Unsere Autorin Ann-Christin Baßin sprach mit Business-Coach Monika Scheddin in München und erarbeitete mit ihr zehn goldene Regeln für die Karriereplanung
1. Alte Denkbremsen lösen und neue Herausforderungen annehmen
„Menschen bewegen sich nur, wenn die Schmerzgrenze erreicht ist, also der Job unerträglich geworden ist“, sagt Business-Coach Monika Scheddin. „Dann heißt es, ein neues Ziel zu finden und einfach mal drauflos zu wünschen, um neue Möglichkeiten zu erkennen. Denn Wünsche sind Vorboten unserer Fähigkeiten. Bangemachen gilt nicht! Lassen Sie sich nicht entmutigen – selbst wenn zunächst Geld, Kontakte oder Möglichkeiten fehlen.“
2. Hier ihre vier Erfolgsschritte
Erstens: Ich muss mich entscheiden: Gehen oder bleiben? Ob die Entscheidung zu kündigen gut war, wird man später sehen. Das Schlimmste ist, gar keine Entscheidung zu fällen und unzufrieden zu bleiben. Schließlich kann man fast alles im Leben korrigieren: den Job wechseln, die Scheidung einreichen, Einkäufe oder Verträge rückgängig machen. „Bist du sicher, dass du nach München gehen und dich selbstständig machen willst?“, geben Freunde vielleicht zu bedenken. Sicherheit ist nichts, was wir im Vorfeld bekommen. Sicherheit ist etwas, was wir aus uns selber schöpfen müssen. Lassen Sie sich daher nicht verunsichern. Wenn Ihr Wunsch trotz der Zweifler noch genauso stark ist, heißt es: Volle Kraft voraus!
Zweitens: Alternativen finden. Wenn die Firma sagt: „Auf Ihre Mitarbeit können wir in Zukunft verzichten, weil wir die Abteilung schließen“, gibt es vermeintlich nur zwei Alternativen: Sie finden einen vergleichbaren Job in einer anderen Firma, oder Sie sind arbeitslos. Monika Scheddin fordert ihre Teilnehmer im Coaching auf, mal wild drauflos zu wünschen.
Dazu benutzt sie die Coaching-Struktur: Ich will, ich kann, ich brauche. Die Aufgabe ist, einfach mal alles aufzuschreiben, was man sich vorstellen kann. Beispielsweise im Ausland arbeiten, ein Kind bekommen, sich selbstständig machen, ein Studium aufnehmen, reich heiraten oder eine Ausbildung zum Fitnesstrainer machen und dafür einen Brot-und-Butter-Job annehmen. Wo sind meine Kompetenzen? Was brauche ich noch? Wer oder was kann mir bei meiner Neuorientierung behilflich sein? Dieser Ansatz unterschiedet sich von dem der Arbeitsagentur, die nur fragt: „Was können Sie denn?“ Ein Beispiel: Möchte jemand gerne Sänger werden und kann nicht singen, so hilft ihm Gesangsunterricht, sein Ziel zu erreichen. Es gibt ja genug Sänger, die nicht gut singen können und trotzdem die Hitparade stürmen. Also lassen Sie sich nicht von Ihrem Herzenswunsch abhalten, nur weil Sie etwas noch nicht können.
Drittens: Nicht passiert so, wie geplant. Darauf sollte man vorbereitet sein. Man wird nicht genommen, erhält viele Absagen oder landet ganz woanders. Das gehört dazu. Dann muss der Kurs korrigiert werden. Nicht zu verbissen sein! Oft bewegen sich die Dinge erst, wenn wir lockerlassen.
Viertens: Feiern. Die meisten Menschen sind ruhelos, und bevor Schritt Nummer vier erreicht ist, wird schon das nächste Ziel anvisiert. Sie fühlen sich dadurch nie erfolgreich, weil sie nicht gelernt haben, ihren Erfolg auch zu genießen. Schmeißen Sie eine Party, gönnen Sie sich selbst etwas unanständig Teures oder machen Sie mit Ihrem Team einen Ausflug – ganz einfach, weil wir Erlebnisse nicht vergessen. Sich zu feiern und damit einen schönen Schlusspunkt zu setzen ist wichtig!
