HOME

AIRLINES: »Kein Licht am Ende des Tunnels«

Bei der Lufthansa treffen sich morgen Konzernspitze, Pilotenvereinigung und Gewerkschaft zu einem Krisengespräch über die Sparpläne von Konzernchef Weber.

Die Zeit drängt. Ein oder zwei Wochen gibt sich Lufthansa-Chef Jürgen Weber Zeit, dann will er ein intensives Sparprogramm für die von rapiden Einnahmeverlusten betroffene Fluglinie unter Dach und Fach haben. An diesem Freitag wird auf dem Weg dorthin ein erster entscheidender Schritt unternommen. Spitzen des Konzerns, der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Pilotenvereinigung Cockpit kommen zusammen, um über Webers Pläne zu beraten.

Tagesordnung ist schon bekannt

»Informationsgespräch zur wirtschaftlichen Lage« lautet der inoffizielle Arbeitstitel des Treffens der drei Gruppen, die seit dem 11. September regelmäßig zusammen kommen. Das Treffen am Freitag hat besondere Bedeutung, nachdem Weber die Tagesordnung prominent und zur Überraschung seiner (heutigen) Gesprächspartner in einer Sonntagszeitung vorgegeben hat: Die Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht gehört dazu, ebenso Arbeitszeitflexibilisierung oder Vergütungsveränderungen.

Ohne Einigung drohen Entlassungen

Über die Dramatik der Situation lässt der einzige Chef einer großen Fluglinie, der sowohl den Golfkrieg als auch die Terroranschläge vom 11. September in dieser Position erlebte, niemand im Unklaren: Sollten die Gespräche scheitern, sind Entlassungen die unausweichliche Folge. »Hier sieht zur Zeit niemand Licht am Ende des Tunnels«, heißt es aus der Lufthansa-Zentrale zur aktuellen Lage.

Laufende Verluste von 50 Mio ?/Monat

Ein kleiner Hoffnungsschimmer zumindest ging vom Treffen der EU- Finanzminister in dieser Woche in Luxemburg aus. Die EU will ihren Mitglieder erlauben, den Fluglinien die unmittelbaren Schäden an den ersten vier Tagen nach dem Unglück zu ersetzen. Dies würde allerdings nur einen Bruchteil der Lufthansa-Verluste ausgleichen. Allein im September machte der Konzern 180 Mio Euro (352 Mio DM) Minus, einen entsprechenden Betrag hat der Konzern auch vom Bundesverkehrsministerium eingefordert. Die laufenden Verluste werden nach einem Passagierrückgang um 20 Prozent auf 50 Mio Euro pro Woche geschätzt.

Von Gewinn redet niemand mehr

Über das Hauptziel der Krisengespräche sind sich die Beteiligten angesichts dieser Zahlen einig: Entlassungen sollen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vermieden werden. In den Hintergrund treten angesichts der aktuellen Diskussionen Mutmaßungen über die Folgen der Terroranschläge auf den Lufthansa-Jahresabschluss. War zu Jahresanfang von einem Gewinn von rund einer Milliarde Euro die Rede, senkte die Fluglinie nach dem teuren Tarifabschluss für die Piloten die Erwartungen im Juni auf 700 bis 750 Mio Euro. Zu neuen Prognosen will sich zur Zeit niemand bereit finden.

Versicherungsfrage ist völlig offen

Das gilt umso mehr, als auch die Frage der Versicherung der Fluggesellschaften noch offen ist. Bislang deckt eine Ausfallbürgschaft des Bundes das Risiko von Terror und Krieg ab. Sollte die Bürgschaft aber wie ursprünglich geplant am 25. Oktober enden und gleichzeitig keine Einigung mit den Versicherungen erzielt sein, müsste die Lufthansa-Flotte am Boden bleiben.

Justus Demmer