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Überwachung der Bürger In Moskau soll man nun mit seinem Gesicht Bahntickets lösen

In der Moskauer Metro sollen demnächst Fahrkarten per Gesichtserkennung gelöst werden 
In der Moskauer Metro sollen demnächst Fahrkarten per Gesichtserkennung gelöst werden 
© Vladimir Gerdo/ / Picture Alliance
In Moskaus Metro sollen demnächst Fahrkarten automatisch per Gesichtserkennung gelöst werden, sobald man sich einem Schalter nähert. Was zunächst nach bahnbrechender Technologie klingt, ist durchaus kritisch zu betrachten.

Wer demnächst in Moskau mit der Metro fahren will, der soll seine Fahrkarte per Gesichtserkennungssoftware lösen können, sobald er sich einem Fahrkartenschalter nähert. Dafür braucht man lediglich ein russisches Bankkonto, bei dem die biometrischen Daten hinterlegt sind. Das soll auch mit Atemschutzmaske funktionieren, versprechen laut "The Times" die Verantwortlichen.

Was zunächst nach einer bahnbrechenden Technologie klingt, ist jedoch Teil eines riesigen stadtweiten Überwachungssystems. In Russlands Hauptstadt wurden jüngst rund 200.000 Überwachungskameras in den Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und in den Eingängen von Wohnungen aufgestellt, die mit derselben Technologie ausgestattet sind. Die Gesichtserkennung in der Metro, könnte dazu genutzt werden, um gegen Regierungskritiker vorzugehen, befürchten Experten.

Gesichtserkennung, um Protestanten ausfindig zu machen

Russische Staatsmedien berichten, die Polizei habe etwa 900 mutmaßliche Kriminelle festgenommen, seit im September 2020 Gesichtserkennungskameras in der Metro installiert wurden. "Wenn Sie kein Verbrechen begangen haben und kein Problem mit dem Gesetz haben, dann werden die Kameras Sie nur schützen", sagte Andrei Kichigin laut "The Times", oberster Sicherheitsbeamter der Metro.

Dem Bericht zufolge, wurde die Technologie auch eingesetzt, um Menschen ins Visier zu nehmen, die jüngst für die Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexei Navalny demonstriert haben. Der Historiker Kamil Galeev, wurde im Januar von der Polizei festgenommen, nachdem Überwachungskameras ihn bei einer Kundgebung in der Nähe des Kremls gefilmt hatten. Glaubt man seinem Anwalt, so habe die Polizei das Foto in seinem Reisepass sowie Bilder von seinen Social-Media-Konten verwendet, um ihn zu identifizieren.

Daten sind im Darknet käuflich

Anna Kuznetsova reichte eine Klage gegen das Moskauer Technologieministerium ein, das die Überwachungsprogramme verwaltet, nachdem sie ihre Daten im Darknet kaufen konnte. Die Aktivistin gehört der Organisation Roskomswoboda an, die sich dem Schutz der digitalen Rechte im Internet verschrieben hat. Kuznetsova erzählte der "Times", dass sie rund 79 Bilder von sich gekauft habe, die ihre Bewegungen in der Stadt dokumentieren – jeweils mit der jeweiligen Uhrzeit und der Adresse, von wo das Foto aufgenommen wurde. Dafür habe sie umgerechnet gerade einmal 180 Euro bezahlt

"Jeder Verrückte kann dich damit stalken; Kriminelle können überprüfen, wann und wohin du gehst und dich in deiner Wohnung überfallen oder dir anderweitig wehtun", sagte sie zur "Times".

Fotos sind die neuen Fingerabdrücke

Das Gericht in Moskau wies ihre Klage, in der sie versuchte zu erreichen, dass die Gesichtsüberwachungskameras verboten werden, trotzdem zurück. Die Behörden widersprachen Bedenken, dass es dem Überwachungssystem an gerichtlicher oder öffentlicher Kontrolle mangelt.

Versuche, die Software zu überlisten

Einige Aktivistinnen und Aktivisten malen mittlerweile Linien und andere Muster auf ihre Gesichter, um die Kameras zu überlisten. Russland setzt derzeit auch auf Gesichtserkennungstechnologie, um Menschen zu identifizieren, die sich nicht in Quarantäne begeben, obwohl sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Die Moskauer Metro ist die meistbefahrene in Europa und befördert täglich rund 8,5 Millionen Fahrgäste. Ein Ticket, das über die Gesichtserkennung gelöst wird, ist für eine einzelne Fahrt im gesamten Metrosystem gültig.

Quelle:  The Times 

yak

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