3. Eigene Stärken erkennen und ausbauen
Andere beurteilen uns oft ganz anders als wir uns selbst. Denn wir sind unser heftigster Kritiker und übersehen unsere Stärken. Fragen Sie daher Ihre Umgebung: „Wie wirke ich auf dich?“, „Was schätzt du an mir?“ und „Wo glaubst du, stehe ich in zehn Jahren?“. Auch in einem Coaching lassen sich Ihre Stärken gut erarbeiten und ausbauen.
4.Bauen Sie ein Netzwerk auf
Mit welchen Menschen würden Sie gern Mittag essen? Wo gibt es Mentoren, Verbündete oder Vorbilder, die schon da sind, wo Sie hin wollen? Was können Sie tun, damit diese Leute Sie unterstützen? Bauen Sie sich ein Netzwerk auf. Nehmen Sie Veranstaltungen wahr, knüpfen Sie Kontakte. Die Folge: Sie gehen mit einer angespitzten Wahrnehmung durch die Welt, und plötzlich ergeben sich immer mehr Verbindungen, die nützlich sein können. Netzwerken heißt, sich Mühe geben, aber auch etwas von sich preisgeben. Dann können andere besser andocken.
5. Machen Sie einen Arbeitsurlaub
Warum schaffen Menschen eine Veränderung nicht? Weil sie einfach erschöpft sind. Nur am Wochenende oder nach Feierabend an neuen Perspektiven zu arbeiten, reicht nicht. Zuerst sollte man eine Mindmap erstellen: Wo will ich hin? Wie kann ich loslegen? Wer kann mir dabei helfen? Monika Scheddin empfiehlt dafür dringend einen Arbeitsurlaub. Ein Urlaub von fünf Tagen, um in Ruhe die eigene berufliche Zukunft zu planen. Gern auch mit Begleitung, die sich ca. fünf Stunden am Tag selbst beschäftigen sollte. Anschließend kann man wieder etwas gemeinsam unternehmen. So ist der Tag strukturiert und das Neue kann sich verankern. Eine andere Umgebung wirkt oft Wunder.
6. Empathie fürs Gegenüber
Es reicht nicht, zu überlegen: Was wünsche ich mir? Wichtig ist auch: Was wünscht sich meine Zielgruppe? Wenn Sie Ihrem Chef eine Gehaltserhöhung schmackhaft machen möchten, sollten Sie eine kluge Strategie entwickeln: Um einen Gesprächstermin bitten, messbare Erfolge präsentieren (z.B. Umsatzerhöhung, erfolgreiche Messe, neue Kunden akquiriert) und dann sagen: „Das hat mir sehr viel Freude gemacht. Und diese Freude würde ich jetzt gern mit Ihnen teilen.“ Auf keinen Fall den Arbeitgeber erpressen oder eigene finanzielle Nöte als Gründe für eine Gehaltserhöhung angeben! Sagen Sie besser: „Ich würde gern so weitermachen, und daher brauche ich ein Entgegenkommen von Ihrer Seite. Ich habe mir eine Gehaltserhöhung vorgestellt.“ Nennen Sie noch keine feste Summe, sondern warten Sie ab, was Ihr Gegenüber sagt. Kommt dann die Frage: „Was haben Sie sich denn vorgestellt?“, sollten Sie ruhig ein bisschen mehr verlangen, schließlich gehören Verhandlungen dazu. Nützt das nichts, bitten Sie um eine Fortbildung, einen anderen Jobtitel oder andere Goodies (Querverweis auf Jobwahl – Geld ist nicht alles). Vielleicht gibt es auch ein Projekt, das Sie gern übernehmen würden. Denken Sie dran: Sprechenden Menschen ist zu helfen.
