Aldi Nord Angeblicher Genreis aus Regal verbannt


Drei Wochen nach ersten Hinweisen auf gentechnisch verunreinigten Reis hat der Discounter Aldi die fragliche Ware aus dem Sortiment verbannt. Das Produkt "Bon-Ri" soll erneut untersucht werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fand in dem Aldireis "Bon-Ri" nach eigenen Angaben den nicht zugelassenen, gentechnisch veränderten Reis LL601. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht bislang keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher, verweist dazu allerdings auf Einschätzungen von US-Behörden. "Wir können keine eigene Risikoabschätzung angeben, weil die Reissorte nicht zugelassen ist", sagte ein BfR-Sprecher.

Bei Umtausch Geld zurück

Aldi nahm "Bon-Ri" in Norddeutschland und im Großraum Berlin aus dem Verkauf. "Kunden können den Reis auch zurückgeben und erhalten das Geld zurück", sagte die Sprecherin. Nach Angaben aus Brüssel wurden inzwischen auch in Frankreich und Schweden in Reisproben Spuren von LL601 entdeckt. Am Montag hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass mehr als jede fünfte Probe Langkornreis in Europa den nicht zugelassenen Reis LL601 enthält. Die Industrie habe in 33 von 162 Proben die aus den USA stammende Sorte gefunden. Die Vereinigten Staaten hatten die europäischen Behörden am 22. August unterrichtet, dass in kommerziell angebautem Reis Spuren der gentechnisch veränderten Sorte gefunden worden seien.

Nach Angaben der Bayer-Tochter CropScience, die nach einer Firmenübernahme die Rechte an LL601 hat, wird diese Sorte weltweit weder angebaut noch vermarktet. Gleichwohl habe die US- Lebensmittelbehörde FDA den Reis als sicher für die Ernährung eingestuft, sagte CropScience-Sprecherin Annette Josten. Das Unternehmen unterstütze die US-Behörden bei der Suche nach der Herkunft des gentechnisch veränderten Reises.

Aldi Nord betonte: "Wir haben nach ersten Hinweisen auf Gen- manipulierten Reis vor drei Wochen unsere Ware untersuchen lassen." Der Verdacht habe sich aber nicht erhärtet, sagte die Sprecherin. Möglicherweise hätten im August noch nicht die richtigen Untersuchungsmethoden vorgelegen.

Euryza versichert "Wir sind sauber"

Der Hersteller des Aldi-Reises, die Euryza-Tochter Reiskontor Handels GmbH, versicherte: "Kein Reis, der nicht zweifelsfrei durch ein entsprechendes Zertifikat als einwandfrei eingestuft worden ist, wird in unserem Unternehmen aufgenommen, beziehungsweise verarbeitet oder ausgeliefert." Bisher lägen keine Untersuchungsergebnisse vor, die das Greenpeace-Resultat bestätigten.

Greenpeace sprach indes von einem "dicken Skandal" für die Gentechnik-Industrie: "Es wird einmal mehr deutlich, dass die Hersteller von genmanipulierten Pflanzen deren Ausbreitung nicht verhindern können, vielleicht auch nicht verhindern wollen." Die Umweltschützer mahnten, die von Bayer CropScience angestrebte Zulassung einer weiteren Gen-Reissorte zu stoppen.

Dabei geht es nach Angaben des Herstellers um die Sorte "Liberty Link 62" (LL62). Dieser Reis enthalte die gleiche gentechnische Veränderung wie LL601, teilte Bayer CropScience mit. Von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA gebe es bereits eine positive Sicherheitseinschätzung. Bayer CropScience will erreichen, dass der Import von LL62 nach Europa zugelassen wird.

DPA DPA

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