung hervor. Die Mitarbeitervereinigung "Organization United for Respect at Walmart", kurz "OUR Walmart", postete das Foto auf ihrer Facebookseite, verbunden mit harscher Kritik am Lohnniveau des Milliarden-Konzerns: "Wal-Mart ruft uns dazu auf, Lebensmittel an unsere Mitarbeiter zu spenden. Warum kann Wal-Mart uns nicht genug bezahlen, um unsere Familien zu ernähren?"

Wie die Nachrichtenseite Cleveland.com berichtet, hatte eine Wal-Mart-Mitarbeiterin in dem Ort Canton das Foto im Mitarbeiterbereich der Filiale geschossen, weil sie die Behälter als "demoralisierend" und "deprimierend" empfinde.

Ein Wal-Mart-Sprecher sagte dagegen, die Lebensmittelaktion sei ein Beweis dafür, dass die Mitarbeiter füreinander sorgen würden. In der Filiale habe es in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Aktionen gegeben. Erst vor wenigen Wochen hatte Wal-Mart-Chef Bill Simon erklärt, dass weniger als die Hälfte seiner US-Mitarbeiter mehr als 25.000 Dollar (18.500 Euro) pro Jahr verdiene. Die Armutsgrenze für eine vierköpfige Familie liegt bei 23.500 Dollar.

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen.

Der Autor Daniel Bakir auf Google+