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Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Beamtenbund droht mit langem Arbeitskampf

Wohin heute mit meinem Kind? Vor dieser Frage standen am Donnerstag tausende Eltern, die ihre Kinder normalerweise in die Kita oder den Kindergarten gebracht hätten. Warnstreiks in diesen Einrichtungen ließen das nicht zu. Weiterhin wird geräuschvoll mit einem langen Arbeitskampf gedroht.

Mit Warnstreiks in zahlreichen Kindertagesstätten und anderen kommunalen Einrichtungen haben die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst am Donnerstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Mehrere hundert Kitas quer durch die ganze Republik blieben am Vormittag geschlossen, oder schränkten den betrieb stark ein. Die Eltern mussten sich um andere Betreuungsmöglichkeiten für ihren Nachwuchs kümmern.

Beamtenbund mit breiter Brust

Der Verhandlungsführer des Beamtenbundes und Tarifunion (dbb), Frank Stöhr, drohte Bund und Kommunen erneut mit einem anhaltenden Arbeitskampf. Die Gewerkschaften seien für einen langen Streik gut gerüstet, sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". "Wir haben den Streik 2006 durchgehalten, und wir würden jetzt einen Streik durchhalten. Geldmangel wird uns nicht zum Einknicken zwingen." Dabei würden sich die Gewerkschaften Bereiche heraussuchen, in denen ein Arbeitskampf viel Wirkung zeige. Als Beispiele nannte er den Nahverkehr, die Müllabfuhr sowie die Flughäfen.

Von den heutigen Aktionen betroffen waren unter anderem Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Niedersachsen. Warnstreiks gab es auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

Insgesamt nahmen nach Gewerkschaftsangaben bundesweit mehrere tausend Erzieherinnen und Erzieher an den Protestaktionen in den Kitas teil.

Die Schwerpunkte der Warnstreiks

In Nordrhein-Westfalen sollen 695 Kindertagesstätten zeitweise geschlossen bleiben, weil die Gewerkschaft mehr als 3.000 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in 21 Städten und Kreisen zu Warnstreiks aufrief. Die Eltern wurden vorher über die Aktionen informiert. Allein in Köln blieben nach Angaben eines Verdi- Sprechers mehr als 200 Kitas zu. Betroffen waren auch Städte wie Hannover, Bremen und Schwerin.

In

Hessen

werden nach Gewerkschaftsangaben die Stadtverwaltungen von Frankfurt und Wiesbaden sowie kommunale Betriebe in Dillenburg bestreikt. Aktionen finden auch in den Landkreisen Limburg-Weilburg und des Rheingau-Taunus-Kreises sowie in öffentlich-rechtlicher Sparkassen und Bundesdienststellen statt. In Frankfurt sollten viele Kindertagesstätten ganztägig geschlossen bleiben.

Streikschwerpunkte in

Baden-Württemberg

sind Ulm, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Reutlingen. In Mannheim wird der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske als Redner erwartet.

In

Bayern

soll vor allem in München gestreikt werden: Beschäftigte von mehr als 200 Kinderbetreuungseinrichtungen sollen in den Ausstand treten. Zur Kundgebung werden mehr als 1.000 Teilnehmer erwartet. Warnstreiks finden laut Verdi auch in Niederbayern und der Oberpfalz statt.

In

Sachsen

sind Arbeitsniederlegungen in Freitaler Kindertagesstätten und in Dresdner Bundeswehreinrichtungen angekündigt, außerdem Streikaktionen in den Stadtverwaltungen Chemnitz und Zwickau sowie beim Kreiswehrersatzamt Leipzig und dem Truppenübungsplatz Weißkeißel.

In

Berlin

beteiligten sich tausende Landesbeschäftigte an den Aktionen. Vor allem Kitas blieben geschlossen oder mussten mit wesentlich weniger Personal auskommen. Bestreikt werden auch Bürger- und Ordnungsämter, Bäderbetriebe zahlreiche Bereiche der Bezirksverwaltungen wie Standesämter und Friedhöfe. Angeschlossen an die Aktionen haben sich auch Angestellte der Polizei.

Mit Großkundgebungen und Demonstrationszügen quer durch die West-Berliner Innenstadt machten die Beschäftigten auf ihre Forderungen aufmerksam. Auch Mitarbeiter des Einzelhandels beteiligten sich an den Protesten. Morgen sollen die Aktionen der Berliner Landesbeschäftigten weitergehen.

Im

Saarland

kündigte Verdi Saar für Freitag massive Streikmaßnahmen im Raum Neunkirchen an.

Die Tarifverhandlungen für die 1,3 Millionen Tarifangestellten bei Bund und Kommunen gehen am kommenden Montag in Potsdam in die vierte Runde. Verdi und die dbb Tarifunion fordern acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Arbeitgeber bieten fünf Prozent, allerdings in drei Schritten und verteilt auf zwei Jahre. Zudem wollen sie die Wochenarbeitszeit wieder verlängern.

DPA/AP / AP / DPA