Mannesmann-Prozess Rückschlag für die Staatsanwaltschaft


Das Gericht hat eine Reihe von Beweisanträgen als unerheblich oder schon bewiesen abgelehnt - damit ist die Staatsanwaltschaft in ihren Bemühungen zurückgeworfen, doch noch eine Verurteilung der sechs Angeklagten zu erreichen.

Im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag einen weiteren Rückschlag erlitten. Das Gericht schmetterte zahlreiche Beweisanträge der Ankläger als unzulässig, bedeutungslos oder unstrittig ab. Lediglich die Vernehmung eines weiteren Zeugen und die Einführung einiger Schriftstücke in das Verfahren wurden zugelassen. Auch ein Antrag der Verteidiger wurde als irrelevant verworfen.

Meinungsbildung schon abgeschlossen?

Weder die Verbuchung der umstrittenen Millionenprämien noch die Flugzeiten von Ex-Vodafone-Chef Chris Gent sind nach Ansicht des Gerichts für die Urteilsfindung von Belang. Die Ablehnung der Anträge sei "ein Indiz dafür, dass die Kammer ihre Meinungsbildung in vielen Punkten abgeschlossen hat", sagte ein Gerichtssprecher. Die Angeklagten sind den erwarteten Freisprüchen damit offenbar ein Stück näher gekommen.

In dem spektakulären Strafverfahren um umstrittene Millionenprämien und Pensionen müssen sich seit Ende Januar sechs Angeklagte wegen des Vorwurfs der Untreue oder der Beihilfe zur Untreue verteidigen. Neben Ackermann sitzen auch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel auf der Anklagebank.

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Staatsanwälte

Die Verteidiger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verwahrten sich am Donnerstag gegen den Vorwurf, sie hätten mit ihren Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Staatsanwälte eine politische Einflussnahme auf das Verfahren auslösen wollen. Die Beschwerden seien lediglich "im Wege der Dienstaufsicht" an den nordrhein-westfälischen Justizminister als obersten Dienstherrn gerichtet worden, hieß es in einem Brief an Minister Wolfgang Gerhards.

Im Zeugenstand musste am Donnerstag die 61-jährige Witwe eines ehemaligen Mannesmann-Vorstands aussagen. Dabei ging es um die umstrittene Abfindung von Pensionsansprüchen. Nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone habe sie sich zunehmend Sorgen über den ergebnisabhängigen Teil ihrer Pension gemacht, sagte die Zeugin. Sie habe deshalb Aufsichtsrats-Chef Joachim Funk angerufen und dem damaligen Aufsichtsrat Ackermann einen Brief geschrieben.

Abfindung als "Sozialplan" empfunden

Die Abfindung habe sie als "so etwas wie einen Sozialplan" empfunden. Die Witwe hatte für die Abgeltung ihres variablen Pensionsteils mehr als 1,6 Millionen DM erhalten. Das Gericht verlas am Donnerstag auch die Höhe der Bezüge ehemaliger Mannesmann-Vorstände. Diese kamen danach im Jahr 2000 auf rund drei Millionen DM Jahreseinkommen.

DPA

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