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AIRLINES: LTU: Vor Absturz gerettet

Eine Landesbürgschaft rettete LTU in letzter Minute. Damit wurde dem Ferienflieger ein Kreditrahmen von 120 Millionen Euro gesichert und Insolvenz verhindert.

Deutschlands zweitgrößter Ferienflieger LTU ist in letzter Minute vor dem Absturz gerettet worden. Nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon mit Banken und dem LTU-Großaktionär Rewe unterzeichneten am Freitagvormittag Nordrhein-Westfalens Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold eine Landesbürgschaft, die dem Charterflieger noch am selben Tag einen Kreditrahmen in Höhe von insgesamt 235 Millionen Mark (120 Millionen Euro) sicherte und damit die Insolvenz verhinderte.

Überleben für ein Jahr gesichert

Mit dem von der Westdeutschen Landesbank, der Düsseldorfer Sparkasse und der Rewe-Gruppe zur Verfügung gestellten Kredit ist das Überleben des Düsseldorfer Ferienfliegers zunächst für zwölf Monate abgesichert. Bis dahin soll ein Investor gefunden werden, der die bis vor kurzem von der Swissair gehaltenen 49,9-Prozent der LTU-Anteile übernimmt. Die EU hatte erst am Donnerstag grünes Licht für die Rettungsbeihilfe gegeben. Mit den Krediten will die LTU jetzt ihr Sanierungsprogramm umsetzen. Es sieht ein ausgeglichenes Ergebnis für 2003 und einen Gewinn für 2004 vor. Für den Fortbestand hatte die Belegschaft zuvor bereits kräftige Gehaltsabstriche gemacht.

Verhandlungen fast gescheitert

»Das ist eine gute Nachricht für die 2.300 LTU-Beschäftigten und viele Urlauber, die mit LTU in die Ferien fliegen«, sagte Steinbrück bei der Unterzeichnung der Urkunde. Vorausgegangen waren allerdings noch Stunden des Zitterns und Bangens, da sich das Land und die Banken nicht über Einzelheiten der Landesbürgschaft einigen konnten. »Die Verhandlungen waren sehr schwierig und teilweise vom Scheitern bedroht«, berichtete Steinbrück.

Bürgschaft fast an Banken gescheitert

Hauptstreitpunkt war die Frage, inwieweit sich die Banken selbst am Kreditrisiko beteiligen. Die Geldinstitute hatten zunächst eine 100-prozentige Absicherung der Kredite durch das Land verlangt. Dies war aber vom Haushalts- und Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags abgelehnt worden. Die Einigung sieht nun vor, dass das Land 90 Prozent des Kreditrisikos trägt, die Banken selbst sich mit zehn Prozent beteiligten. Stadtsparkasse und WestLB stellen dem Ferienflieger jeweils einen Kredit von knapp 100 Millionen Mark zur Verfügung, weitere knapp 40 Millionen Mark kommen aus den Kassen der Rewe. Außerdem bürgt das Kölner Einzelhandelsunternehmen noch einmal für die selbe Summe. Das vom Land übernommene Kreditrisiko beläuft sich damit noch auf knapp 140 Millionen Mark.

Kritik an Dresdner Bank

Scharfe Kritik übte Steinbrück an der Dresdner Bank, die in der Nacht zum Freitag quasi in letzter Minute wegen der Bürgschaftsfrage aus dem Kreditgeber-Konsortium ausgeschieden war. Die Frankfurter Bank ist damit »von der Fahne gesprungen«, sagte Steinbrück. Dies wirft angesichts der 2.300 Arbeitsplätze, die auf dem Spiel standen, ein schlechtes Licht auf die unternehmerische Verantwortung und die Wahrnehmung der oft beschworenen Gemeinwohlinteressen durch die Bank.

Bei Insolvenz 5.000 Jobs bedroht

Die 49,9 Prozent LTU-Anteile der ehemaligen Swissair werden vorläufig von einem angesehenen Düsseldorfer Rechtsanwalts- und Insolvenzbüro übernommen. NRW-Wirtschaftsminister Schwanhold betonte die Wichtigkeit der LTU für den Erhalt des Luftverkehrsstandortes Düsseldorf. Ein Konkurs der LTU hätte nach seinen Worten nicht nur 2.300 Arbeitsplätze bei der LTU, sondern - die Zulieferer mitgerechnet - insgesamt fast 5.000 Stellen gekostet. Schwanhold ergänzte, dass der Ferienflieger nun alle Kraftanstrengungen unternehmen muss, um die Verluste in den nächsten beiden Jahren zu reduzieren und 2004 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.