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Chiquita: Vom bösen Ausbeuter zum guten Unternehmer

Die Bananenindustrie genießt einen zweifelhaften Ruf: miserable Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit oder Preisabsprachen gehörten zur Tagesordnung. Chiquita ändert das langsam, aber werbewirksam.

"Nenn' nie Chiquita nur Banane" - so warb der US-Fruchtmulti noch Anfang der 80er. Seitdem bekam das Image der Bananenhändler tiefe Kratzer. Kinderarbeit, Verbote von Gewerkschaften oder der Verdacht von Preisabsprachen der großen Produzenten beherrschten zuletzt die Schlagzeilen. Die gesamte Branche geriet wegen des Raubbaus an der Natur, Ausbeutung der Arbeiter und massivem Einsatz von Pestiziden in Verruf.

Chiquita mit neuem Umweltetikett

Jetzt will Chiquita mit einem neuen Etikett auf verbesserte Bedingungen bei der Herstellung aufmerksam machen. Von November an ziert das blaue Label mit der Miss Chiquita in Deutschland und acht weiteren europäischen Ländern ein Zusatz: ein Frosch auf grünem Hintergrund - das Zertifikat der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance. Mit 20 Millionen Dollar hat Chiquita in den vergangenen 13 Jahren zumindest einen Bruchteil der Gewinne ausgegeben, um das Zertifikat zu erhalten.

Seit 1992 arbeiten Chiquita und Rainforest Alliance zusammen. Mittlerweile entsprechen alle unternehmenseigenen Farmen sowie rund 80 Prozent der Zuliefer-Farmen den Standards der Rainforest Alliance, die im Anforderungskatalog unter anderem Mindestlöhne für die Plantagen-Arbeiter und die Einhaltung von Menschenrechten fordert - eigentlich eine Selbstverständlichkeit. "Die Chiquita-Banane wird von Menschen erzeugt, die in der Branche mit die besten Arbeitsbedingungen genießen", sagt Michel Loeb, Europapräsident von Chiquita Brands International.

Fragwürdiger Vorreiter

Bei Kritikern gilt Chiquita aber als fragwürdiger Vorreiter. "Nach wie vor geht es den Beschäftigten der Chiquita-Plantagen nicht gut", sagt Jutta Sundermann, Sprecherin der Globalisierungsgegner attac. "Die Labelkampagne von Chiquita beinhaltet immer nur kleine Fortschritte bei den Umwelt- und Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel bei Pestiziden", sagt sie. Rudi Pfeifer, Geschäftsführer von BanaFair, sieht noch einen anderen Grund zur Kritik: "Es ist ein Fortschritt, aber es hat auch viel mit Image zu tun." BanaFair kämpft für menschenwürdige und ökologisch verträgliche Anbaubedingungen.

"In Costa Rica ist in den letzten 15 bis 20 Jahren versucht worden, Gewerkschaften zu verhindern. Dies ist aber kein Chiquita-spezielles Problem", erzählt Pfeifer. Noch Anfang Oktober sei ein führendes Mitglied einer Bananengewerkschaft auf einer Chiquita-Farm überfallen worden. "Wir hüten uns aber, zu sagen, dass es Chiquita war", sagt Pfeifer. Nach Angaben von Chiquita sind mittlerweile rund 70 Prozent der mehr als 14.000 Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert.

Nur Chiquita bemüht sich wirklich

Sundermann freut sich zwar über den kleinen Schritt, den Chiquita gegangen ist. "Doch das reicht definitiv nicht", sagt sie. Das Unternehmen weiche auf Länder aus, in denen die Menschenrechte nicht so streng ausgelegt würden. Allerdings sei Chiquita der einzige der großen drei Bananen-Produzenten, der sich überhaupt bemühe. attac fordert verbindliche und unabhängige Kontrollen sowie ein Mitspracherecht der Gewerkschaften. Zudem würden immer noch Gifte eingesetzt, die nicht nötig seien. "Chiquita wird auch in Zukunft kein richtiges Ökolabel haben", sagt Sundermann.

"Bei der Zertifizierung geht es um eine Verbesserung des Arbeitsschutzes, um eine Reduzierung der Pestizide, es geht aber nicht um Bio-Anbau oder um den vollständigen Verzicht auf Pestizide", stellt Pfeifer klar. Chris Willie, Direktor für nachhaltige Landwirtschaft bei Rainforest Alliance, bestätigt das. "Die Farmen dürfen Pestizide jedoch nur als letztes Mittel einsetzen." Dass der Verbrauch der zum Teil gesundheitsgefährdenden Pestizide spürbar zurückgegangen ist, kann Willie allerdings nicht belegen. Auch künftig sei Chiquita keine Bio- und auch keine fair gehandelte Banane, aber ein bisschen mehr Bio und ein bisschen fairer als zuvor, konstatiert Pfeifer.

Timo Lindemann/DPA/DPA
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