HOME

Autokrise: Merkel macht Opel zur Chefsache

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Spitzen des Autokonzerns Opel zu einem Krisengipfel eingeladen. Die Gespräche, in denen es um Bürgschaften für den angeschlagenen Autobauer geht, sollen bereits am Montag stattfinden. In den USA ringt Konzernmutter General Motors unterdessen um Milliardenhilfen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Spitzen des Autokonzerns Opel für Montag zu einem Krisengipfel eingeladen. Man werde sich "Schritt für Schritt mit der Situation vertraut machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen", sagte Merkel am Samstag am Rande des G-20-Gipfels in Washington. Die Regierung nehme sich "der Sache an", erklärte Merkel.

Das Traditionsunternehmen braucht wegen eines Absatzeinbruchs und der dramatischen Krise bei der Konzernmutter General Motors eine Bürgschaft von Bund und Ländern. Mehrere Ministerpräsidenten sicherten bereits am Freitag ihre Hilfe zu. Das Land Hessen erklärte sich bereit, Opel und seinen Zulieferern mit Bürgschaften von bis zu 500 Millionen Euro zu helfen.

Opel-Chef Hans Demant betonte jedoch, das Unternehmen sorge mit der Bitte um Bürgschaften nur für den "theoretischen Fall" vor, dass wegen der Krise bei GM "die Finanzströme aus den USA nicht mehr weiterlaufen". Der Mutterkonzern hatte kürzlich nach Milliardenverlusten und Absatzeinbrüchen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt.

"Wir haben derzeit kein Liquiditätsproblem. Wir sind zahlungsfähig und wir bleiben zahlungsfähig", sagte Demant der Deutschen Presse-Agentur. Opel habe bei der Bundesregierung eine Bürgschaft beantragt, aber keine Liquiditätshilfen: "Wir haben keine Liquidität beantragt." Zur Höhe der Bürgschaft machte Demant keine Angaben.

Nach DPA-Informationen geht es bei der Opel-Bürgschaft um mindestens 200 Millionen Euro. In Branchenkreisen hatte es zudem geheißen, der Autobauer habe in seinen Verhandlungen mit der Bundesregierung und den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen mitgeteilt, im nächsten Jahr etwa eine Milliarde Euro frisches Kapital zu benötigen.

Konzernmutter GM in schweren Finanznöten

Der schwer angeschlagene Opel-Mutterkonzern General Motors ringt in den USA um dringend benötigte Milliarden-Hilfen. Noch am Wochenende wollen einflussreiche Mitglieder des GM-Verwaltungsrates in Washington Druck machen, wie das "Wall Street Journal" am Samstag berichtete. Sie wollten im US- Kongress, im Weißen Haus und bei Vertretern des künftigen Präsidenten Barack Obama die Dringlichkeit der Lage vor Augen führen. General Motors hatte vor einigen Tagen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt.

Die Hilfen für die notleidenden US-Autobauer drohen, in politischen Grabenkämpfen zerrieben zu werden. Die Demokraten im US-Kongress sind dafür, den Autoherstellern den Zugang zum 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die Finanzbranche zu öffnen. Die Republikaner setzen dagegen auf das bereits gebilligte Kredit-Paket von 25 Milliarden Dollar, das eigentlich die Entwicklung sparsamerer Autos fördern soll. Zuletzt setzte sich Präsident George W. Bush dafür ein, die Umwelt-Bindung aufzuheben, und das Geld einfach so zu gewähren. Die Demokraten lehnen dies ab. Ein solcher Schritt würde auf Kosten der Zukunftsfähigkeit der US-Autoindustrie gehen, argumentieren sie.

Nach Einschätzung von Analysten braucht GM rund 15 Milliarden Dollar, die für etwa ein Jahr reichen könnten. Angesichts des Absatzeinbruchs "verbrennt" der größte US-Autohersteller jeden Monat mehr als eine Milliarde Dollar und ihm könnte schlicht das Geld ausgehen.

DPA/AP/AP/DPA