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Autokrise: Opel prüft die Selbstzerschlagung

Heute wird es ernst für Opel: Management und Aufsichtsrat beraten ein Konzept, das dem angeschlagenen Autobauer das Überleben sichern soll. Dabei ist offenbar auch ein Verkauf des Werkes in Eisenach im Gespräch. Als größtes Problem soll sich zudem die Fertigung in Bochum darstellen.

Im Ringen um einen Rettungsplan prüft Opel einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf seines Werkes in Eisenach. Als möglicher Käufer sei Daimler im Gespräch, berichtete die "Financial Times Deutschland". Erste Kontakte zwischen den Unternehmen habe es schon gegeben. Daimler hatte dagegen bereits erklärt, auch an einer Übernahme von Opel-Teilen kein Interesse zu haben.

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum ist dem Bericht zufolge ungewiss. "Bochum ist das größte Problem", zitiert das Blatt aus Kreisen der Bundesregierung. Demnach könnten die Werke Rüsselsheim und Kaiserslautern dagegen als Teil eines neuen europäischen Opel-Konzerns erhalten bleiben, die deutsche Fahrzeugproduktion würde damit in Rüsselsheim konzentriert. Dieses Konzept habe sich in den vergangenen Tagen in Gesprächen mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM), Opel selbst und anderen deutschen Herstellern herauskristallisiert. Opel wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der Aufsichtsrat des Autobauers Opel kommt heute zu Beratungen über die Zukunft des Unternehmens zusammen. Das Management will dem Gremium ein Konzept für die Rettung des zum kriselnden General-Motors-Konzern gehörenden Herstellers vorstellen. Anschließend soll der Plan der Bundesregierung vorgelegt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat wiederholt ein tragfähiges Unternehmenskonzept als Voraussetzung für staatliche Hilfen gefordert.

Im Gespräch sind Bürgschaften, aber auch eine direkte Beteiligung von Bund und Ländern an Opel. Der Autobauer hat allein in Deutschland rund 25.000 Beschäftigte. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will darüber bereits am Samstag Gespräche mit den Regierungschefs der Bundesländer führen, in denen Opel Standorte betreibt.

Der Verkauf eines Opel-Standorts in Deutschland oder die Schließung von Werken kommt nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers allerdings nicht in Frage. Er könne sich kein Konzept vorstellen, das von der Schließung eines Standorts ausgeht, sagte der CDU-Politiker im ZDF-Morgenmagazin unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats. Gerüchte, das Unternehmen prüfe einen Werksverkauf, wies der Ministerpräsident zurück. Kein deutsches Werk dürfe geschlossen werden. Die Regierungen der betroffenen Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen würden sich bei einem Verkauf auch nicht mit staatlichen Hilfen beteiligen, sagte er. Das gelte für alle vier Landesregierungen.

Nach Informationen aus Konzernkreisen benötigt der Autobauer zum Überleben mehr als drei Milliarden Euro, einen großen Teil davon aus Bürgschaften von Bund und Ländern. Der Betriebsrat fordert eine teilweise Herauslösung von Opel aus dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern GM. Beschäftigte und Opel-Händler sind bereit, sich an einer Rettung des Unternehmens zu beteiligen.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge steht Opel vor einer Hürde, die eine Herauslösung aus dem Mutterkonzern nach bisherigem Stand unmöglich mache. So halte Opel nicht mehr die Patente oder Rechte an den Fahrzeugentwicklungen des Forschungszentrums in Rüsselsheim. Diese seien vor vier Jahren an eine GM-Gesellschaft abgetreten worden. Diese Vereinbarung führe dazu, dass Opel sein Entwicklungsbudget nicht mehr selbst aufstellen und verdienen könne. Ohne Rückkauf oder Rückübertragung der Rechte sei eine eigenständige Produktion von Opel nicht möglich, berichtet die Zeitung.

DPA/AP / AP / DPA