BenQ-Insolvenz Ein Drittel der Belegschaft überflüssig


Kurz vor der Pleite stößt der angeschlagene BenQ-Konzern noch schnell Ballast ab. Offenbar soll ein Drittel der Beschäftigten freigestellt werden. In der allgemeinen Untergangsstimmung bietet Siemens Hilfe an.

Bei dem insolventen deutschen Handy-Hersteller BenQ Mobile müssen offenbar 1000 der 3000 Beschäftigten das Unternehmen in Kürze verlassen. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gilt bei der Ex-Siemenstochter vor allem die Verwaltung als überbesetzt, aber auch in der lahmenden Produktion gebe es zu viele Stellen. Noch im Oktober werde BenQ-Insolvenzverwalter Martin Prager Mobile wohl eine vierstellige Zahl an Beschäftigten freistellen, berichtete das Blatt. Prager sowie BenQ waren am Mittwoch zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

"Strukturen auf dem Prüfstand"

In dem FAZ-Bericht hieß es, bei den Freistellungen handle es sich noch nicht um Kündigungen. Diese könnten erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden. Die Betroffenen würden wie die Weiterbeschäftigten bis Jahresende Insolvenzausfallgeld erhalten, schrieb das Blatt. "Derzeit stehen alle Strukturen auf dem Prüfstand", wurde eine Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters zitiert.

Prager will sich mit Vertretern der Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern, der Siemens AG, der Bundesagentur für Arbeit und der IG Metall treffen. Dabei soll es auch um die Einrichtung einer Auffanggesellschaft für Beschäftigte gehen, die bei der anstehenden Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz verlieren. "Im Rahmen der angestrebten Auffanglösung soll den von der Insolvenz und der notwendigen Restrukturierung des Unternehmens betroffenen Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive geboten werden", hatte Prager erklärt. Er folge damit einer Anregung der Siemens AG.

Kleinfeld will unbürokratisch helfen

Unterdessen richtete Siemens am Mittwoch eine Jobbörse für die bedrohten BenQ-Mitarbeiter ein. Siemens teilte mit, in Deutschland gebe es im Konzern derzeit 2000 offene Stellen. Bewerber- und Anforderungsprofile würden in der Koordinationsstelle zusammengeführt, um sehr schnell zu entscheiden, wer für welche Stelle qualifiziert sei. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sagte, es seien alle Voraussetzungen geschaffen, "um diesen Mitarbeitern möglichst unbürokratisch und schnell zu helfen".

Laut Siemens müssen nach Maßgabe von Insolvenzverwalter Prager jobsuchende BenQ-Mitarbeiter ihr Interesse an einer Siemens-Stelle erst bei ihrer eigenen Personalabteilung bekunden. BenQ Mobile leite die Anfragen dann an Siemens weiter. Auf diesem Weg werde das vereinbarte Abwerbeverbot nicht verletzt, hieß es.

Investoren gesucht

Siemens hatte beim Verkauf seiner Handy-Sparte im Juni 2005 mit BenQ ein Abwerbeverbot vertraglich festgelegt. Der Elektronikkonzern BenQ in Taiwan hatte die Zahlungen an seine deutsche Handy-Tochter BenQ Mobile mit 3000 Beschäftigten Ende September eingestellt. Das Insolvenzgeld läuft zum Jahresende aus. Um Investoren zur Rettung des Unternehmens zu finden, muss Prager die Struktur schlanker machen. Siemens hat 35 Millionen Euro als Hilfsfonds für die betroffenen Mitarbeiter seiner ehemaligen Handysparte zugesagt. Gewerkschafter hoffen auf gut 200 Millionen Euro für die Auffanggesellschaft.

AP AP

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