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Börsenstart kein Selbstläufer: Facebook-Aktie nur kurzzeitig auf 43 Dollar

In den ersten Minuten steigt die Facebook-Aktie von 38 auf 43 Dollar, sackt dann wieder ab. Chef Mark Zuckerberg hatte zuvor von Kalifornien aus den Handelsstart an der Wall Street eingeläutet.

Die Aktie des weltgrößten sozialen Netzwerks Facebook hat bei ihrem Börsendebüt am Freitag in New York erwartungsgemäß kräftig zugelegt. Die für 38 Dollar ausgegebenen Papiere sprangen in den ersten Handelsminuten bis auf 43 Dollar. Kurze Zeit später fiel der Kurs jedoch gleich wieder an den Ausgabepreis von 38 Dollar zurück, da es an Anlegern fehlte, die bereit waren, derart viel für das junge Unternehmen auf den Tisch zu blättern. Dass der Kurs nicht noch weiter abrutschte, dürfte an den Banken gelegen haben, die Facebook an die Börse brachten. Sie können stützend in den Markt eingreifen, wodurch sich das Papier stabilisierte.

Trotz allem katapultiert sich das soziale Netzwerk Facebook sich mit einem der größten Börsengänge aller Zeiten in die Liga der Weltkonzerne. Facebook-Chef Mark Zuckerberg läutete am Freitag per Live-Schalte aus Kalifornien die Glocke zum Handelsbeginn an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Die Neuemission bringt Einnahmen von mindestens 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro), Facebooks Marktwert beträgt 104 Milliarden Dollar.

Als Ausgabepreis hatte Facebook am Donnerstag 38 Dollar je Aktie festgelegt, der Handel unter dem Kürzel "FB" sollte im Laufe des Freitag beginnen. Anstatt nach New York zu reisen, stimmte sich Zuckerberg mit seinen Mitarbeitern in einem nächtlichen "Hackathon" auf den Börsengang ein. Dabei probierten die Facebook-Programmierer bis in die Früh neue Software aus. Als Höhepunkt läutete der 28-jährige Zuckerberg dann am Freitagmorgen im Kapuzenpulli und umringt von Hunderten seiner Angestellten die Nasdaq-Glocke.

Größter Börsengang der Technologie-Branche

Insgesamt gibt Facebook rund 421 Millionen Anteilsscheine aus. Das Unternehmen selbst veräußerte dabei 180 Millionen Aktien und nimmt damit 6,84 Milliarden Dollar ein. Der Rest kam von Investoren, die frühzeitig in das vor acht Jahren gegründete Unternehmen eingestiegen waren und nun einen Teil ihrer Anteile zu Geld machen. Bei großer Nachfrage könnten noch bis zu gut 63 Millionen weitere Facebook-Aktien angeboten werden.

Mit dem Volumen von mindestens 16 Milliarden Dollar ist das Handelsdebüt der Facebook-Aktien der größte Börsengang in der Technologie-Branche und die zweitgrößte Neuemission eines US-Unternehmens überhaupt. Vor dem sozialen Netzwerk liegt der Investmentbank Renaissance Capital zufolge nur das Kreditkartenunternehmen Visa, dessen Börsengang im März 2008 17,9 Milliarden Dollar erzielte. Sollten die 63 Millionen zusätzlichen Aktien noch ausgegeben werden, würde sich Facebook mit Einnahmen von 18,4 Milliarden sogar an die erste Stelle schieben.

Zuckerberg kontrolliert 56 Prozent der Stimmrechte

Mit der Gesamtbewertung von 104 Milliarden Dollar ist das vor acht Jahren in einem Studentenwohnheim an der US-Eliteuni Harvard gegründete Facebook auf den Schlag mehr Wert als der deutsche Elektronik-Riese Siemens oder der Autokonzern VW. Zuckerberg wird nach dem Börsengang weiter das Ruder in der Hand behalten und rund 56 Prozent der Stimmrechte kontrollieren.

Facebook ist mit mehr als 900 Millionen Mitgliedern das größte soziale Netzwerk weltweit. Der Umsatz lag im Jahr 2011 bei 3,7 Milliarden Dollar und verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr. Im ersten Quartal 2012 setzte Facebook rund 1,06 Milliarden Dollar um; der Gewinn betrug in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 137 Millionen Dollar.

Zweifel am Nutzen der Anzeigen für Unternehmen

Allerdings gibt es Zweifel, ob die hohe Bewertung von Facebook an der Börse dem tatsächlichen Wert entspricht. Das Umsatzwachstum des Unternehmens verlangsamte sich zuletzt. Kritiker bemängeln, dass Facebook noch kein überzeugendes Geschäftsmodell vorgelegt habe.

Das Netzwerk finanziert sich zum ganz überwiegenden Teil über Werbeeinnahmen, der Nutzen der Anzeigen ist für Unternehmen nach Einschätzung von Experten aber im Vergleich mit anderen Internetseiten wie der Suchmaschine Google eher gering. Der US-Autobauer General Motors erklärte kürzlich, künftig auf bezahlte Werbung bei Facebook verzichten zu wollen.

lin/AFP / AFP