HOME

Urabstimmung: Neuer Ärztestreik beschlossen

Den Patienten in Deutschland steht ein neuer großer Ärztestreik bevor. In einer Urabstimmung wurde entschieden: Die Mediziner an Kreiskrankenhäusern und städtischen Kliniken werden einen Arbeitskampf beginnen - schnell.

Nach dem dreimonatigen Arbeitskampf an den Uni- Kliniken steht den Patienten in Deutschland von der kommenden Woche an ein neuer großer Ärztestreik bevor. Bei einer Urabstimmung unter den Ärzten an Kreiskrankenhäusern und städtischen Kliniken sprachen sich 97,1 Prozent der Teilnehmer für einen Arbeitskampf aus. Das teilte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) in Berlin mit.

Bereits am Montag soll es in den ersten großen Kreiskrankenhäusern und städtischen Kliniken zu Arbeitsniederlegungen kommen. Die Arbeitgeber verurteilten das Vorgehen der Gewerkschaft aufs Schärfste und sehen eine große Gefahr für die Patientenversorgung. Schwerpunkte des Arbeitskampfes sollen laut Marburger Bund in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg liegen. Ab Mitte der Woche sollen auch Kliniken in Bremen und im Saarland folgen. Allein in München wollten die Ärzte von Montag bis Freitag an vier Standorten die Arbeit niederlegen. In Frankfurt-Höchst sind am Montag, in Stuttgart am Montag und Dienstag größere Aktionen geplant. Die Ärztegewerkschaft hat nach eigenen Angaben bereits Notdienst-Vereinbarungen mit den Geschäftsführungen der Kliniken getroffen.

Im Tarifkonflikt bei den mehr als 700 kommunalen Kliniken fordert die Ärztegewerkschaft für die insgesamt 70.000 Ärzte einen eigenen Tarifvertrag, mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Für die Ärzte der Universitätskliniken hatte der Marburger Bund nach drei Monaten Streiks Mitte Juni einen eigenen Tarifvertrag durchgesetzt.

Warnungen vor Kostenlawine

Für den Fall einer Umsetzung der MB-Forderungen für die kommunalen Krankenhäuser warnte der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor einer "beispiellosen Kostenlawine". Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte dem Bremer "Kurier am Sonntag", die Vereinbarung des Marburger Bundes für die Unikliniken dürfe nicht auf die kommunalen Kliniken übertragen werden. Der Interessenverband der Kommunalen Krankenhäuser (IVKK) warnte vor drohenden Arbeitsplatzverlusten in den Kliniken.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel