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Kerkorian-Klage: DaimlerChrysler-Chef Schrempp muss erneut aussagen

Bundesrichter Farnan ließ eine neue Befragung Schrempps durch die Anwälte des US-Milliardärs Kirk Kerkorian zu. Kerkorian hat DaimlerChrysler auf mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagt, weil er sich bei der Fusion betrogen fühlt.

Bundesrichter Joseph Farnan ließ am Freitagabend eine erneute ausführliche Befragung Schrempps durch die Anwälte des US-Milliardärs und Casino-Besitzers Kirk Kerkorian vor dem Bezirksgericht in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware zu. "Mir scheint, dass ich unter den gegebenen Umständen der Forderung von (Kerkorians Anlagegesellschaft) Tracinda zustimme", sagte Farnan. Der im Dezember unterbrochene Milliarden-Prozess um die Fusion von Chrysler und Daimler-Benz vor mehr als fünf Jahren soll am 9. Februar oder am 11. März fortgesetzt werden. Die Entscheidung soll Anfang der Woche fallen. Farnan sagte, die Verhandlung könne innerhalb von zwei oder drei Verhandlungstagen abgeschlossen werden.

Bei der ersten Befragung hatte Schrempp keine Angriffsfläche geboten

Die Anwälte Kerkorians hatten eine zweite Einvernahme von Schrempp gefordert, nachdem überraschend Notizen des früheren Chrysler-Finanzchefs und DaimlerChrysler-Einkaufsvorstands Gary Valade aufgetaucht waren, die in den Akten der Kläger fehlten. Daraufhin hatten diese reklamiert, die Aufzeichnungen Valades ließen die Aussagen der vorher vernommenen Zeugen in einem neuen Licht erscheinen. Bei der ersten Befragung, die sich über drei Tage erstreckte, hatte Schrempp keine Angriffsfläche geboten und den Zusammenschluss als "Fusion unter Gleichen" verteidigt. Nach Ansicht von DaimlerChrysler bieten die Aufzeichnungen von Valade aus der Phase vor Bekanntgabe der Fusion nichts Neues und stützten die Position des Konzerns.

Übernahme soll als "Merger of Equals" getarnt worden sein

Der 86-jährige Kerkorian hat DaimlerChrysler auf mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagt, weil er sich bei der Fusion als ehemaliger Chrysler-Aktionär betrogen fühlt. Er wirft Schrempp vor, die Anteilseigner getäuscht zu haben, indem er eine Übernahme als "Merger of Equals" deklariert habe, um eine höhere Übernahmeprämie für Chrysler zu vermeiden.

Farnan setzte für die Befragung Schrempps kein zeitliches Limit, mahnte die Anwälte Kerkorians aber, bereits abgehandelte Themen nicht noch einmal zu vertiefen. DaimlerChrysler hatte angeboten, den Vorstandschef noch einmal vor Gericht auftreten zu lassen, aber drei Stunden für die Befragung für ausreichend erklärt. Auch Valade und sein ehemaliger Chrysler-Kollege Thomas Stallkamp müssen noch in den Zeugenstand.