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Wenig Diversität Vornamen-Ranking: So heißen Chefs in Deutschland am häufigsten

Chef
Der typische Unternehmenschef heißt Andreas, Michael oder Thomas
© Kerkez / Getty Images
Eine Jobbörse hat ausgewertet, wie die Chefs von 300.000 deutschen Unternehmen mit Vornamen heißen. Frauennamen sind im Ranking kaum vertreten, der erste nicht-deutsche Name kommt erst auf Platz 69.

Dass Chefetagen in Deutschland wenig divers besetzt sind, erkennt man schon an den Vornamen. 2017 stellte die Allbright-Stiftung fest, dass es in deutschen Konzernen mehr Vorstandsmitglieder gibt, die Thomas oder Michael heißen, als es insgesamt weibliche Vorstände gibt. Der "ewige Thomas-Kreislauf" nannte der Bericht das Phänomen, dass Chefs sich am liebsten mit Spiegelbildern ihrer selbst umgeben.

Eine Auswertung des Jobportals Indeed zeigt nun, dass der Cheftyp "Thomas" nicht nur in börsennotierten Konzernen vorherrscht, sondern die deutsche Unternehmenslandschaft auch in ihrer Breite durchdringt. Das Portal hat auf Basis von Handelsregistereinträgen die Vornamen der Geschäftsführer von 318.190 GmbHs der Jahre 2002 bis 2019 analysiert und nach Häufigkeit gerankt. Die Ergebnisse liegen ganz auf der Linie der Allbright-Beobachtung. 

Andreas liegt auf Platz 1

Der ewige Thomas kommt in der Indeed-Auswertung auf Rang vier. Getoppt wird der Name lediglich von Christian, Michael und – auf Platz 1 – Andreas. Auf Rang fünf folgt Alexander. Die Untersuchung zeigt: Jeder zehnte Geschäftsführer in Deutschland trägt einen dieser fünf typisch deutschen Männer-Vornamen.

Weibliche Namen sind auf den vorderen Plätzen dagegen kaum vertreten. Mit Katja (Rang 9) schafft es gerade mal ein Frauenname in die Top-Ten. Auch im weiteren Feld bleiben Damen rar gesät: Es folgen Antje (Rang 17), Nicole (24) und Julia (33). Claudia und Cornelia teilen sich Rang 50. Insgesamt tauchen unter den ersten 100 Namen nur 15 weibliche auf. 

Tabelle: Die häufigsten Geschäftsführer-Vornamen

Rang

Name

Häufigkeit

1

Andreas

7530 (2,36%)

2

Michael

6820 (2,14%)

3

Christian

6450 (2,03%)

4

Thomas

6220 (1,96%)

5

Alexander

4480 (1,41%)

6

Peter

4110 (1,29%)

7

Stefan

4070 (1,28%)

8

Frank

4070 (1,28%)

9

Katja

3430 (1,08%)

10

Martin

3270 (1,03%)

11

Christoph

2910 (0,92%)

12

Dirk

2750 (0,86%)

13

Matthias

2700 (0,85%)

14

Daniel

2570 (0,81%)

15

Oliver

2530 (0,80%)

16

Markus

2530 (0,80%)

17

Antje

2520 (0,79%)

18

Jörg

2490 (0,78%)

19

Jürgen

2270 (0,71%)

20

Jan

2210 (0,69%)

Quelle: Indeed; Basis: 318.190 Unternehmen, die als GmbH geführt werden

Menschen mit fremden Namen haben es schwerer

Noch stärker unterrepräsentiert sind Namen mit nicht-deutschem kulturellen Hintergrund. Um Geschäftsführer mit arabisch-türkischen Namen zu finden, muss man in der Liste lange suchen. Auf Platz 69 taucht schließlich Ali auf, Mehmet liegt auf Rang 107.

"Diversity macht Unternehmen besser, kreativer und widerstandsfähiger. Aber gerade in Führungspositionen herrscht in Deutschland immer noch große Homogenität und vor allem ein starker Männerüberschuss", kommentiert Indeed-Managerin Alessandra Mahnecke die Ergebnisse der Vornamen-Auswertung. Sie empfiehlt Arbeitgebern, gezielt weibliche Talente zu rekrutieren. Dabei helfen ihr zufolge manchmal schon einfache Mittel wie die Nutzung gendergerechter Sprache in Stellenanzeigen. 

Dass typisch deutsche Namen im Chefranking vorne liegen, liegt wahrscheinlich nicht nur daran, dass diese insgesamt in der Bevölkerung häufiger vorkommen. Es könnte auch Folge von bewusster oder unterbewusster Diskriminierung sein. So kennt die Wissenschaft nicht nur den Effekt, dass Menschen andere Menschen mit ähnlichen Namen unterbewusst positiver bewerten. Untersuchungen zeigen auch, dass Menschen mit kurzen, einfachen, bekannten Namen es tendenziell auf der Karriereleiter leichter haben, während Menschen mit langen, komplizierten oder exotischen Namen im Nachteil sind.

Quellen: Indeed / Allbright-Stiftung

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