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TV-Werbung: "Cool ohne Kuh'": Katjes provoziert Milchbauern mit martialischem Comic-Clip

Mit einem provokanten Werbespot für seine neue vegane Schokolade hat Süßwaren-Hersteller Katjes bei Landwirten für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Doch nicht alle verstehen die Aufregung um den Comic-Clip eines berühmten Illustrators.

In den ersten Sekunden des Clips marschieren tausende Kühe im Gleichschritt

Wie Soldaten lässt Katjes tausende Kühe in dem Werbevideo im Gleichschritt aufmarschieren. 

Mit einem aufwändig produzierten Clip sorgt Fruchtgummi-Hersteller Katjes in den sozialen Medien für Aufsehen. Das Süßwaren-Unternehmen aus Emmerich am Rhein wirbt in dem 20-sekündigen Spot für seine neue vegane Schokolade. Unterlegt von martialischen, düsteren Klängen marschieren darin tausende Comic-Kühe wie Soldaten in Reih und Glied und rücken virtuell in eine Tafel Schokolade ein. "Jedes Leben ist wertvoll – und Kühe sind keine Milchmaschinen", heißt es dazu. 

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Gepostet von Katjes am Montag, 14. Oktober 2019

Cool ohne Kuh – wilde Diskussionen im Netz

Insbesondere bei Landwirten und in der Milchwirtschaft sorgt der Clip seit seiner Veröffentlichung am Dienstag für wilde Diskussionen. Fast 4000 Kommentare – darunter auch zahlreiche, die sich bei den Machern für den Spot bedanken – türmen sich mittlerweile unter dem Katjes-Post. Mehr als 1000 User teilten das Video, das mit dem Claim "Cool ohne Kuh" endet. "Der Spot ist das allerletzte, einen ganzen Berufstand denunzieren nur um sein Produkt zu bewerben“, empört sich ein User. "Bravo! Frech, finde ich super! Den Zeitgeist getroffen", urteilt eine andere Userin.

Bauernverband ruft Deutschen Werberat an

Auch von offizieller Seite wurde inzwischen reagiert. So soll der Bayerische Bauernverband (BBV) nach Informationen des Fachmagazins "Agrar heute" beim Deutschen Werberat Beschwerde eingelegt haben. "In dem Fernsehspot werden Kühe als "Milchmaschinen" bezeichnet und Tierhaltern die Ausbeutung ihrer Kühe unterstellt. Das ist diskriminierend und ungerechtfertigt", schreibt demnach der BBV. Auf eine Anfrage der "Südwest-Presse" betonte eine Katjes-Sprecherin, dass der Clip überspitzt dargestellt sei, sich aber nicht gegen die Landwirtschaft im Allgemeinen richte.

Am Freitag dann reagierte der Weberat auf die Beschwerde. "Der Clip ist eine sehr einseitige und überzogene Visualisierung von Massentierhaltung", sagte die Leiterin des Deutschen Werberats, Katja Heintschel von Heinegg, der Deutschen Presse-Agentur. Sie kritisierte, das Video suggeriere, dass alle Molkereien ihre Tiere so hielten und jeder Milchkonsument Tiere ausbeute. Der Deutsche Werberat forderte Katjes auf, sich zu Vorwürfen zu äußern. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte, die Aufforderung des Werberats erhalten zu haben. Die Vorwürfe würden nun geprüft, hieß es. Weitere Details könne man derzeit nicht nennen.

Gezeichnet und produziert hat den Clip der britische Illustrator Gerald Scarfe. Der 83-Jährige erlangte 1979 mit dem Design des Pink-Floyd-Albumcovers "The Wall" Weltruhm. 

Quellen: "Agrarheute.de", "Topagrar.com", "swp.de"

js
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