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Autokrise: Opel geht das Geld aus

Am Morgen wurde Opel als möglicher Partner für die insolvente General-Motors-Tochter Saab gehandelt. Doch schon wenige Stunden später wird deutlich, dass die deutsche GM-Tochter selbst in immer größeren Schwierigkeiten steckt. Dem Unternehmen droht schon im März das Geld auszugehen.

Der Kapitalbedarf der General-Motors-Tochter Opel ist offenbar weitaus größer als bislang bekannt. Dem Rüsselsheimer Traditionsunternehmen drohe im März das Geld auszugehen, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Berlin. Opel spreche inzwischen von einem Bedarf an Staatsgarantien in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Bislang war lediglich von 1,8 Milliarden die Rede. Der Opel-Geschäftsführer für Finanzen, Marco Molinari, bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, "dass Opel einen Bürgschaftsrahmen von mehr als den ursprünglich diskutierten 1,8 Milliarden Euro in Europa benötigen" werde. Eine konkrete Summe nannte er nicht.

Neben den Staatsgarantien würden Kredite aus dem Programm der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung benötigt, sagte eine Person mit Kenntnissen der Gespräche mit Opel. Nach der schwedischen Schwestermarke Saab droht damit eine zweite Tochter des ums Überleben kämpfenden US-Konzerns General Motors (GM) in finanzielle Bedrängnis zu geraten.

"Opel will erst in den nächsten zwei Wochen eine Zahl nennen", sagte ein ranghoher Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters: "Bis dahin sind alle Summen Spekulation." Die Regierung gehe aber davon aus, dass es um Beträge von "mehreren Milliarden Euro" gehe. Es gebe Gespräche zwischen Regierung und Unternehmen. "Es gibt Kontakte auf allen Ebenen, aber noch nichts Konkretes“, sagte der Regierungsvertreter.

Eine Person mit direkten Kenntnissen der Situation bei dem Rüsselsheimer Autobauer sagte, der Liquiditätsbedarf von Opel liege derzeit bei etwa 3,3 Milliarden Euro. "Das heißt nicht automatisch, dass wir eine Bürgschaft über 3,3 Milliarden Euro benötigen", betonte die Person. Die Höhe des Liquiditätsbedarfs hatte zuvor bereits der "Spiegel" in einem Vorabbericht genannt. Opel hatte im vergangenen November einen Garantierahmen bei der Bundesregierung beantragt, um im Falle einer Insolvenz seines amerikanischen Mutterkonzerns GM nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden.

Lage seit November "dramatisch verändert"

Opel verwies darauf, dass sich die Lage seit November "dramatisch verändert" habe. Beispielsweise seien die Pkw-Verkäufe in Spanien seitdem regelrecht zusammengebrochen, erklärte das Unternehmen. Dazu kämen die Folgen von Wechselkursveränderungen in wichtigen Märkten wie England und Russland. "Es ist die klare Verantwortung der Geschäftsleitung der Adam Opel GmbH, hier ein realistisches Bild zu zeichnen und bei der Bitte um Staatsbürgschaften die Veränderungen auf den europäischen Märkten zu berücksichtigen", sagte ein Opel-Sprecher.

Während in Deutschland weiter über eine Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern diskutiert wird, hat die schwedische GM-Tochter Saab diesen Schritt bereits vollzogen und will sich unter Gläubigerschutz begeben. Opel wird dabei als Kooperationspartner für ein künftiges eigenständiges Unternehmen genannt.

BMW und Daimler wollen nichts von Opel wissen

Der Münchener Autokonzern BMW und der Stuttgarter Daimler-Konzern machten unterdessen deutlich, nicht an einer Rettungsaktion für Opel interessiert zu sein. "Die BMW Group hat keinerlei Pläne oder Absichten, sich an Opel zu beteiligen", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag. Er erteilte damit einem Aufruf des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt eine Absage, der eine nationale Rettungsaktion der deutschen Autobauer für Opel angeregt hatte. Ganz ähnlich äußerte sich ein Daimler-Sprecher. "Daimler ist nicht an einer Übernahme interessiert", stellte er lapidar fest. Vielmehr machten kürzlich Gerüchte die Runde, die beiden großen Marken würden miteinander kooperieren. BMW und Daimler haben in der gegenwärtigen Krise mit eigenen Absatzproblemen zu kämpfen. In vielen Werken gilt Kurzarbeit, die Gewinne brechen ein, Stellen werden abgebaut.

Reuters/DPA / DPA / Reuters