Bauern-Proteste Händler wollen Milchpreise erhöhen


Riesenerfolg für die Landwirte: Zuerst kündigte der Discounter Lidl an, den Verkaufspreis für Milch und Butter deutlich zu erhöhen. Nun signalisiert auch der Rewe-Konzern sein Einverständnis. Der Bauern-Verband spricht von einem "Durchbruch".

Im Kampf um zu niedrige Milchpreise gewinnen die Bauern langsam die Oberhand: Der Discounter Lidl will nach eigenen Angaben den Verkaufspreis je Liter Milch um zehn Cent und je 250-Gramm-Päckchen Butter um zwanzig Cent erhöhen. Gültig werden soll die Preiserhöhung ab kommenden Montag. Der Netto-Mehrpreis sei ausschließlich für die Landwirte bestimmt, erklärte Lidl.

Wenig später erklärte sich auch der Einzelhandelskonzern Rewe zu einem solchen Schritt bereit erklärt: "Wenn sich dieser Preis im Markt behaupten sollte, wird sich die Rewe-Group marktkonform verhalten", erklärte ein Sprecher am Mittwochabend in Köln.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) spricht von einem "Durchbruch bei den Milchpreisverhandlungen" und fordert die übrigen Lebensmittelhändler auf, den Abschluss zu übernehmen. Nichtsdestotrotz will der DBV prüfen, inwieweit sich die höheren Verkaufspreise auf die Erzeugerpreise durchschlagen.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) will trotz der bisherigen Zugeständnisse des Handels am Lieferstopp festhalten. Verbands-Chef Romuald Schaber erklärte, die Bauern kämpften, bis weitere Erfolge erzielt seien. Am Donnerstag soll es vor dem Brandenburger Tor in Berlin eine Großdemonstration geben.

Außer Lidl und Rewe beschlossen auch die Milchwerke Berchtesgadener Land - Chiemgau, den Milchpreis auf 43 Cent je Liter anzuheben. Nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes (MIV) befinden sich diese Werke jedoch ausschließlich im Besitz von Landwirten. Die Preis-Erhöhung hätten also "die Bauern selbst beschlossen".

Am Mittwoch hatten die Milchbauern ihren Druck auf den Einzelhandel erhöht: Zahlreiche Landwirte versammelten sich nach Angaben des Bauernverbands mit ihren Traktoren vor den Firmenzentralen von Aldi, Rewe, Edeka und Norma, um für höhere Milchpreise zu demonstrieren.

Meinungsumfragen stützen die Bauern

Die Blockaden der Molkereien haben sich nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) inzwischen jedoch weitestgehend aufgelöst. Der Protest der Bauern werde nun vor den Lebensmitteleinzelhandel getragen, denn da gehöre er hin, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, dem WDR.

Die Bauern wollen einen Milchpreis von 43 Cent pro Liter durchsetzen. Derzeit erhalten sie nach eigenen Angaben maximal 35 Cent.

In der Bevölkerung finden die Milchbauern breite Unterstützung. In einer stern-Umfrage erklärten 88 Prozent der Bundesbürger, sie hätten Verständnis dafür, wenn der Milchpreis um zehn Cent steigen würde. Diese zehn Cent müssten dann allerdings den Milchbauern zugute kommen. Lediglich neun Prozent sagten, sie hätten für höhere Preise kein Verständnis. Drei Prozent antworteten mit "weiß nicht".

AP/DPA AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker