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Kriminalität: Dichte Indizienkette macht Max Strauß zu schaffen

Zwar konnte der seit Jahresbeginn laufende Steuerstrafprozess gegen den Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß bis jetzt keine zwingenden Beweise für die Anklage erbringen, aber auch keine dagegen.

Max Strauß, wegen Steuerhinterziehung angeklagt, ist in eine dichte Indizienkette verstrickt. Zwar konnte der seit Jahresbeginn laufende Steuerstrafprozess gegen den Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) bis jetzt keine zwingenden Beweise für die Anklage erbringen, doch wurden bislang auch keine belastenden Details entkräftet.

Das Verfahren vor dem Landgericht Augsburg dreht sich um das Schweizer Rubrikkonto "Maxwell". Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass auf dieses Konto an Strauß unversteuerte Provisionszahlungen vom nach Kanada geflüchteten Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber gezahlt und dadurch dem Fiskus rund 1,3 Millionen Euro hinterzogen wurden. Strauß bestreitet, je von Schreiber Geld bekommen zu haben und schweigt beharrlich.

Wer ist "Maxwell"?

Schreiber ist neben dem gesundheitlich angeschlagenen Strauß die Hauptfigur in dem Prozess. Obwohl er aus Kanada wissen ließ, er werde sich nicht äußern, stützt sich die Staatsanwaltschaft ganz auf ihn. Ihr sind bei Durchsuchungen zwei Kalender in die Hände gefallen. Schreiber hat darin alle seine Termine, Telefongespräche und Geldgeschäfte akribisch notiert. Dazu gehört auch der Name "Maxwell", der mehrfach in Zusammenhang mit hohen Geldsummen angeführt ist.

Wichtige Zeugen - darunter der frühere CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep und Ex-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Erich Riedl (CSU) - haben die oft kryptischen Eintragungen in Schreibers Kalender enträtselt und als richtig bestätigt. Kein Hinweis hat sich bisher als falsch erwiesen. Warum also sollten ausgerechnet die Eintragungen zu "Maxwell" nicht stimmen?

Anklage: Maxwell ist Strauß

Doch wer ist "Maxwell"? "Das ist eindeutig Max Strauß", erklärte der frühere Geschäftsführer von Schreibers bayerischer Firma unter Eid und ließ seine Angaben mit unterhaltsamen Anekdoten glaubwürdig erscheinen. "Das ist eindeutig nicht Max Strauß", versicherte dagegen Schreibers langjährige Sekretärin. Mit "Maxwell" sei der inzwischen gestorbene CSU-Justiziar Franz Dannecker gemeint, ein Intimus von Franz Josef Strauß. Doch die Angaben der Frau klangen wenig überzeugend - vor allem als sie erklärte, in 33 Jahren praktisch nichts von geschäftlichen Vorgängen ihres Chefs mitbekommen zu haben.

In Nöte hat Max Strauß ein Darlehen an seinen Münchner Partei-Spezl Curt Niklas gebracht. Dem hatte er 1994 innerhalb von Stunden erst 300.000 Mark, später noch einmal 100.000 Mark vom inzwischen im Zusammenhang mit der Leuna-Affäre verurteilten Dieter Holzer verschafft. Zeugen schilderten, wie Strauß dieses Geld über eine Münchner Firma tarnte, um die von ihm eingefädelte Aktion zu verschleiern. Als Holzer sein Geld zurückverlangte und sich Niklas als zahlungsunfähig erwies, flossen plötzlich 200.000 Mark von "Maxwell" an Holzer.

Urteil für Mai erwartet

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass Strauß von den "Maxwell"-Provisionsgeldern in der Schweiz wusste. In diesen Zusammenhang passe auch der nächtliche Besuch von Max Strauß bei Riedl, bei dem er vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung gewarnt und von Thyssen-Schmiergeld und Schweizer Konten gesprochen hatte.

Zwei wichtige Prozess-Zeugen wurden noch nicht gehört: Holzer und der langjährige Verwaltungsrat von Schreiber-Firmen, der Schweizer Giorgio Pelossi. Von ihm erhofft sich das Gericht nähere Angaben zu "Maxwell". Holzer soll erklären, wer die 200.000 Mark an ihn überwiesen hat und wer die Zahlung veranlasste. Noch ist der Ausgang des Verfahrens für Strauß ungewiss. Das Urteil wird im Mai erwartet.

Nikolaus Dominik / DPA