Citibank Deutsche Bank verliert Bieterwettstreit


Die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel kauft die Citibank für knapp fünf Milliarden Euro. Auch die Deutsche Bank hatte bis zuletzt Interesse an dem deutschen Ableger der Citigroup. Der Betriebsrat ist erfreut.

Die US-Bank Citigroup verkauft ihre auf Privatkunden spezialisierte deutsche Tochter Citibank an die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Die Franzosen zahlen 4,9 Milliarden Euro in bar, wie die Citigroup mitteilte. Der Verkauf werde voraussichtlich im vierten Quartal über die Bühne gehen, die entsprechenden Behörden müssten aber noch zustimmen. Die Deutsche Bank, die auch an der Citibank interessiert war, geht damit leer aus. Sie war Berichten zufolge der letzte noch verbliebene Konkurrent. Andere Bieter wie die Commerzbank waren nach übereinstimmenden Aussagen aus informierten Kreisen bereits vorher aus dem Rennen ausgestiegen.

Crédit Mutuel sei eine hervorragende Wahl, um den Privatkunden in Deutschland auch weiterhin einen exzellenten Service gewährleisten zu können, sagte Citigroup-Chef Vikram Pandit. Die von der Finanzkrise schwer in Mitleidenschaft gezogene US-Großbank verspricht sich von dem Verkauf an die Franzosen einen einmaligen Sondergewinn nach Steuern von vier Milliarden Dollar (etwa 2,5 Milliarden Euro). Die Citigroup betonte, sie stehe zu ihrem restlichen deutschen Geschäft, dem Firmenkundengeschäft und Investmentbanking ebenso wie dem europäischen Daten-Center.

Kündigungen ausgeschlossen

Arbeitnehmervertreter der deutschen Citibank sind erfreut über den angekündigten Verkauf ihres Instituts an die französische Bank. "Das ist eine gute Entscheidung", sagte der Vorsitzende des Citibank-Gesamtbetriebsrates, Rolf Dahmen. Sie werde vom Betriebsrat ausdrücklich begrüßt. Auch die Stimmung in der Belegschaft sei gut. Dahmen betonte, Crédit Mutuel habe betriebsbedingte Kündigungen mindestens für die nächsten 18 bis 24 Monate ausgeschlossen und wolle auch keine Standorte in Frage stellen. Das französische Institut wolle in Deutschland Fuß fassen und dazu auch investieren.

Kein Rückschlag für Deutsche Bank

Der Bankenexperte Wolfgang Gerke sieht in dem verlorenen Bieterwettstreit keinen Rückschlag für die Deutsche Bank. Das Institut sei in Deutschland sehr gut aufgestellt, sagte Gerke. Für den deutschen Branchenprimus wäre ein vergleichbares Geschäft im europäischen Ausland viel attraktiver als eine Übernahme der auf Verbraucherkredite spezialisierten Citibank auf dem Heimatmarkt. Die Deutsche Bank hätte sich nur Probleme mit der Gewerkschaft Verdi geholt, sagte Gerke. Ein Stellenabbau wäre wegen Doppelfunktionen unvermeidlich gewesen. "Dieses Problem haben die Franzosen nicht", betonte der Börsen- und Bankenexperte. Für die Crédit Mutuel sei die Übernahme ein geschickter Schachzug, auch wenn der Preis recht hoch sei.

Die Citibank hat in Deutschland 3,25 Millionen Privatkunden und 340 Filialen. Crédit Mutuel, die drittgrößte für Bank für Privatkunden in Frankreich, ist im Elsass stark vertreten. Deshalb lag ein Sprung auf den deutschen Markt nahe.

DPA/AFP/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker