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Kommentar

Vorstände erhalten 60 Millionen : Boni für VW-Manager - die bestbezahlten Geisterfahrer der Republik

Mitten in der schlimmsten Krise der Konzerngeschichte streichen die VW-Manager Millionen ein. Damit verdienen einige noch nachträglich an der Schummelei der vergangenen Jahre. Demut sieht anders aus.

VW-Vorstand

Die Vorstände der Volkswagen AG: Andreas Renschler (von links), Frank Witter, Rupert Stadler, Herbert Diess, Matthias Müller, Christine Hohmann-Dennhardt, Karlheinz Blessing, Francisco Javier Garcia-Sanz und Jochem Heizmann

VW hat das schlimmste Jahr seiner Geschichte hinter sich. Die Abgas-Affäre hat den tadellosen Ruf des Unternehmens nachhaltig ramponiert. In den USA laufen milliardenschwere Schadensersatzklagen. Und auch in Deutschland haben die Anwälte des Konzerns derzeit mehr zu tun als die Verkäufer der Autos: Getäuschte Kunden ziehen vor Gericht und 278 institutionelle Anleger haben eine Sammelklage eingereicht, in der sie mehr als drei Milliarden Euro Entschädigung fordern.

Die finanziellen Folgen sind verheerend: 16,2 Milliarden Euro hat VW für Rückrufaktionen und Entschädigungen im vergangenen Geschäftsjahr zurückgelegt, ein Rekordverlust von 1,6 Milliarden war die Folge. Die Aktionäre mussten sich mit einer Mini-Dividende begnügen. Händler und Angestellte bangen um ihre Zukunft.

VW-Vorstände erhalten üppige Boni

Nur für ein paar Herren in der Wolfsburger Führungsetage hat sich das vergangene Jahr trotz allem ausgezahlt: Die Vorstände des Konzerns haben trotz Diesel-Desasters Millionen eingestrichen, wie der Geschäftsbericht offenbart. Demnach verdienten die zwölf amtierenden und im Jahresverlauf ausgeschiedenen Vorstände des Konzerns 2015 zusammen mehr als 60 Millionen Euro.

Allein Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler strich schlappe 14,9 Millionen ein, davon allerdings 11,5 Millionen als eine Art Ablöseprämie für seinen Wechsel von Daimler zu VW. Pkw-Vorstand Herbert Diess erhielt 7,1 Millionen (davon 5 Millionen für seinen Wechsel von BMW), Vertriebsvorstand Christian Klingler knapp 5,8 Millionen, Francisco Javier Garcia Sanz (Einkauf) 4,4 Millionen und Personalchef Horst Neumann knapp 4,2 Millionen.

Dem zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn wird sein Abschiedsjahr mit 7,3 Millionen Euro versüßt. Das sind zwar deutlich weniger als die 16 Millionen im Vorjahr. Aber dafür musste er auch nicht das volle Jahr arbeiten – und darf sich die Aufräumarbeiten des Skandals nun gemütlich aus der Ferne ansehen. Der neue Mann im Amt, Matthias Müller, muss sich für die ersten neun Monate Arbeit bei VW mit rund 4,2 Millionen Euro begnügen.

Die fürstliche Vergütung der Konzernoberen hatte bereits im Vorfeld heftige Diskussionen ausgelöst. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und andere hatten die Vorstände dazu aufgerufen, auf ihre üppigen Boni zu verzichten. Doch die Manager konnten sich lediglich dazu durchringen, auf 30 Prozent ihrer Zusatzvergütungen zu verzichten – und auch das nur vorerst. Das Geld wird in Aktien umgewandelt und je nach Kursentwicklung in drei Jahren doch noch ausgezahlt.

Manager profitieren noch von Schummeljahren

Sicher, formal gesehen steht den Vorständen ihr Millionen-Salär zu. Es folgt einer komplizierten Bonusregelung, die den Geschäftserfolg der vergangenen vier Jahre einbezieht. Und darunter waren immerhin drei gute. Die allerdings auch nur so gut waren, weil der Diesel-Schummel nicht eher entdeckt wurde. Diejenigen, die schon länger dabei sind, profitieren also jetzt noch davon, dass sie den Konzern über Jahre in die falsche Richtung gesteuert haben. Millionen-Boni für Geisterfahrer.

Den VW-Lenkern hätte stattdessen ein bisschen mehr Demut gut zu Gesicht gestanden. Schließlich resultiert die aktuelle Krise nicht aus einer wirtschaftlichen Flaute, sondern aus systematischem Betrug im eigenen Haus. Doch offenbar nehmen die Manager lieber möglichst viel von dem, was ihnen formal zusteht, auch jetzt mit. Wer weiß schon, wie mager die kommenden Jahre werden.

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