7. Die 100-Tage-Regel:
Es braucht etwa 100 Tage, bis ein neues Verhalten bei uns bleibt. Egal, was Sie sich vorgenommen haben – mehr Sport, weniger essen oder einen neuen Job zu finden. Es dauert 100 Tage, bis unser Verstand nicht mehr mit uns diskutiert, sondern begreift: Sie oder er meint es wirklich ernst. Entwerfen Sie einen Schlachtplan und bleiben Sie am Ball! Diese 100 Tage gilt es, freudvoll zu gestalten. Allein mit Willenskraft kommt man nämlich nicht ans Ziel. Dabei hilft ein Automatismus. Das bedeutet, jeden Tag wenigstens ein klein bisschen zu tun, um dem Ziel näherzukommen, beispielsweise einen wichtigen Anruf erledigen oder jemanden bitten, über die Bewerbung zu schauen. Setzen Sie sich Meilensteine und Etappenziele. Diese 100 Tage sind nur die erste Stufe, um neues Verhalten einzuüben. Anschließend braucht es bei Menschen über 30 etwa 1000 Tage, bis so ein Ziel endgültig bei uns bleibt. Das ist nicht einfach. Stress lässt uns in dieser Zeit vom Pferd fallen. Dann gilt es, immer wieder aufzusteigen, sprich weiterzumachen. Daher ist Routine wichtig. Sie gibt uns Sicherheit. Also am nächsten Tag erneut etwas tun, um voranzukommen.
8. Info-Blatt zur eigenen Person:
Entwerfen Sie eine DIN A 4 Seite über sich. Nicht Lebenslauf oder Bewerbung draufschreiben! Nur Namen, aktuelle Tätigkeit, Berufserfahrung, Wunschposition und die Bitte um Weiterleitung draufschreiben. Das Dokument dann einfach in die Netzwerk-Runde schicken. Keine Sorge, Ihnen kann nichts passieren. Von Zeit zu Zeit sollte man seinen Marktwert testen, das empfehlen alle Karriereplaner. Ganz wichtig: Vergessen Sie nicht, dem Netzwerk Bescheid zu geben, wenn es geklappt hat! „Dank Eurer Hilfe fange ich jetzt da und da an …“. Die Gruppe möchte sich ja mitfreuen, und der Nächste wird dann ebenfalls unterstützt.
9. Bedanken ist wichtig:
Vergessen Sie auch auf keinen Fall, Ihren Unterstützern zu danken. Das kann ein Abendessen, ein Blumenstrauß, Ihr neuestes Buch oder auch nur eine warmherzige Dankes-Mail sein. Nur etwa fünf Prozent der Kollegen empfehlen andere weiter. Und diese Menschen sollten Sie sich warmhalten. Auch über Gratulationen zum Geburtstag oder über Weihnachtskarten freuen sich die meisten. So bleiben Sie positiv in Erinnerung. Selbst wenn es mit einer Bewerbung nicht geklappt hat, kann man hinterher eine Mail schreiben mit folgendem Inhalt: „Ich bedanke mich für das Vorstellungsgespräch. Schade, dass es nicht geklappt hat. Ich hätte den Job schrecklich gerne gemacht. Ich respektiere Ihre Entscheidung, aber wenn es mit dem Bewerber, den Sie genommen haben, nicht klappt, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie an mich denken.“ Geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, auf Sie zurückzukommen. Ein solcher Nachklapp zeugt zudem von Selbstbewusstsein und bleibt in Erinnerung.
10. Mutproben bestehen:
Einen Vortrag vor den Kollegen halten, der Presse ein Interview geben, einem Widersacher mal die Meinung geigen –das braucht Selbstvertrauen. Selbstvertrauen kriegt man aber nicht geschenkt oder vererbt, sondern es ist immer die Überwindungsprämie für das, was einem vorher Schiss gemacht hat! Oder anders gesagt: Mut ist ein Muskel, er muss trainiert werden. Mut ist auch nicht die Abwesenheit von Angst, sondern Mut heißt, es zu tun, obwohl ich Angst habe. Als Belohnung kommt dann Selbstvertrauen. Nehmen Sie daher Herausforderungen an. Je höher die Position in einem Unternehmen, desto mehr sind es redende Positionen. Daher ist Rhetorik ein weiterer wichtiger Punkt. Wenn Sie nicht gut frei sprechen können, sollten Sie es lernen.