HOME

"New York Times" zu Dieselskandal: Dieser Report treibt VW noch weiter in die Enge

Enthüllungen der "New York Times" sollen belegen, dass der VW-Konzern schon im Jahr 2006 Mitarbeiter mit internen Schulungen auf den Betrug der US-Behörden vorbereitet hat. Dies beweise eine Powerpoint-Präsentation.

Kunden wie Joyce Ertel Hulbert sind wegen des Betrugs beim Diesel-Skandal auf dem Kriegspfad,

Kunden wie Joyce Ertel Hulbert sind wegen des Betrugs beim Diesel-Skandal auf dem Kriegspfad,

Ein Bericht  der "New York Times" wirft ein neues Licht auf die Praktiken des VW-Konzerns beim Diesel-Betrug. Demnach gab es bereits im Jahr 2006 interne Schulungen, wie man die Abgas-Tests für Dieselmotoren in den USA austricksen könne. Im Zuge der Ermittlungen in den USA soll demnach eine Powerpoint-Präsentation aufgetaucht sein, die dieses Wissen vermittelte. Die "New York Times" gibt an, mit zwei Zeugen gesprochen zu haben, die diese Präsentation gesehen haben. Die Zeitung schreibt aber nicht, wie viele Mitarbeiter an diesen Schulungen teilgenommen haben.

Betrug als Ausweg 

Die Präsentation soll entstanden sein, als VW bemerkt hatte, dass die bisher benutzte Technologie nicht in der Lage sein würde, die strengen US-Normen zu erreichen. Bessere Systeme hätten zu Mehrkosten geführt, das wollte VW unter allen Umständen vermeiden. Die Präsentation soll einen illegalen Ausweg aus dem Dilemma gezeigt haben. Sie führte aus, wie versteckte Software dazu genutzt werden könne, zuerst den Zyklus des Abgastests zu erkennen. In Reaktion auf den Test würde die Software die Motorsteuerung so anpassen, dass es scheint, der Motor würde die Normen einhalten. Auf der Straße wurde dieser Sauber-Modus nie benutzt. Exakt diesen Weg hat der Konzern dann später beschritten.

So entstand der Dieselskandal bei VW

Den Verfassern der Präsentation soll bewusst gewesen sein, dass die Wagen in Wirklichkeit weit mehr Emissionen ausstoßen würden, als in dem Test ermittelt wurde. Außerdem sollen, gemäß Zeugenaussagen, Verantwortliche von VW regelmäßig alle Vorschläge zurückgewiesen haben, die darauf zielten, die Filtertechnik zu verbessern, um die Tests legal bestehen zu können. Der dafür notwendige Preisaufschlag von ein paar Hundert Dollar hätte die Marktposition der VW-Modelle im US-Markt verschlechtert. Besonders dreist erscheint es im Nachhinein, dass ausgerechnet Volkswagen mit den Abgaswerten, die durch den Betrug besonders gut ausfielen, massiv unter dem Motto "Clean Diesel" Reklame machte.

Beteiligung des Konzerns am Dieselskandal

Hinzu kommt, dass die Techniker der Firma offenbar glaubten, niemand würde ihnen je auf die Schliche kommen. Das war im Jahr 2006 auch nicht unrealistisch. Ein Abgastest auf der Straße war zwar damals möglich, aber extrem aufwändig. Im Laufe der Zeit wurde die dafür notwendige Ausrüstung aber billiger und leichter verfügbar. Aufgedeckt wurde der Betrug letztlich mit einer Anlage, die von einer Universität entliehen wurde.

Sollte der Report stimmen, wäre das ein schwerer Schlag für die bisherige Verteidigungsstrategie des Konzerns. Wolfsburg hat bislang argumentiert, dass der Konzern von einigen gewissenlosen Mitarbeitern getäuscht worden sei, selbst aber nicht bewusst betrogen habe. Hat es diese Betrugsschulungen tatsächlich gegeben und hätten Mitarbeiter in nennenswertem Umfang daran teilgenommen, wäre die Beteiligung der Firma am Betrug nicht mehr abzustreiten.

Weder VW noch die Kanzlei, die den Konzern in den USA in dieser Sache vertritt, wollten sich wegen der laufenden Ermittlungen gegenüber der "New York Times" äußern.


Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity