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BAIC: Der gelbe Zwerg greift nach Opel

Der chinesische Hersteller BAIC will Opel kaufen, darf es nicht. Welche Autos produziert BAIC eigentlich und warum haben Europäer und Amerikaner so viel Angst vor dem fast unbekannten Autohersteller aus Fernost.

Die Chinesen von BAIC garantieren mehr Arbeitsplätze in Deutschland als alle anderen Opelinteressenten. Sie wollen wesentlich geringere Staatsbürgschaften. Sie versprechen ausgelastete Opelfabriken durch garantierte Exporte nach China. Und als einziger Interessent, kann man BAIC tatsächlich als "Bieter" bezeichnen, denn BAIC will tatsächlich echtes Geld bezahlen. Trotzdem ist das Urteil: "chancenlos". So groß ist die Angst vor dem Potenzial des chinesischen Herstellers, dass man ihm um keinen Preis Zugang zur modernen Technologie geben will.

So groß die Angst, so klein der Hersteller. Anders als Brilliance oder Landwind hat der chinesische Autobauer BAIC weder mit interessanten Limousinen, mit aufsehenerregenden Kopien noch spektakulären Crashtestversagern von sich reden gemacht. Wirtschaftsexperten dagegen, die ihren Blick fest in den fernen Osten richten, wissen mit den vier Buchstaben etwas anzufangen. Denn BAIC steht für Beijing Automotive Industry Holding Corporation und fungiert seit Mitte der 1980er Jahre als Dach eines ziemlich komplexen Unternehmensgeflechts, unter dem verschiedene Joint Venture zwischen chinesischen und westlichen Automobilbauern rangieren.

Der Partner der Großen

Eines dieser BAIC- Joint Venture ist die Beijing-Benz DaimlerChrysler Automotive Corporation, ein Unternehmen, das während der kurzen deutsch-amerikanischen Konzern-Ehe an den Start gegangen ist. Im Jahr 2004 wurde der Grundstein für die Pekinger Produktionsstätte gelegt - ein feierlicher Akt, bei dem auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht fehlte. Ein Jahr später liefen die ersten Fahrzeuge vom Band. Mit ihren lokal gefertigten Limousinen wollen Daimler und Chrysler schon jetzt kräftig mitmischen auf dem Mega-Markt der Zukunft. Mercedes C- und E-Klasse, Chrysler 300C und Chrysler Sebring werden in Peking gebaut und buhlen um Chinas zahlungskräftige Kundschaft. Auch nach der Daimler-Chrysler-Trennung steht die chinesische Tochter offenbar auf sicheren Beinen. Das Joint Venture wurde für die Dauer von 30 Jahren geschlossen und sowohl Daimler als auch Chrysler sind weiterhin mit je 25 Prozent daran beteiligt. Über die restlichen 50 Prozent verfügen die Chinesen.

Bevor es zur Partnerschaft zwischen DaimlerChrysler und Beijing Automotive Industry Holding kam, hatten allerdings andere beachtliche Vorarbeit geleistet. Es war der amerikanische Autobauer American Motors Corporation (AMC), der eine Chance witterte, als China Ende der 1970er Jahre seine Märkte für westliche Unternehmen öffnete. Von einer gemeinsamen Produktionsstätte versprach sich American Motors einen klaren strategischen Vorteil bei der Erschließung des exotischneuen Automarktes. Spottbillige Arbeitskraft machte die Produktionsstätte im Reich der Mitte zusätzlich attraktiv. Auch für die Chinesen tat sich eine Chance auf, die es nicht zu verpassen galt. Nach jahrzehntelanger Abschottung war der Zugang zu modernen Automobiltechnologien plötzlich zum Greifen nah. Als Resultat der Verhandlungen ging im Mai 1983 die Beijing Jeep Coporation (BJC) - Chinas erstes Automobil-Joint Venture - an den Start und baute AMCs Jeep Cherokee (XJ).

Kernige Geländewagen für das Militär

Die amerikanisch-chinesische Geländewagenschmiede avancierte schon bald zum Vorzeigeprojekt und bekam sehr oft Besuch - von Chinas kommunistischer Führungsriege sowie von ausländischen Politikern und Wirtschaftsdelegationen. Nach dem Verkauf vom AMC an Chrysler wurde die Kooperation mit dem chinesischen Staatsunternehmen fortgesetzt. In den folgenden Jahren erweiterten die Partner ihr chinesisches Produktportfolio um die Mitsubishimodelle Pajero Sport und Outlander. Bis heute laufen auch auf Basis des russischen UAZ 469 entwickelte Offroader vom Band. Chinesische Normalkunden allerdings konnten die Geländewagen bis in die 90er Jahre nicht erwerben. Das war nicht nur eine Frage des Preises. Die Pekinger Jeep Corporation produzierte in ihren Anfangsjahren ausschließlich für Chinas Militär. 2005 wurde das Chrysler-BAIC-Jeep-Joint Venture in das Unternehmen Beijing-Benz DaimlerChrysler Automotive integriert.

Umfangreiche Exportversprechen

Heute gehört die Beijing Automotive Industry Holding Company zu den acht größten Autoproduzenten Chinas, unterhält 26 Produktionsstätten im Land und will chinesischen Medienberichten zufolge in die erste Liga der nationalen Hersteller aufsteigen. Mit leichten, mittleren und schweren Nutzfahrzeuge ist BAIC gut im Rennen. Auf dem PKW-Sektor fehlt noch allerlei. Käme es zum Opel-Deal, würden die Chinesen bereits im kommenden Jahr 10.000 Opel-Fahrzeuge importieren. 2011 sollen es nach BAIC-Plänen bereits 50 000 Stück sein. Vor allem die Modelle Astra, Zafira, Corsa und Meriva erscheinen den Chinesen attraktiv. Mit Opel würde sich BAIC ein komplette Fahrzeugflotte einkaufen. Bis 2015 will BAIC für 1,6 Milliarden Euro ein eigenens Opel-Werk in China gebaut haben. Dort sollen - in nicht allzu ferner Zukunft – 485.000 Opel pro Jahr vom Band laufen. Aber gerade der Erfolg der China-Opel schreckt Europäer und Amerikaner. Denn BAIC verlangt auch das GM Know how für Elektrofahrzeuge. Mit der GM-Technik hätte BAIC einen 1a Start im chinesischen Elektroautoprogramm. Die Gewalt, mit der Peking dieses Projekt vorantreibt, könnte dazu führen, dass BAIC Europäer und Amerikaner in kurzer Zeit technologisch abhängt. Und darum darf BAIC Opel nicht bekommen.

Von Susanne Kilimann

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