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Ökologischer reisen Dirk Engelhardt, dürfen wir überhaupt noch reisen, wenn wir nachhaltig leben wollen?

Nachhaltig reisen: Wie kann das funktionieren?
Nachhaltig reisen: Wie kann das funktionieren?
© Getty Images
Reisen – vor allem mit dem Flugzeugsorgt für CO2-Emission. Und das wiederum macht uns ein schlechtes Gewissen. Wie können wir anders reisen? Autor Dirk Engelhardt weiß, wie man nachhaltig reisen kann und hat uns verraten, wie es geht.
Dirk Engelhardt bloggt unter www.dergutereisende.com . Auf seinen Reisen vermeidet er Flugzeuge, Autos und Kreuzfahrtschiffe.
Dirk Engelhardt bloggt unter www.dergutereisende.com . Auf seinen Reisen vermeidet er Flugzeuge, Autos und Kreuzfahrtschiffe.

© Privat

Dirk Engelhardt hat an der FU Berlin studiert und arbeitet seit 1993 als freier Journalist. Er schreibt für Tageszeitungen und Magazine und hat Reiseführer über die Türkei, Barcelona und Berlin veröffentlicht. Er bloggt unter www.dergutereisende.com. Auf seinen Reisen vermeidet er Flugzeuge, Autos und Kreuzfahrtschiffe.

Dirk Engelhardt, dürfen wir überhaupt noch reisen, wenn wir nachhaltig leben wollen?
"Ja! Selbstverständlich! Das ist meine Antwort. Weil ich hier noch etwas mehr Platz habe, möchte ich sie erläutern. Reisen an und für sich ist eine der schönsten Sachen der Welt. Und ich habe schon sehr viele Reisen gemacht, früher häufig mit dem Flugzeug. Nach und nach erfuhr ich dann aber, welche negativen Auswirkungen der Flugverkehr auf die Umwelt hat. Und den macht man nicht mit 2,36 Euro CO2-Abgabe auf das Flugticket ungeschehen.

Ich verlegte mich also auf das Reisen mit Bahn, Fahrrad, und das Wandern. Und merkte schnell, dass ich dabei mindestens ebenso tolle Abenteuer erleben kann wie mit dem Flug für eine Woche auf die Seychellen. Mehr noch: ich denke, eine einwöchige Radtour durch Polen hält sogar eine intensivere Reiseerfahrung vor als die einwöchige Seychellen-Tour mit dem Pauschalreiseanbieter.

Die gigantische Reiseindustrie, die in den letzten Jahrzehnten entstanden ist und die an Orten wie Spanien, der Türkei oder der Dominikanischen Republik regelrechte Touri-Betonwüsten geschaffen hat, hat meines Erachtens mit der ursprünglichen „Reise“, die man antritt, um ferne Länder, Bräuche und Menschen zu entdecken, nur noch wenig zu tun. Bei der Buchung einer Pauschalreise ging es für viele Kunden nur noch um den Preis, und welche Art von Luxushotel es dafür an irgendeinem sonnigen Platz am Meer gibt. Das Land, die Kultur, die Menschen kennenzulernen, darum ging es nur einer Randgruppe der Reisenden.

Muss man wirklich nach Bali fliegen, um sich dort eine Woche in einem 5-Sterne-Hotel am Buffett vollzuschlagen? Geht das nicht auch mit einer Bahnreise an die Nordsee? Für das Geld, das man dadurch spart, kann man sein Gepäck dann auch mit einem Boten ins Hotel liefern lassen. Generell ist mein Tipp: etwas runterschalten! Travel Slow. Mit einer Bahnreise ins Nachbarland lassen sich Orte entdecken, die touristisch noch nicht „verseucht" sind, und  man kann auch noch zwischendurch Station in Orten machen, die auf dem Weg liegen.

Es gibt mittlerweile auch viele gut ausgebaute Radfernwege, Berlin-Kopenhagen, der Oder-Neiße Radweg und der Burgenweg sind nur einige. Klimafreundlicher kann man kaum reisen. Wenn man versucht, nachhaltig zu reisen, wird man vielleicht nicht in kurzer Zeit viele exotische Reiseziele „abhaken“, aber man genießt es mehr und hat Muße, richtig zu entspannen.

Cover Buch
Dirk Engelhardts Reiseführer "Nachhaltig reisen die besten Ideen für Europa" ist im DuMont Verlag erschienen.
© PR DuMont

Durch die Recherche für mein Buch kam ich auf relativ unbekannte Ziele. Statt in ein teures Spa-Hotel zu gehen, kann man in der Toskana kostenlos in heißen Quellen baden! Eine Sache, die ich unbedingt ausprobieren möchte. 

Statt sich in vollgepackte Billigflieger zu quetschen, empfehle ich, die Anreise als Teil der Reise zu sehen und eine lange Bahnfahrt (vielleicht auch mal 1. Klasse!) mit Speisewagen und Schlafwagen zu genießen. Und statt der Mega-Kreuzfahrt mal eine Paddelboot-Tour, eine Segeltour mit einem Großsegler. Oder eine Floßfahrt zu planen."


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