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Airbus-Sanierung: Ringen um deutsche Arbeitsplätze

Der EADS-Konzern will offenbar im Rahmen der Airbus-Restrukturierung externe Partner in Werke einbeziehen. Genaueres über das Sanierungskonzept "Power8" wird die Airbus-Spitze kommende Woche den Betriebsräten präsentieren.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat Airbus erneut mit Konsequenzen bei der Auftragsvergabe gedroht, falls die Sanierung des Konzerns die deutschen Standorte übermäßig belastet. Glos sagte am Dienstag im ZDF unmittelbar vor einem Treffen mit Airbus-Chef Louis Gallois und dem Co-Vorsitzenden des Mutter- Konzerns EADS, Thomas Enders, Deutschland sei für den deutsch-französisch dominierten EADS-Konzern auf dem militärischen Sektor der größte Auftraggeber. Verhandlungs-Ziel sei, "dass deutsche Standorte nicht überdurchschnittlich zur Ader gelassen werden bei dem Sanierungsprogramm". Dazu werde man die "deutschen Kräfte bündeln". So könne man auch im Bereich der Auftragsvergabe und Vergabe von Fördermitteln Einfluss nehmen. "Wir werden selbstbewusst in die Verhandlung gehen."

"Kapitalbeschaffung" durch Werksverkäufe?

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der im Anschluss an Glos mit Gallois und Enders zusammentraf, äußerte in der "Welt" (Dienstag) die Befürchtung, dass sich "manche im Konzern" durch einen Verkauf deutscher Produktionsstätten "Kapital beschaffen wollen". Nach seinen Worten muss überlegt werden, wie bei der Sanierung benötigtes Geld in den Konzern gebracht werden könne. "Denkbar sind eine Kapitalerhöhung und der Verzicht auf bisherige Renditen". Möglich sei daneben, dass staatliche Forschungsmittel, etwa aus europäischen Strukturfonds, in das Unternehmen fließen könnten, so Wulff.

Wulff forderte "für alle Standorte eine vernünftige Perspektive". Deutschland dürfe nicht "die verlängerte Werkbank von Airbus werden, etwa in der Flugzeugrumpf- und Kabinenfertigung", sagte Wulff. Er übte Kritik an DaimlerChrysler. Der Anteilseigner der Airbus-Mutter EADS habe in der Vergangenheit die Luft- und Raumfahrtsparte nicht sonderlich konsequent gefördert und Versäumnisse begangen. "Jetzt will der Konzern aussteigen. Den Zeitpunkt finde ich ganz falsch", sagte Wulff. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) verlangte von der Airbus-Spitze, mögliche Opfer gerecht zu verteilen: "Die deutschen Standorte dürfen nicht von Entwicklungsmöglichkeiten abgeschnitten werden."

Kein staatlich gesteuerter Konzern gewollt

Glos betonte: "Klar ist, dass wir keinen staatlich gesteuerten Airbus-Konzern wollen, sondern ein wettbewerbsfähiges Unternehmen, das die Konkurrenz zu Boeing besteht." Am Vortag hatte sich Glos mit den betroffenen Ländern Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Baden-Württemberg auf eine einheitliche Strategie der deutschen Seite in den Gesprächen mit dem Management verständigt. Es wird erwartet, dass das endgültige Airbus-Sanierungskonzept "Power8" erst im Verlauf des Februar auf den Tisch kommt.

Die Arbeitnehmervertreter innerhalb des Airbus-Konzerns suchen den Schulterschluss über die nationalen Grenzen hinweg. Die IG Metall und Fédération Force Ouvriere de la Métallurgie machten in Hamburg deutlich, dass sie den Erhalt aller Airbus-Standorte in Europa erwarten und dass sie sich für jeden möglichen Arbeitsplatz einsetzen wollen. Glos deutete im ZDF an, dass in dem Konzern eine falsche Arbeitsplatzpolitik betrieben wurde. "Bisher haben wir zu sehr darauf geschaut, dass Arbeit vergeben wird in Deutschland und Frankreich. Airbus war eine Art 'Arbeitsbeschaffungsgesellschaft'." Experten kritisieren seit langem, dass in dem Konzern zu oft Produktionen und Arbeitsplätze - auch im Management - nach Proporz vergeben worden sind, und nicht nach unternehmerischen Aspekten.

Faire Umstrukturierungsmaßnahmen

Das vieldiskutierte Sanierungskonzept "Power8" wird nach dem Willen der Airbus-Spitze kommende Woche erst einmal den Betriebsräten des Rüstungs- und Flugzeugbaukonzerns vorgestellt. Dies bestätigte Wulff nach seinem Treffen mit Airbus-Chef Gallois. Danach solle ein Diskussionsprozess mit den betroffenen Standorten in Gang gesetzt werden. Man sei sich mit der Konzern-Spitze einig, dass die notwendigen Umstrukturierungsmaßnahen fair vonstatten gehen müssten und ohne einseitige Lastenverteilung.

DPA/Reuters / DPA / Reuters