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Automobilkonzern: Bewegung im Poker um Porsche

In den Poker um Porsche kommt knapp zwei Wochen vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung des angeschlagenen Sportwagenbauers Bewegung: Das Emirat Katar hat sieben Milliarden Euro für einen Einstieg bei der Porsche-Holding geboten. Auch Volkswagen soll sein Angebot erhöht haben.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sich mit dem Golfstaat Katar über einen Einstieg bei der Porsche Holding SE geeinigt: Nach Informationen aus Bankenkreisen bietet das Emirat insgesamt rund sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und Optionen. "Die Summe würde das Unternehmen nahezu entschulden", hieß es. Der Deal wäre "ein Befreiungsschlag für Porsche". Das Angebot aus Katar sei mit Porsche-Chef Wiedeking "endverhandelt." Über eine grundsätzliche Einigung zwischen Porsche und Katar berichten auch die "Stuttgarter Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung".

Porsche hatte sich wegen der Mehrheitsübernahme von VW mit neun Milliarden Euro verschuldet und sucht seit Wochen intensiv nach Geldquellen. Die Entscheidung über die Zukunft von Porsche fällt aber voraussichtlich erst am 23. Juli auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Sportwagenbauers. Neben dem Angebot vom Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) soll auch über den möglichen Verkauf von knapp der Hälfte der Porsche AG an Volkswagen beraten werden.

VW bessert Angebot nach

Seit Monaten tobt ein Machtkampf zwischen Porsche und VW. Wiedeking gilt als Gegner eines Teilverkaufs des Autogeschäftes an VW und befürwortet den Katar-Einstieg. Sein Widersacher ist Porsche-Miteigentümer und VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der Porsche in einen Gesamtkonzern integrieren will. Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, soll der VW- Konzern sein Angebot für die Übernahme von 49,9 Prozent an der Porsche AG unterdessen aufgebessert haben. Statt bisher drei bis vier Milliarden Euro würde der Wolfsburger Autobauer "deutlich über vier Milliarden Euro bieten". Laut "Focus" soll mit einem von VW errechneten Steuersparmodell bei einer Übernahme rund eine Milliarde Euro mehr in die Porsche-Kasse fließen. Das Modell nutze legale Steuerschlupflöcher. Vom VW-Konzern und Porsche war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der CDU- Politiker und VW-Aufsichtsrat soll dem Angebot zugestimmt haben. Porsche besitzt knapp 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer VW und hält mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über weitere bis zu 24 Prozent. Zweiter VW-Großaktionär ist das Land Niedersachsen mit knapp mehr als 20 Prozent der Anteile.

Seit der Absage der staatlichen Förderbank KfW über einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro ist der Stuttgarter Sportwagenbauer auf der Suche nach einer neuer Finanzspritze gewesen. Die Stuttgarter haben mit mehreren Banken bislang Kredit-Zusagen für insgesamt 10,75 Milliarden Euro.

Bei der Sitzung des Kontrollgremiums Ende Juli wird auch VW-Aufsichtsratschef und Wiedeking-Gegner Piëch am Tisch sitzen. Der Porsche-Miteigentümer treibt vehement die Schaffung eines großen Autokonzerns voran, in dem Porsche als eigenständiges Unternehmen wie Audi und andere eine von zehn Konzernmarken wäre.

Nach Angaben der "Stuttgarter Zeitung" wird sich Katar mit etwa 20 Prozent an der Porsche Holding beteiligen und zudem von den Stuttgartern Optionen auf den Erwerb von VW-Aktien kaufen. "Diese Optionen sichern den Zugriff auf etwa 20 Prozent von VW zu einem attraktiven Kurs", schreibt das Blatt.

DPA/AP