Aktienmarkt Keine Panik trotz Kurseinbruch


Der Einbruch an den Aktienmärkten sei kein Grund für Überreaktionen, meinen Experten. Nach einer Marktbereinigung gehe es wieder aufwärts. Allerdings werde es bis zur umfassenden Erholung noch Monate dauern.

Trotz der neuerlichen Kursbeben an den internationalen Börsen sehen Aktienexperten keinen Grund zur Panik und raten Anlegern zu mehr Gelassenheit. Was sich derzeit an den Finanzplätzen von Tokio über Frankfurt bis nach New York abspielt, ist nach ihrer Ansicht eine Übertreibung. Hauptursache für die Nervosität am Markt sind die nach wie vor nicht bewältigten und abzusehenden Folgen der US-Immobilienkrise.

"Der Markt hat eine Korrektur gebraucht"

"Märkte neigen zur Überreaktion", erklärt Andreas Wex von der Dresdner Bank mit Blick auf die Kurseinbrüche am Donnerstag. "Es ist eine sehr große Unsicherheit am Markt", stellt Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank fest. Dabei werde übersehen, dass die konjunkturellen Rahmendaten weiter sehr positiv seien. Es gibt Experten, die gewinnen dem Kursrutsch auch Positives ab. "Der Markt hat eine Korrektur gebraucht", betont Linda Duessel von der US-Firma Federated Investors in Pittsburgh. "Wir haben eine Marktbereinigung - und das ist gut", pflichtet Delp bei. Der Chefanlagestratege für Privatkunden bei der Commerzbank gründet seinen nach wie vor vorhandenen Optimismus vor allem auf die günstigen konjunkturellen Rahmendaten, sowohl weltweit als auch speziell in Deutschland. Auch die Konzerngewinne seien gut, und die meisten Geschäftsprognosen hätten durchaus "Speck auf den Rippen". Nur will das in Zeiten, da die Mehrheit am Aktienmarkt offenkundig das Glas halb leer statt halb voll sehen will, kaum jemand zur Kenntnis nehmen.

"Da sollte jetzt jeder mal die Hose runterlassen"

Was momentan im Gegensatz zu den vergangenen Monaten fehlt, sind die Fusionsfantasien, die die Aktienmärkte zuletzt in die Höhe getrieben haben. Die von der Hypothekenkrise ausgelöste Verteuerung der Kredite verleidet den Finanzinvestoren derzeit die Lust auf Übernahmen, die zumeist auf Pump finanziert werden. "Auch da gab es zuletzt Übertreibungen am Markt, nach einer Beruhigung wird es aber wieder Fusionen geben", ist sich Delp sicher.

Zusätzliche Verunsicherung kommt seiner Ansicht nach dadurch in den Markt, dass in den USA die Wahrheit über Banken und Fonds, die möglicherweise in Schwierigkeiten stecken, nur scheibchenweise ans Tageslicht kommt. "Da sollte jetzt jeder mal die Hose runterlassen", ruft er nach mehr Transparenz. Erst am Mittwoch hatten Berichte über Probleme bei den amerikanischen Geldhäusern Countrywide Financial und KKR Financial Holdings für neue Verunsicherung an der Wall Street gesorgt.

Als bekennender Bulle sieht Delp den deutschen Aktienmarkt trotz der jüngsten Turbulenzen längerfristig weiter auf dem Weg nach oben. Zum Jahresende erwartet er den DAX auf deutlich über 8.000 Punkten, binnen 24 Monaten sogar bei 10.000 Punkten.

Noch Monate bis zu einer umfassenden Erholung

Am Markt greifen mittlerweile die Ängste um sich, dass die Hypothekenkrise nicht auf die Finanzbranche beschränkt bleibt, sondern sich auf die gesamte Konjunktur in den USA niederschlägt, wie Wex, Leiter Aktienmarktstrategie bei der Dresdner Bank, erklärt. Steigende Zinsen bedeuteten weniger Einkommen, was wiederum die Kauflust der Amerikaner, die gerne auf Kredit kaufen, bremse. Wex erwartet nicht, dass die Auswirkungen der Hypothekenkrise auf die Konjunktur "so gravierend sein werden, wie sie im Augenblick am Markt gespielt werden". Allerdings werde es "mindestens mehrere Monate" dauern, bis es an den Aktienmärkten wieder eine nennenswerte Erholung gebe.

In den USA rätseln die Finanzmarktexperten unterdessen, ob die amerikanische Notenbank angesichts der jüngsten Turbulenzen bereits bei ihrer Sitzung am 18. September die Leitzinsen senkt, um Geld wieder billiger zu machen. "Bei einer Zinssenkung würde der Aktienmarkt vermutlich dramatisch zulegen", prognostiziert Aktienmarktstrategin Duessel. Sie halte es allerdings für klüger, der aktuellen Korrektur noch etwas mehr Zeit zu geben, sich zu entfalten. "Schließlich sind wir im August, und der September steht vor der Tür - traditionell sind dies die schwächsten Börsenmonate im Jahr."

Michael Mauer/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker